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?Wahlkampf muss Spaß machen?, sagen die Jungen Grünen Ellen Ulmer (18) und Lukas Schauder (19).

Kommunalwahl

Mit Spaß die Zukunft gestalten

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Personell ist die Nachwuchsorganisation der Grünen nicht besonders stark. Finanziell auch nicht. Sie legt aber Engagement und neue Ideen an den Tag.

„Wir sind noch nicht ganz soweit“, sagt Lukas Schauder mit Blick auf das Netbook vor ihm auf dem Tisch. „Future in progress“ ist da als Slogan zu lesen. „Den haben wir aber schon etwas länger“, erläutert der Junge Grüne. Genutzt werden soll der Slogan aber auch bei der Kommunalwahl wieder, auch wenn der Flyer noch nicht fertig ist. „Er drückt einfach aus, was unsere Arbeit ausmacht. Wir wollen unsere Zukunft mitgestalten“, sagt der 19-Jährige.

Mehr Jugendbeteiligung nennt Schauder als „unser Schwerpunktthema schlechthin“ zur Kommunalwahl. Nicht zuletzt aus eigener Betroffenheit. Denn in Kelkheim etwa habe man zwar Jugendliche, die gern fürs Stadtparlament kandidiert hätten, sie seien dafür aber schlicht noch nicht alt genug, erläutert Ellen Ulmer, die mit Schauder zusammen das Führungsduo der Grünen Jugend im MTK bildet. Die 18-Jährige, die ebenfalls aus Kelkheim kommt, macht gerade Abitur und hat auf eine Kandidatur verzichtet, so dass ausgerechnet in der Stadt, in der ein grüner Bürgermeister am Ruder ist, kein Junger Grüner Kandidat ist.

Dafür sind es in Kriftel, Flörsheim und Bad Soden je zwei, in Hochheim tritt ein Mitglied der Grünen Jugend auf Listenplatz 2 an. Lukas Schauder bewirbt sich um einen Sitz im Kreistag und ist als Achter auf der Grünen-Liste auch recht aussichtsreich platziert. „Wir hatten 17 Sitze, dementsprechend bin ich sehr optimistisch“, sagt der Jura-Student, der im Nebenjob das Hofheimer Büro für die in Eschborn lebende Bundestagsabgeordnete Kordula Schulz-Asche betreut. Da seine Chefin jeden Wahlstand im Kreis besuchen werde, müsse er gar keine eigene Tour planen, sagt Lukas Schauder mit einem verschmitzten Lächeln.

Wenn er gewählt wird, möchte der eloquente junge Mann gern „ständiger Ansprechpartner“ für junge Menschen im Kreis sein. Das gelte auch für alle anderen Kandidaten der Jungen Grünen, sagt er. Mittelbar sollten die Jüngeren so über die Mandatsträger mehr Einfluss auf die Politik nehmen können, aber sie sollten, geht es nach der Nachwuchsorganisation, auch unmittelbar zu Wort kommen. Dafür möchte die Grüne Jugend die Einrichtung von Jugendforen weiter stärken. Jugendparlamente gebe es ja schon in einigen Städten im Kreis, aber eben noch nicht überall. Und ab und an eine Zusammenkunft von Vertretern aus den Foren auf Kreisebene finden Schauder und Ulmer ebenfalls sinnvoll.

Auch der Öffentliche Personennahverkehr findet sich auf der Themenliste der Grünen Jugend für den Wahlkampf. Ein Schülerticket wolle das Land ja schon einführen, weiß Schauder. Der Grünen-Nachwuchs im MTK möchte durchsetzen, dass es hier für das gesamte Kreisgebiet Gültigkeit hat, nicht nur für den Weg zur Schule. Auch Junge Liberale und Junge Union haben den Nahverkehr als Schwerpunktthema. „Das ist für uns eine Anerkennung“, sagt Lukas Schauder, der Grünen Jugend sei es jedenfalls „nur Recht, dass andere jetzt auf den Zug aufspringen“.Allerdings unterschieden sich die Konzepte bei näherem Hinsehen dann doch, meint Ellen Ulmer.

„Was Visionäres und Progressives“ will der Grünen-Nachwuchs auch propagieren. Zum Beispiel: „Einen Cannabis-Modellversuch nach Düsseldorfer Vorbild“, sagt Schauder, denn den Stoff gebe es auch im Kreis auf jedem Schulhof. „Wir wollen erreichen, dass das immer wieder in die öffentliche Debatte kommt.“

Als Jugendorganisation wolle man möglichst auch Jugendliche ansprechen, und die seien nun einmal besonders viel in den Sozialen Medien unterwegs, ist auch für die Jungen Grünen klar, dass sie Facebook, Twitter und Co. selbstverständlich nutzen werden. „Mit Videos haben wir super Erfahrungen“, kann Schauder mit ein wenig Stolz auf die Bürgermeister-Wahlkämpfe in Kelkheim und Bad Soden verweisen.

Geplant sind außerdem „niederschwellige Angebote“. Eine Kneipentour gehört beispielsweise dazu. Weil man kein großes Budget habe, hat man vom Landesverband nur sparsam Anti-Nazi-Sticker und Veggi-Bärchen geordert. Ihre Faltblätter machen die Jungen Grünen im Kreis selbst. Dass sie nur 70 Mitglieder haben , davon rund 20 Aktive, ist für die beiden führenden Köpfe kein Grund zum Jammern. „Die Devise gilt: Wahlkampf muss Spaß machen“, sagt Lukas Schauder. Und über viele Kanäle könne man viel erreichen, „wenn die richtigen Leute dahinter stehen“.

(babs)

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