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Am Ortsausgang von Weilbach hat die GRKW die neue Kiesgrube geplant.

Am Ortsrand

Silke Bolender kämpft gegen die neue Grube, die Kies aus der Erde fördern soll

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Im November präsentierten die GRKW-Geschäftsführer die Pläne für neue Kiesgruben nördlich von Weilbach. Die Begeisterung im Ortsbeirat hielt sich in Grenzen. Eine Weilbacherin hat sich nun an die Spitze einer Initiative gegen das Projekt gestellt.

Silke Bolender blickt vom Ortsrand über das Gelände, auf dem Baumaschinen künftig Kies aus der Erde fördern sollen. Die Weilbacherin wohnt mit ihrer Familie näher an der geplanten Kiesgrube als jeder andere im Ort. Ihr Haus in der Marxheimer Straße stehe rund 250 Meter von der betroffenen Fläche entfernt, sagt Silke Bolender. Nur ein Feld trennt ihr Zuhause von der Verbindungsstraße zwischen L 3265 und B 519. Gleich nördlich dieser sogenannten Querspange möchte die Gesellschaft zur Rekultivierung der Kiesgrubenlandschaft Weilbach (GRKW) ein Areal von 27 Hektar für Kiesabbau nutzen.

Silke Bolender rechnet damit, dass es noch in diesem Jahr zur Planfeststellung für die Kiesgrube kommt. Wenn der Planfeststellungsbeschluss vorliegt, bleibe nur vier Wochen für einen Einspruch. „Das ist eine kurze Zeit“, gibt die besorgte Bürgerin zu Bedenken. Deshalb habe sie sich das Ziel gesetzt, frühzeitig für das Thema zu sensibilisieren.

„Ich wohne am nächsten dran – also muss ich das in die Hand nehmen“, beschreibt sie ihren Motivation. Wenn sie es nicht mache, dann mache es vielleicht keiner.

Der Kiesabbau gehört schon seit vielen Jahren zur Geschichte Weilbachs. Die bisherigen Kiesgruben befanden sich jedoch nie so nahe am Ort wie dies für das künftige Projekt vorgesehen ist. Sie glaube, dass viele Weilbacher die Folgen unterschätzen, erklärt Silke Bolender. Vor kurzem habe sie sich den derzeitigen Kiesabbau auf dem GRKW-Gelände angeschaut. „Das ist schon ganz schön laut“, sagt die Weilbacherin, die für die Galf im Ortsbeirat sitzt.

Auf der Ortsbeiratssitzung im vergangenen Jahr kündigten die GRKW-Chefs Kjell Schmidt und Mathias Bausback an, dass ein sechs Meter hoher Wall zum Schutz der Wohnbebauung errichtet werden solle. Silke Bolender befürchtet allerdings, dass der Wall in Zukunft den Verkehrslärm der davor verlaufenden Umgehungsstraße in Richtung des Ortes reflektiert. Außerdem sorgt sich das Ortsbeiratsmitglied um Sand und Dreck, die aufgewirbelt und in Richtung des Wohngebietes getragen werden könnten.

Die entschlossene Kiesabbau-Gegnerin hat Akteneinsicht beim Regierungspräsidum Darmstadt beantragt, um mehr über die rechtlichen Grundlagen des Projektes zu erfahren. Außerdem hat Silke Bolender einen Fragenkatalog an die GRKW geschickt. Sie interessiert sich unter anderem für den genauen Zeitplan, den Standort eines geplanten Betonwerkes auf dem Gelände und die Position der Ein- und Ausfahrt. Weiterhin möchte die Weilbacherin wissen, mit welchem Material die Kiesgruben nach ihrer Nutzung verfüllt werden und wie die Fläche anschließend genutzt werden kann.

Silke Bolender hat bereits Erfahrung mit dem Kampf gegen Großprojekte. Ihre Familie ist erst vor kurzem von Flörsheim in den Stadtteil Weilbach gezogen.

In Flörsheim protestierte Silke Bolender regelmäßig gegen die Folgen des Flughafenausbaus. Im Gegensatz zum Flugverkehr gebe es beim Kiesabbau wenigstens verträglichere Betriebszeiten, erklärt das Ortsbeiratsmitglied. Zusammen mit dem Verein „Weilbach wehrt sich“ und Weilbacher Landwirten hat die Aktivistin ein Flugblatt herausgegeben. Darin warnt sie vor Lärm und Abgasen. Sie weist unter anderem darauf hin, dass durch den Kiesabbau landwirtschaftliche Nutzfläche und Lebensraum für Tiere verloren gehe. Darüber hinaus fordert sie die Weilbacher auf, sich zu informieren und keine weiteren Grundstücke für den Kiesabbau zu verkaufen. Bislang seien erst 40 Prozent der benötigten Gesamtfläche verkauft worden. Aus ihrer Sicht sollte sich jeder Weilbacher für das Thema interessieren. „Weilbach ist schon genug belastet. Irgendwann ist mal Schluss“, betont Silke Bolender.

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