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Burger statt Blumen: Jörg Stiel, Seyhmus Elci und Heike Hoffmann von Blumen Reineke-Hoffmann (von links) bei der Arbeit. Sie haben ihr Metier für den Sommernachtsmarkt einmal gewechselt.

Sommernachtsmarkt

Bis zum späten Abend flanieren in der Altstadt viele Besucher an den Verkaufsständen vorbei

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Es ist eine ungewöhnliche, aber gleichzeitig interessante Mischung. Beim Sommernachtsmarkt werden nicht bis kurz vor Mitternacht die übliche Ladenware oder Flohmarktartikel angeboten. Manche Geschäftsinhaber verkaufen selbst gemachtes Essen sowie Getränke.

Hofheim - Wenn Geschäftsleute den Tapeziertisch rausholen und einfach mal statt neuer Mode gemeinsam mit ihren Kindern deren aussortierte Spielsachen anbieten, wie Familie Stellmann ("Jean Hammel"), dann ist Sommernachtsmarkt. Auch in diesem Jahr war die Kombination aus langer Ladenöffnung und privaten Flohmarktständen auf der Gass' für viele ein guter Grund, einen abendlichen Bummel durch die Hofheimer Altstadt zu machen.

Bei klarem Himmel und angenehmen Temperaturen ließ sich nicht nur prima flanieren, auch das Angebot der Hofheimer Gastronomie war gefragt, und die Plätze unter freiem Himmel an allen Ecken und Enden waren voll besetzt. Flohmarkt-Stände gab es allerdings ein paar weniger als in den Vorjahren. Der ungewohnt frühe Termin sei wohl für manchen einfach zu überraschend gekommen, erklärte sich Organisator Bernd Wischert vom Gewerbeverein IHH, dass die Nachfrage nach einem Platz zum Verkaufen bei der mittlerweile 16. Sommernachtsauflage nicht ganz so groß war wie gewohnt.

Waffeln "mit Liebe gemacht"

Mit der Resonanz zeigte sich Wischert aber insgesamt zufrieden. Sein Garagen-Flohmarkt mit Schnäppchen aus dem eigenen Laden jedenfalls fand auch diesmal wieder viel Interesse. Nicht alle Geschäftsleute boten das an, was sie immer in ihren Ladenlokalen verkaufen. Heike Hoffmann ("Reineke-Hoffmann") etwa hatte statt frischer Blumen Burger und Erdbeerbowle im Angebot. "Drei Mal mit allem?", fragte sie ihren Mitstreiter Seyhmus Elci und belegte flink die Burgerbrötchen mit Gurken und Tomaten, als würde sie nie etwas anderes tun. "Es macht Spaß", meinte die Floristin. "Wir haben es beim Altstadtfest schon gemacht, und es kam supergut an. Da haben wir gesagt: Das machen wir beim Sommernachtsmarkt wieder."

Auch Miryam Dahlmanns und ihr Mann sind eigentlich keine Bäcker, für diesen Samstagabend aber schlüpften die Hauptstraßen-Anwohner in die Rolle der Waffel-Produzenten. Der Duft allein zog verführerisch in die Nase der Besucher, das Waffeleisen war entsprechend ständig in Betrieb. "Hier oben in der Hauptstraße ist ja sonst nicht so viel los, deshalb machen wir es gern", so Dahlmanns. Auch beim Adventsmarkt beteiligt sich das Paar jedes Jahr. "Das kommt immer gut an, aber unsere Waffeln sind auch mit Liebe gemacht", betonte die Altstadt-Bewohnerin.

"Viele Anwohner machen mit, das ist sehr schön", lobte Giuseppe "Peppi" Carleo, selbst lange Gastronom und immer Kämpfer für Leben in der Hauptstraße. Auch Stefani Deubel vom Zigarrenhaus Knöss fand: "Die Stimmung ist super. Besser kann's nicht laufen. Und es kommen jedes Mal Besucher, die uns bei so einem Fest entdecken."

Besucherin aus Schweden

Zum Flair gehört, dass die "Schoppeschlepper" wieder Instrumentenschlepper waren und mit ihrer Musik quer durch die Altstadt zogen. Mit Soul und Cocktails zauberte an diesem warmen Juni-Abend das Bistro Blancas zudem Urlaubsstimmung an den Tiverton-Platz. Diesmal stimmten, anders als noch beim Altstadtfest, zu diesem Beitrag auch die Temperaturen. Eine fand diese übrigens ganz besonders bemerkenswert. "Es ist so schön warm hier", schwärmte Anna Lührmann. Für die frühere Grünen-Bundestagsabgeordnete aus Lorsbach, die mit ihrer Tochter und den Eltern über den Sommernachtsmarkt bummelte, war der Besuch in Hofheim tatsächlich eine Reise in den Süden - ihre aktuelle Wahlheimat ist Schweden.

VON BARBARA SCHMIDT

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