Experten untersuchen Gewässer

Im Schwarzbach wird das Wandern für Fische immer leichter

Durch den Zusammenfluss von Dais- und Dattenbach entsteht in Eppstein der Schwarzbach. Regelmäßig wird er von Experten unter die Lupe genommen. Seit seine Wasserqualität kein großes Problem mehr darstellt, gilt das Hauptaugenmerk inzwischen der Verbesserung der Lebensbedingungen für Fische und andere Lebewesen im Wasser. Was dabei für die Einen gut ist, kann allerdings für die Anderen fatale Folgen haben.

„So eine Bachschau ist eine wasserrechtliche Forderung“, erklärt Claudia Kötzer von der Unteren Wasserbehörde des Main-Taunus-Kreises. „Während man sich früher mehr auf illegale Eingriffe wie Abwassereinleitung oder Müll beschränkt hat, gilt heutzutage die europäische Wasserrahmenrichtlinie als Basis. Daher schauen wir uns die bisher umgesetzten Maßnahmen genauer an und verschaffen uns einen Eindruck über die weitere Entwicklung.“

Genau festgelegt ist, wer an der Wasserschau teilnimmt: Am Schwarzbach sind das neben Vertretern der Wasserbehörde solche des Abwasserverbands, der Unteren Naturschutzbehörde sowie der Städte Eppstein und Hofheim.

Auch der Sportangler-Club SAC Taunusfischer ist mit von der Partie. Immerhin entnimmt der Verein dem Schwarzbach pro Jahr rund 25 Kilogramm Fische – für den Eigenbedarf. „Vorwiegend sind das Salmoniden, also Forellen, Eschen und Lachse, im unteren Bachlauf haben wir sogar schon die Meerforelle nachgewiesen“, berichtet Manfred Dickel. Er freut sich: „Die Wasserqualität ist hervorragend. Jährlich setzen wir zwischen 5000 und 20 000 Junglachse aus, die hier groß werden und dann über Main und Rhein bis in den Atlantik wandern. Letztes Jahr konnten wir immerhin einen

Rückkehrer

nachweisen.“

Dem wurde dieser Weg jedoch nicht ganz einfach gemacht: Alleine im Main musste er zwei Staustufen überwinden. „Wenn diese eines Tages mal bereinigt sind, so dass die Fische ganz leicht aufsteigen können, ist auch mit mehr

Rückkehrer

n zu rechnen“, so Dickel.

Die Verbesserung der Lebensbedingungen für Fische und Kleinstlebewesen steht daher bei allen Maßnahmen im Fokus. „Die Priorität bei der Umgestaltung des Baches lautet, Wanderhindernisse zu beseitigen, um ihn durchgängig zu machen für Fische“, erläutert Fredrik Goletz von der Unteren Wasserbehörde, der die Begehung leitet. „Dafür werden Querverbauungen, Wehre und Stufen umgebaut und Rampen gesetzt, damit die Fische auch wieder aufsteigen können.“

Allerdings weist er auf eine Naturschutzproblematik und zwei sich widersprechende Ziele hin: „Weit bachaufwärts in Eppstein hat der Steinkrebs, der als gefährdet gilt, seinen Rückzugsort. Zu dessen Schutz müssen wir daher an manchen Stellen die Wehre drinlassen, damit der Signalkrebs, der mit importierten Gütern in unser Flusssystem gekommen ist und den Steinkrebs zu vernichten droht, eben nicht wandern und keine Krankheiten übertragen kann. Daher kann der Bach im Moment nicht komplett durchgängig gestaltet werden.“

Von der Gewässerschau erwartet sich Goletz, der Bäche „einfach mag“, Aufschluss über den Zustand des Schwarzbachs: „Aber sofern nicht gerade ein Erdbeben passiert oder eine Bombe eingeschlagen ist, werden wir vermutlich nichts entdecken, was wir vorher nicht auch schon wussten. Natürlich hoffe ich, dass alle heute Beteiligten eventuelle Fragen beantwortet bekommen und zufrieden nach Hause gehen.“

