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Blick in den Hof der Taunusstraße 16, wo es vor zwei Jahren brannte.

Landgericht Frankfurt

Brandstifter Joachim S. vor Gericht: War die Brandserie politisch motiviert?

Der 47-Jährige Joachim S. ist in 16 Fällen angeklagt. Der Vorwurf lautet Brandstiftung. Für den Prozess sind sieben Verhandlungstage angesetzt.

Schwalbach/Frankfurt -Vor rund einem Jahr wurde er verhaftet, jetzt sitzt er bald auf der Anklagebank: Am 06.11.2020 beginnt vor dem Landgericht Frankfurt der Prozess gegen den mutmaßlichen Serienbrandstifter Joachim S. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft wirft dem 47-Jährigen unter anderem schwere Brandstiftung und versuchte Brandstiftung vor. Angeklagt sind 16 Taten, die sich zwischen Dezember 2018 und Dezember vergangenen Jahres ereignet haben sollen. Dies berichtete zuerst die Frankfurter Rundschau (FR). Wie ein Sprecher des Landgerichts der Zeitung bestätigte, sind bis Ende November zunächst sieben Verhandlungstage angesetzt.

Joachim S. hat es in den vergangenen Jahren zu einiger Bekanntheit in der Öffentlichkeit gebracht: Zusätzlich zu den 16 mutmaßlichen Taten, wegen derer er sich jetzt vor Gericht verantworten muss, soll er auch für die aufsehenerregende Brandserie bei linken Kulturzentren und alternativen Wohnprojekten im gesamten Rhein-Main-Gebiet verantwortlich sein, bei der es zwischen Herbst 2018 und Sommer vergangenen Jahres bei einer Vielzahl von Projekten gebrannt hatte.

Brandstiftung in Frankfurt: Betroffen waren unter anderem Wohnprojekte

Von den Bränden waren unter anderem zwei Frankfurter Einrichtungen betroffen, das "Café Exzess" in Bockenheim sowie die Wohnprojekte "Au" und "Assenland" in Rödelheim. Auch das Kulturzentrum "Metzgerstraße 8" in Hanau und das Schwalbacher Hausprojekt "Knotenpunkt" in der Taunusstraße 16 sind Gegenstand des Verfahrens. Die Brände hatten teils erheblichen Sachschaden angerichtet, es war allerdings niemand verletzt worden.

Das Feuer in der Schwalbacher Altstadt erregte im September 2018 Aufsehen. Fast fünf Stunden kämpften rund 200 Einsatzkräfte gegen die Flammen an, die auf Nachbargebäude überzuspringen drohten. Während ihrer Untersuchungen entdeckte die Polizei später, dass auf dem Gelände Cannabis angebaut worden sei.

Brandstiftung in Frankfurt: Kritik an angeblich zu laschen Ermittlungen

Im Dezember vergangenen Jahres war Joachim S. festgenommen worden, nachdem die Polizei ihn intensiv observiert hatte. Seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft. Die Nutzer und Bewohner der von der Brandserie betroffenen Projekte hatten die Ermittlungen gegen den 47-Jährigen schon während der laufenden Brandserie als zu lasch kritisiert, unter anderem deshalb, weil Joachim S. schon Ende 2018 von Nutzern der "Metzgerstraße 8" festgehalten und der Polizei übergeben worden war. Laut den Aktivisten hatte er zuvor ein Feuer in dem Gebäude gelegt. Es ist durchaus denkbar, dass die Brandserie politisch motiviert war: Recherchen der FR hatten ergeben, dass Joachim S. 2017 und 2018 insgesamt rund 1700 Euro an die hessische AfD gespendet hatte. Ein Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft bestätigte, dass die Ermittlungen wegen der Brände bei linken Zentren immer noch nicht abgeschlossen sind. Es ist also denkbar, dass S. nach seinem Prozess mit einer zweiten Anklage rechnen muss.

Die Linken in Hessen lobten im Dezember 2018 "linke Wohnprojekte" wie den "Knotenpunkt" in Schwalbach. Sie seien "ein Beitrag, die Profit- und Marktlogik im Bereich der Wohnungsversorgung zurückzudrängen". Sie seien "Orte alternativer Gesellschaftsentwürfe". (Hanning Voigts)

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