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"Vorurteile sind das Übel"

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Udo Engbring-Romang deutet auf die Tafeln der Sinti-und-Roma-Ausstellung im Bürgerhaus.
Udo Engbring-Romang deutet auf die Tafeln der Sinti-und-Roma-Ausstellung im Bürgerhaus. © Knapp

Der Weg der Sinti und Roma: AES-Schüler befassen sich tiefgründig mit Diskriminierung.

Schwalbach - Rund 60 Mädchen und Jungen aus der Albert-Einstein-Schule (AES) sind jetzt befähigt, ihre Mitschüler in den nächsten Tagen durch die Ausstellung "Der Weg der Sinti und Roma" zu führen. Sie wurden entsprechend geschult. Die Schüler engagieren sich bei dem Projekt "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage".

"Anders als im Unterricht und bei Projektaktionen ist es für uns etwas Besonderes, hier etwas über die Schulgrenze hinaus zu machen", sagen die AES-Schüler. Die mobile Ausstellung des Hessischen Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma wurde vom Historiker und Politologen Udo Engbring-Romang konzipiert, der auch die Schüler-Kurse in Schwalbach leitete. Er sagt: "Wir zeigen in der Ausstellung auf 37 Schautafeln in Text und Bild die Geschichte der Sinti und Roma, die seit ihrer Migration ab dem 16. Jahrhundert nach Europa Verfolgungen als hiesige Minderheit ausgesetzt waren. Wir zeigen, wie die entstandenen Vorurteile und Diskriminierungen zum Völkermord in die KZs der Nationalsozialisten führen konnte und dass diese Bevölkerungsgruppe heute in Deutschland zumindest hohe politische Anerkennungen erringen konnte."

Statistiken und Erfahrungsberichte in der Ausstellung zeigen auch das Gegenstück, nämlich "wie stark die alten Bilder von den Sinti und Roma als ,Zigeuner', die angeblich im Wohnwagen übers Land ziehen und nichts Gutes bringen, auch in der deutschen und europäischen Bevölkerung bis heute noch verhaftet sind", sagt der Ausstellungsmacher. "Uns ging es deshalb auch darum, Aspekte aus dem Leben der Sinti und Roma zu zeigen, die nichts mit ihrer Verfolgung zu tun haben."

"Oft ist es Gedankenlosigkeit"

Bei den AES-Schülern ist das angekommen: "Wir waren erstaunt zu sehen, wie Sinti und Roma durch ihre Kultur, Musik und Literatur Europa bereichert haben, und das man sie ihrer Identität beraubt, wenn man sie nur als verfolgte Opfer sieht, wenngleich das immer auch betont werden muss", sagen Clara und Luca. Ihre Mitstreiterin Belén betont einen wichtigen Aspekt, der über die Ausstellung hinausgeht und mit ihr dennoch viel zu tun hat: "Vorurteile sind das Übel. Es gibt niemanden ohne Vorurteile, das soll jeder einmal selbst bei sich hinterfragen. In der S-Bahn setzen wir uns lieber neben einen seriös wirkenden Anzugträger als neben eine schmuddlige Person, ohne zu wissen, welcher dieser Menschen hilfsbereiter wäre." Genau so funktionieren Vorurteile über Bilder und Unwissen, das hat diese Schülerin erkannt. Die engagierten AES-Schüler arbeiten deshalb mit dem Prinzip der Aufklärung bei ihrem Projekt.

"An unserer Schule machen wir die Erfahrung, dass es oft nur Gedankenlosigkeit ist, wenn sich Mitschüler ihrer diversen Vorurteile nicht bewusst sind. Wenn wir darüber sprechen, begegnen wir meistens Offenheit und Umdenken", sagen sie. Diskriminiert und verfolgt werden Menschen wegen ihrer Herkunft wegen ihres Glaubens oder weil sie Gleichgeschlechtliche lieben und aus anderen Gründen weltweit.

Engbring-Romang war erfreut zu hören, dass die Schüler Erfolgserlebnisse haben. "Aufklärung und tolerante Mitmenschlichkeit sind der einzige Weg, Vorurteilen und ihrer gewalttätigen Folgen innerhalb demokratischer Strukturen entgegenzuwirken. Ist dieser Zeitpunkt schon überschritten, ist es oft zu spät", sagt er, wie man anhand der NS-Zeit sieht. ku

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