Frank Goebel vom Abwasserverband, der im Auftrag der Kommune für den Bach die Unterhaltspflicht hat, ist jedenfalls entspannt: „Unsere Mitarbeiter laufen mindestens zweimal pro Jahr den Bachlauf ab und beseitigen Müll, schneiden Pflanzen zurück und kranke Bäume ab oder bessern Uferbefestigungen aus. Manche Bürger rufen uns ja auch an, wenn irgendwo ein Baum umgefallen ist. Wir sind daher relativ up to date, was den Zustand des Baches angeht.“

Später zeigt er, wo kürzlich ein umgestürzter Baum weggeräumt wurde, der ein Abflusshindernis darstellte. An anderer Stelle wird allerdings ein Baumstamm bewusst liegengelassen. Er liegt zwar quer über dem Bach, aber staut das Wasser nicht an und stört so niemanden. „Uns ist an Renaturierung gelegen“, so Goebel. „Außerhalb von Ortschaften möchte man natürlich schon, dass ein Bach möglichst schön mäandrieren und ausufern und sich wieder naturnah zurückentwickeln kann.“

Dass sich durch die Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie dahingehend einiges geändert hat, erläutert Goletz: „Früher wurden die Bäche freigeräumt und sauber gehalten, damit ein ordentlicher Abfluss zustande kam; auch für den Hochwasserschutz. Heute wird das etwas anders gesehen, dass nämlich der Bach eher in einem möglichst natürlichen Zustand verbleiben soll und Äste, die abfallen, liegengelassen werden. Außerdem geht es eben auch darum, Abstürze, Mauern und Wehre zu entfernen – die aufgrund der Besiedelung durch Menschen entstanden sind.“

Das ist eine Vorgehensweise, die Peter Foltas von der Unteren Naturschutzbehörde ein Lächeln aufs Gesicht zaubert: „Die Beseitigung der Wasserhindernisse, um die Gewässer durchgängig für Lebewesen zu machen, ist für uns besonders wichtig. Das spielt ja nicht zuletzt für den Artenschutz eine Rolle.“

Ein

Prachtexemplar

eines vergangenen Jahres aufwendig umgebauten Wehrs präsentiert sich am Ortseingang Lorsbach, von Eppstein aus gesehen, an der ehemaligen Lederfabrik Wermund / Fabricasa. Dort wurde zusätzlich eine breite Umgehungsrinne für den Fischaufstieg angelegt, die sich an dem Absturz vorbeischlängelt.

Bereits in Eppstein war ein mustergültiges Bauwerk zu bewundern: die Pegelmessstelle. Der den Bach im Bett haltende Damm bekam eine Scharte, über die Hochwasser in ein Überlaufbecken fließen kann, das durch einen zweiten Damm von einer Häuserreihe abgetrennt ist. „Früher stand das ganze Gebiet, wo jetzt die Häuser gebaut sind, auch mal unter Wasser“, erklärt Goebel.

Im weiteren Verlauf der Begehung wird beispielsweise geschaut, ob für Wasserentnahmestellen eine entsprechende Genehmigung vorliegt, und wie sich Bach und direkt angrenzendes Industriegelände von A.M. Ramp & Co. (Ruco Druckfarben) miteinander vertragen. Firmenvertreter Andreas Brand sieht keine Probleme: „Ein Gebäude haben wir auf Stelzen gebaut, damit der Bach bei Hochwasser mehr Platz hat. Wir selber entnehmen kein Wasser und leiten nur Oberflächenwasser ein.“

Fredrik Goletz ist am Ende des Tages zufrieden: „Es gab keine – bösen – Überraschungen, denn alle unterhaltspflichtigen Institutionen, ob Abwasserverband oder die Kommunen, haben ihren Job gemacht, und die laufenden Abstimmungen funktionieren, daher sind auch keine Nacharbeiten nötig.“

Eine weitere Gewässerschau (Oberlauf Welsch- und Lachgraben), an der auch interessierte Bürger teilnehmen können, plant die Untere Wasserbehörde des MTK für den Donnerstag, 23. März 2017. Treffpunkt ist um 9 Uhr am Golfclub Hof Hausen vor der Sonne.

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