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Prozess um mutmaßliche Gruppenvergewaltigung in Schwalbach: Die Angeklagten widersprechen dem Vorwurf. (Symbolbild)

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Gruppenvergewaltigung: Angeklagte widersprechen – „Es sah eher aus wie in einem Pornofilm“

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Im Prozess in Frankfurt um eine Gruppenvergewaltigung in Schwalbach bestreiten die Angeklagten die Vorwürfe.

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Schwalbach – Keine großen Überraschungen gab es zum Auftakt des zweiten Prozesses um eine mutmaßliche Gruppenvergewaltigung. Die fünf Angeklagten, heute zwischen 23 und 27 Jahre alt, bestritten es auch diesmal wieder, an jenem 21. September 2011 irgendeine Art von Gewalt gegen eine damals 38 Jahre alte Frau angewendet zu haben.

Prozess um mutmaßliche Gruppenvergewaltigung in Schwalbach: Angeklagte widersprechen

Im Gegenteil: Die Frau habe ihre sexuellen Dienste freimütig angeboten, nachdem sie zuvor von den Burschen mit "Gras" versorgt worden sei. Einer von ihnen traf sie offenbar am Schwalbacher Marktplatz und schlug mit ihr den Weg Richtung Schiffsspielplatz ein, wo eine Holzhütte steht. Ursprünglich wollte die 38-Jährige zu ihrer Arbeitsstelle - sie kellnerte im nahe gelegenen Vereinsheim der beiden Fußballvereine FC Sportfreunde und BSC Schwalbach.

Später schilderte sie ihre Erlebnisse in der Holzhütte als eine einzige Odyssee. Nacheinander sei sie von allen fünf Männern "rangenommen" worden. Der jüngste - damals erst 15 Jahre alt - soll sich ganz besonders hervorgetan haben. Heute sind die Männer achteinhalb Jahre älter - und reifer - geworden. An ihren ursprünglichen Schilderungen aber halten sie fest.

Gruppenvergewaltigung in Schwalbach?: „Es sah eher aus wie in einem Pornofilm"“

"Ich hatte nicht den Eindruck einer Vergewaltigung", sagte der Jüngste: "Es sah eher aus wie in einem Pornofilm". Jugendliche Neugier, sexuelle Begierde, Gruppendynamik: Dies alles schien in der dämmrigen Holzhütte zwischen Sandkästen und Kinderschaukeln, einem für Phantasien amouröser Art eher bescheiden anmutenden Ort, eine Rolle gespielt zu haben. Auch die anderen Angeklagten äußerten sich in diese Richtung: "Wenn ich etwas von Gewalt mitbekommen hätte, wäre ich eingeschritten", sagte ein anderer Angeklagter vor dem Frankfurter Landgericht.

Die Atmosphäre im Gerichtssaal schien diesmal etwas entspannter als noch vor knapp zwei Jahren, als der erste Prozess eröffnet worden war. Die Angeklagten scheinen zu wissen, dass auch im ungünstigen Fall einer Verurteilung die verflossene Zeit zu ihren Gunsten gewertet wird - die Wahrscheinlichkeit von Gefängnisstrafen ist nicht gerade höher geworden. Dreh- und Angelpunkt aber dürfte in dem neuen Prozess, der von der Jugendstrafkammer vorerst mit sechs Verhandlungstagen bis Ende April 2020 terminiert wurde, das Ergebnis des Glaubwürdigkeitsgutachtens sein.

Prozess um mutmaßliche Gruppenvergewaltigung in Schwalbach: Gutachter kommt erst später zu Wort

Die Frau hatte sich bei ihrer ersten Aussage vor Gericht immer wieder in Ungereimtheiten und Widersprüche verstrickt. Auch die Rolle ihres Ehemannes scheint nach wie vor nebulös. Angeblich hatte er nach der Tat Kontakt mit den Angeklagten, von denen mehrere im unmittelbaren Umfeld des Opfers wohnten. Auch dieser Umstand spricht nach Ansicht der Angeklagten und ihrer Verteidiger nicht unbedingt für eine erzwungene Gewalttat solcher Intensität.

Bevor der Gutachter zu Wort kommt, muss erst einmal alles wiederholt werden, was bereits in dem ersten Verfahren im Frühjahr 2018 eine Rolle gespielt hatte. Die Frau muss noch einmal in den Zeugenstand, und auch ihr Ehemann wird wohl noch einmal befragt werden. Dazu kommen diverse Gutachter und die Jugendgerichtshilfe. 

VON MATTHIAS GERHART

Nach einer Gruppenvergewaltigung in Frankfurt-Sachsenhausen wurde das Urteil gesprochen. Der jüngste Täter bekam die höchste Strafe.

Mordfall Susanna: Ali B. ist in einem anderen Verfahren auch wegen Vergewaltigung einer 11-Jährigen verurteilt.

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