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Sie drücken den Start-Knopf: Frank Goebel vom Abwasserverband Main-Taunus und Alexander Wenzel (Solarinvest Main-Taunus).

Projekt

Sonnenstrom für 25 Haushalte

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Direkt an der Kreisgrenze steht jetzt die größte Solaranlage der Genossenschaft Solarinvest Main-Taunus. Weitere Investitionen wären möglich.

Hattersheim, Kriftel, Hofheim, Eppstein, Kelkheim und Bad Soden – die Kommunen des Abwasserverbandes waren beim Startschuss für die Solaranlage durch ihre Bürgermeister oder Ersten Stadträte vertreten. Dem Projekt wird also eine gewisse Bedeutung zugebilligt, es geht um die vielbeschworene Energiewende. Und die wird nicht nur von der Politik vorangetrieben.

Schneller umstellen

„Der Wunsch der Bürger ist vorhanden, schneller auf erneuerbare Energien umzustellen“, sagt Günter Bouffier. Er ist Vorstandmitglied bei der in Hofheim ansässigen Genossenschaft Solarinvest Main-Taunus. Die baut mit den Einlagen ihrer Mitglieder Solaranlagen zur Stromerzeugung und betreibt diese. Neue Anlagen werden mit 2,5 Prozent verzinst. Das ist mehr als ein Privatanleger derzeit bei seiner Hausbank bekommen kann, heißt es auch auf der Internetseite der Genossenschaft. Mitglied werden können Interessenten mit einem Betrag von 100 Euro.

Rund 100 000 Euro hat die Anlage gekostet, die jetzt auf der Kläranlage Bremthal unweit der Niederhausener Guldenmühle installiert und mit einem Druck auf den roten Knopf gestartet wurde. Diese wird jährlich etwa 88 000 Kilowattstunden Strom erzeugen. Das reicht, um 25 Haushalte mit jeweils vier Personen mit Strom zu versorgen.

Es gehört zu den Kuriositäten des Energiemarktes, dass der Strom betriebswirtschaftlich gesehen nicht gleich auf der Deponie verbraucht wird. Solarinvest lässt ihn vielmehr gegen die gesetzliche Einspeisevergütung ins Stromnetz fließen, die Bremthaler Kläranlage holt sich ihre Energie genau dort wieder.

Denn der Abwasserverband bezahlt für seinen Strom weniger, als Solarinvest für seinen Strom bekommt. Physikalisch sei es aber schon so, dass der Strom vom Dach der Klärschlammlagerhalle genau in der Kläranlage verbraucht werde, erklärt das Solarinvest-Vorstandsmitglied Alexander Wenzel beim Startschuss.

Für die Energiewende führt an solchen Initiativen kein Weg vorbei. „Wir müssen aus dem Kohle- und Atomstrom aussteigen, zum Wohle der nächsten Generationen“, sagt Wenzel. „Seit Jahren stehen unsere Hallendächer in der Sonne“, ergänzt Frank Goebel, technischer Geschäftsführer des Abwasserverbandes. „Es ist an der Zeit, diese nun für die Stromerzeugung zu nutzen.“

Viele Interessenten

Eine erste Photovoltaikanlage der Genossenschaft steht bereits auf der Kläranlage in Kriftel. Weitere Gebäudedächer sollen geprüft werden, kündigen die Verantwortlichen jetzt an. Wobei die Statik in den meisten Fällen ausreicht, um eine Solaranlage zu tragen – entscheidend ist daher, ob die Dächer groß genug sind und die Sonneneinstrahlung ausreicht. Auch die Stadt Hofheim baut mehrere Gebäude, auf deren Dächern solche Anlagen errichtet werden könnten; Erster Stadtrat Exner erwähnte zuletzt die Wildsachsenhalle, aber auch die neue Ländcheshalle in Wallau, die mit einer beachtlichen Dachfläche aufwarten kann.

Am Geld fehlt es jedenfalls nicht. Binnen weniger Tage habe die Genossenschaft die genau sechsstelligen Investitionsmittel von ihren Mitgliedern zusammen gehabt, berichtet Bouffier. Das Interesse war so groß, dass der Maximalbetrag gesenkt werden musste, damit alle Interessenten zum Zug kommen konnten.

Finanziert haben sie die bisher größte Anlage der Genossenschaft. Der Strom wird übrigens von der Genossenschaft Bürgerwerke vermarktet, die Strom von Energiegenossenschaften kaufen und deutschlandweit an Verbraucher abgeben. Buchen können Interessenten wiederum den „Bürgerstrom Taunus“ über die Internetseite der Solarinvest.

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