Stefan Müller strahlt: Der Hornauer Wehrführer freut sich allerdings nicht nur auf seinen Abschied und künftig etwas mehr Ruhe, sondern vor allem über seine prächtige Bilanz in 20 sehr aktiven Jahren.	Foto: Knapp
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Stefan Müller strahlt: Der Hornauer Wehrführer freut sich allerdings nicht nur auf seinen Abschied und künftig etwas mehr Ruhe, sondern vor allem über seine prächtige Bilanz in 20 sehr aktiven Jahren. Foto: Knapp

Feuerwehr Hornau

Seine Bilanz kann sich sehen lassen

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Am Freitag soll das Nachfolge-Trio gewählt werden. Wenige Tag zuvor musste Stefan Müller seinen treuen Kassierer noch auf dem letzten Weg begleiten.

Die 20 Jahre haben ihm schon viel Freude gemacht, sagt er. Doch als Stefan Müller an diesem Nachmittag das Gerätehaus an der Feldbergstraße verlässt, gilt sein erster Rückblick den verstorbenen Kameraden. In der Halle ist gerade der Leichenschmaus für den langjährigen Kassierer Manfred Meyer. Müller hat als Wehrführer natürlich die passenden Worte gefunden – so wie in den mehr als 20 anderen Fällen auch, in denen er einen Kameraden zur letzten Ruhe begleitete.

Doch seine Bilanz fällt trotz vieler trauriger Momente mehr als positiv aus – passend dazu strahlt die Sonne auf dem Kirchplatz auf seine Dienstmütze. „Ich hatte das Glück, in einer Hochzeit Wehrführer zu sein, ein Highlight hat das andere gejagt. Bei mir überwiegt alles Positive.“ Er nennt das große Fest zum 75. Geburtstag der Feuerwehr im Jahr 2003, die Einweihung des Tanklöschfahrzeugs und zwei Mitgliederwerbeaktionen mit seinem Kompagnon Reinhard Lindner (siehe „Extra“). „Dann haben wir das Feuerwehrhaus einmal grundsaniert“, sagt Müller, der bei der Stadt mit seinen Anliegen „immer offene Türen eingerannt“ habe. Und ganz wichtig für ihn: Er sei froh, dass es keine Einsätze mit schweren Personenschäden der Kräfte gegeben habe. „Dass alle von den 1000 Einsätzen lebend zurückgekommen sind, ist das Wichtigste.“

Etwas amtsmüde

So kann Wehrführer und Vereinsvorsitzender Stefan Müller am Freitag bei der Jahreshauptversammlung der Hornauer Feuerwehr ein sehr gut bestelltes Feld übergeben. Für seine Nachfolge gibt es bereits Kandidaten: Sein bisheriger „Vize“ Bernd Bender möchte Wehrführer und stellvertretener Vereinschef werden. Den Verein würde Thorsten Hartleb übernehmen, und bei der Wehrführung bewirbt sich Tobias Usinger als Nummer zwei. „Dann haben wir erstmals nach Jahrzehnten ein Führungstrio“, freut sich Müller. Er selbst sei nach zwei Jahrzehnten als Doppelchef ein bisschen amtsmüde, räumt der 49-Jährige ein. „Man überlebt sich mit seinen Ideen, die Routine wird zur Belastung. Das muss einfach mal frischer Wind rein. Die jungen Leute haben auch andere Vorstellungen.“ Müller wünscht sich mehr Zeit für die Familie mit seiner Frau Daniela, die sein Engagement stets unterstützt habe, sowie den Kindern Tobias (7) und Katharina (8). Nicht selten sei er an vier Abenden pro Woche in Sitzungen gewesen. Auch deshalb lehnte Müller vor einigen Jahren ab, als er Kelkheims Stadtbrandinspektor werden sollte. „Das wollte ich nicht, und es wäre beruflich auch nicht gegangen.“ Müller hat Gas-Wasser-Installateur gelernt, sich in einer Frankfurter Firma vom Lehrling zum Betriebsleiter hochgearbeitet. Sein Chef unterstütze das Feuerwehr-Ehrenamt, der sei selbst Funktionär in einem Fußballverein, freut er sich.

Bis ins Jahr 1753 lässt sich der Stammbaum der Familie zurückverfolgen. Der Feuerwehr war vor allem Müllers Vater Willi treu, der die Truppe 1947 nach dem Krieg mit aufgebaut hatte. 1974 half Willi Müller, die Jugendfeuerwehr zu gründen und war von 1984 bis 1989 stellvertretender Wehrführer. „Da war klar, dass der einzige Sohn zur Feuerwehr geht“, erinnert sich Stefan Müller – und ist stolz, dass sein Junior ebenfalls Spaß bei den Minilöschern hat. Da werden dann zu Hause schon mal Knoten geübt.

Was bleibt in 20 Jahren hängen? Vielen positive Dinge, aber auch schlimme Ereignisse wie aktuell die Brandserie. „Wir gehen zwar ziemlich unverkrampft damit um, aber eine gewisse Spannung ist sicherlich da. Man geht abends schon mit komischen Gedanken ist Bett“, sagt Müller. „Es wäre schlimm, wenn es ein Feuerwehrmann wäre. Aber da guckt keiner hinter die Stirn.“ Auch an einen komischen Einsatz kann sich der Wehrführer noch gut erinnern: Anfang der 2000er sei die Wehr zu einem Feuer im Wald gerufen worden. Doch dann habe nur eine Fläche am Boden in einem Kreis gebrannt, das sei zwar ungefährlich, aber mysteriös gewesen. Vor wenigen Wochen hingegen wurde es makaber: Die Kameraden sollten eine Leiche in Hornau bergen. „Und dann hat uns die Leiche selbst die Tür aufgemacht“, kann Müller heute darüber schmunzeln.

Wieder Musik machen

Wie er betont, möchte er der Wehr als Zugführer und im Bereich Öffentlichkeitsarbeit erhalten bleiben. Zudem kümmert er sich um das Archiv, will Glückwunschkarten verteilen und als aktiver Kamerad mitmischen. Und dann möchte er ein Hobby wiederbeleben: 30 Jahre hat Müller beim FZH Blasorchester das Flügelhorn gespielt, wegen vieler Termine aber vor vier Jahren „tschüss“ gesagt. Nun träumt er vom Comeback – so ganz kann Stefan Müller vom Ehrenamt dann eben doch nicht lassen . . .

(wein)

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