Teambesprechung von dem nächsten Spiel: Beim Fußballturnier der SPD in Niederjosbach hat Sport-Therapeut Michael Maiwald (Vierter von links) eine internationale Truppe aufgestellt.
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Teambesprechung von dem nächsten Spiel: Beim Fußballturnier der SPD in Niederjosbach hat Sport-Therapeut Michael Maiwald (Vierter von links) eine internationale Truppe aufgestellt.

Internationales Sommer-Turnier

Die Sprache des Fußballs spricht jeder

Zum dritten Mal richtete der SPD Ortsverband sein Sommer-Turnier in Niederjosbach aus. Erneut gingen internationale Teams auf die Jagd nach Toren, Punkten und Pokalen.

„Wir müssen besser zusammen arbeiten und den Ball abspielen, bisher war das nach vorne noch viel zu chaotisch“, impft Michael Maiwald seiner Mannschaft bei der Teambesprechung die Marschroute ein. Maiwald ist Sport-Therapeut in der „Therapeutischen Einrichtung Eppenhain“ und mit acht seiner Jungs beim „Summertime“-Fußballturnier der SPD Eppstein an den Start gegangen.

Er weiß von den positiven Auswirkungen, die der gemeinsame Sport auf seine Schützlinge haben kann. Insgesamt 30 Plätze bietet das Haus für junge drogen- und mehrfachabhängige Menschen zwischen 14 und 20 Jahren. „In der Einrichtung leben sie auf engem Raum“, berichtet Maiwald, „da ist es natürlich toll, wenn sie im Rahmen des Turniers mal raus aus der Therapiesituation kommen“. Wenn es auf das Grün geht, können die Jugendlichen den Fokus auf den Sport lenken, „15 oder 20 Minuten einfach Vollgas geben und sich dabei auch mal anschreien“, betont Maiwald.

Das Gruppengefühl wachse bei solchen Veranstaltungen zusehends – und auch das Selbstwertgefühl eines jeden einzelnen. Denn eines wird im Gespräch mit den Eppenhainer Kickern klar: Für sie ist das Turnier keine reine Spaßveranstaltung. „Der zweite Platz ist für uns das Minimalziel“, erklärt etwa Mohamed Koroma stellvertretend für seinen „Club“. Der 19-Jährige aus Kaiserslautern, mit Wurzeln in Sierra Leone, hat es auf einen der Pokale abgesehen. „Wir arbeiten noch am Teamwork, aber mit einem Sieg und einem Unentschieden läuft es bisher schon ganz gut“, erklärt Koroma, der für den ehemaligen Eintracht-Frankfurt-Star Jay-Jay Okocha schwärmt. Doch das Niveau sei hoch, auch die weiteren neun Mannschaften aus dem Umkreis von Eppstein seien stark. Und international, wie das Team vom „Fluchtpunkt Niedernhausen“. Denn die 15 jungen Männer stammen aus sechs Nationen: Äthiopien, Eritrea, Somalia, Irak, Syrien und Afghanistan.

Zur Gründung des SPD-Turniers sah das noch ein wenig anders aus. „Wir haben 2008 im kleinen Rahmen angefangen“, erinnert sich Organisator Lothar Quick, „zur Anfangszeit haben vier oder fünf Mannschaften teilgenommen“. Nach dem Umzug vom Sportplatz in Vockenhausen in die Sportarena Niederjosbach vor drei Jahren nahm die Veranstaltung Fahrt auf. „Wir haben den Fokus auf die Organisationen zu Gunsten von Immigranten und Asylbewerbern verlegt, und das hat sich bewährt“, sagt Quick, der neben seiner Tätigkeit als Vorsitzender des Ortsverbandes der Sozialdemokraten auch die Flüchtlingsunterkunft an der Burgstraße mitbetreut. „Daher kenne ich auch einige der heutigen Teilnehmer persönlich“, so Quick, „und es freut mich, dass sie so viel Spaß an dem Turnier haben“. International ist auch das Büfett – und der Verkaufserlös geht an den Asylkreis Eppstein.

Am Ende durfte sich das Team „Montesita Eppenhain“ über den Turniersieg freuen, doch Verlierer konnte es aufgrund der tollen Stimmung gar nicht geben. Die Mannschaft der „Therapeutischen Einrichtung“ schrammte knapp am erklärten Ziel vorbei. Doch im „kleinen Finale“ setzten sich Mohamed Koroma und seine Kollegen doch noch durch. Somit konnten die Jungs eine der begehrten Trophäen entgegennehmen, denn auch der Drittplatzierte erhielt einen Pokal. Für das Turnier im kommenden Jahr wird weiter am Teamwork gearbeitet – und dann gelingt vielleicht der ganz große Coup.

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