Sechs Jahre Haft für Straßenraub

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Kleine Beute, aber um so größere Strafe: Ein 26 Jahre alter Mann aus Nordafrika wurde gestern vom Landgericht Frankfurt wegen besonders schwerem Raub zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Kleine Beute, aber um so größere Strafe: Ein 26 Jahre alter Mann aus Nordafrika wurde gestern vom Landgericht Frankfurt wegen besonders schwerem Raub zu sechs Jahren Haft verurteilt. Er hatte im Oktober vergangenen Jahres in einer Kneipe in der Euckenstraße gezecht, bis er weit nach Mitternacht kein Geld mehr hatte. Weil der Durst jedoch nach wie vor vorhanden war, überlegte er, was zu machen sei. Vor dem Lokal sah er schließlich einen 58 Jahre alten Frührentner den Bürgersteig entlang schwanken. Der Mann hatte bereits einen Zug durch die Gemeinde hinter sich und machte einen recht unbeholfenen Eindruck. Ein attraktives Raubopfer, muss der Kneipengast gedacht haben. Er nahm einen Schraubenschlüssel zur Hand, den er eigentlich für sein Fahrrad benutzte, und schlug dem arglosen Passanten damit heftig auf den Kopf. Der Mann ging zu Boden, riss den Räuber jedoch mit. Nach kurzem Kampf gelang es dem Täter, in die Gewalt der Jacke zu kommen, in der die Geldbörse mit den Personalpapieren und dem Bargeld steckten. Mit 20 Euro suchte er das Weite, hatte jedoch keinen Erfolg. Das am Kopf heftig blutende Opfer war noch Manns genug, um in die Gaststätte zu rennen und die Polizei zu verständigen. In der Nähe des Tatortes wurde der Mann kurze Zeit später festgenommen.

Ausweispapiere oder andere Nachweise seiner Identität blieben bis zur Verhandlung Fehlanzeige, so dass das Gericht eigentlich gar nicht recht wusste, gegen wen es verhandelte. Man habe den Namen benutzt, der dem Gericht vom Angeklagten mitgeteilt worden sei, egal ob richtig oder falsch, hieß es bei Gericht. In elf europäischen Ländern war der Marokkaner bislang unterwegs. In Ungarn wurde Asyl beantragt, in Italien kam er nach diversen Straftaten ins Gefängnis. Der Asylantrag in Deutschland wurde mit Blick auf die ausstehende Sache in Ungarn zurückgewiesen. Gleichwohl blieb der Mann im Land – seit seiner Festnahme sitzt er nun in Untersuchungshaft.

Vor Gericht räumte er den äußeren Tatverlauf ein. Er sei jedoch stark alkoholisiert gewesen und habe darüber hinaus auch noch Kokain eingenommen, sagte er, um an eine mögliche eingeschränkte Schuld- und Steuerungsfähigkeit heranzukommen. Doch daraus wurde nichts: „Der Kokainkonsum war schon am Nachmittag und deshalb nach Mitternacht verflogen. Und 1,8 Promille Alkohol im Blut reichen bei einem trinkgewohnten Menschen wie dem Angeklagten ebenfalls nicht aus, um die Steuerungsfähigkeit herabzusetzen“, befand Vorsitzender Richter Klaus Eckhardt. So blieb es bei der gesetzlichen Mindeststrafe von fünf Jahren, die sogar noch um ein Jahr erhöht wurde: So habe das verletzte Opfer im Krankenhaus am Kopf genäht werden müssen, hieß es im Urteil.

(ge)

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