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Miriam, Bianca, Dirk, Jonathan, Louisa und Helena (v. l.) kommen aus Kelkheim, Schwalbach, Liederbach und Bad Soden und genießen ihre Runde mit einer kühlen Weißweinschorle oder einem Glas Rosé.

Fest

Weintage: Standbetreiber freuen sich über viele Besucher

In Bad Soden sind die Weintage so etwas wie Kult bei Alt und Jung. "Man" muss da einfach dabei sein. Das neue Sicherheitskonzept war sicherlich mit verantwortlich, dass es auf dem Festareal zu keinen unliebsamen Vorkommnissen kam.

Bad Soden - Die beiden jungen Leute aus Heidelberg hat es rein zufällig aufs Weinfest verschlagen. Sie waren auf Wandertour unterwegs, als ihre "App" ihnen den elf Kilometer langen Rundweg um Bad Soden vorschlug, der am Schluss durch den Alten Kurpark führte. Jetzt sitzen sie unter Jahrhunderte alten Bäumen und genießen ihr Glas Riesling sowie ihren Chardonnay. Miriam und ihre Freunde aus dem Main-Taunus-Kreis wiederum treffen sich jedes Jahr auf dem Weinfest - und das mehrmals, wie sie verraten. "Sommerwind", eine Mischung aus Rosé-Sekt und Blutorangensaft, geben die jungen Frauen als Tipp weiter. Die jungen Männer greifen zum Glas Rosé oder zur Weißweinschorle. Eine tolle Regelung finden sie, dass die Organisatoren rund um das Weinfest eine "Alkoholverbotszone" eingerichtet haben. So dürfe kein Alkohol von außerhalb mitgebracht werden.

Viele Stammkunden

Von einer 90-Jährigen, die seit über 20 Jahren Stammkundin bei ihrem Winzer Werner Lauth aus der Pfalz ist, berichtet Bettina Schönstein. Die alte Dame kenne sich aus. Sie probiere die Weine, mache sich Notizen und erteile dann ihre Großbestellung. Grau- und Weißburgunder, ob trocken oder halbtrocken, seien Selbstläufer, verrät Verkaufsstand-Chefin Schönstein. Als Renner entpuppe sich der Pfälzer Riesling, den sie auf dem Fest oft gleich flaschenweise verkaufe. 70 Prozent ihrer Gäste seien Stammkunden, betont Schönstein, "nett, lieb und dankbar - ich glaube, die Leute warten das Jahr über, bis bei uns die Schotten wieder hochgehen".

"Die Bad Sodener Weintage sind das schönste Fest im Vortaunus", laute die positive Rückkoppelung, die er immer wieder von Gästen erhalte, erklärt Uwe Reichert. Selbst wenn er in Frankfurt mit seinem Imbiss auf dem Wochenmarkt stehe, werde er von Leuten auf das Weinfest angesprochen. Vor 24 Jahren habe er zwischen der Kurverwaltung und einem Geschäftspartner vermittelt und das Weinfest mit aus der Taufe gehoben. "Wir sind damals ein großes Risiko eingegangen", sagt Reichert. Heute bieten im Alten Kurpark 21 Stände ihre Ware an, davon 12 Winzer und 2 Winzergenossenschaften - alle mit deutschen Weinen. Auch seltene Steilhang-Lagen von der Nahe, darauf weist Reichert beim Gang über das Festgelände hin, runden neben Anbaugebieten etwa aus dem Rheingau, Baden, Franken, Mosel - das breitgefächerte Angebot ab. Fast alle Winzer sind seit Anbeginn des Weinfestes dabei. "Dass wir keine Fluktuation haben", meint Reichert, spreche für den Erfolg des Konzepts. Und dazu trage nicht zuletzt die positive Resonanz der Besucher bei. "Wir haben ein gut bürgerliches Publikum mit einem Anspruch", schätzt Reichert, "der hier erfüllt wird". Und nach den Unruhen mit Jugendlichen, die es vor zwei Jahren auf der Wiese unterhalb des H+Hotels gegeben hat, wurde mit Polizei, Stadt und dem Veranstalter, so Reichert, "das Sicherheitskonzept den Gegebenheiten angepasst".

Die Alkoholverbotszone habe die Polizei konsequent durchgesetzt, vor dem Badehaus war eine mobile Video-Anlage installiert und er selbst habe Security-Leute beauftragt, die außerdem während der Nacht unterwegs waren. Es habe keine Vorkommnisse gegeben, zieht Reichert Bilanz. "Die Atmosphäre war großartig, und wir hatten wesentlich mehr Besucher als in den vergangenen Jahren. Hierher kommen alle. Wir haben 20- und über 80-Jährige, die miteinander reden und heiter sind." Da kann das Fazit eigentlich nur lauten: Es war ein rundweg tolles Fest.

VON BRIGITTE KRAMER

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