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Ein Einbrecher setzt an, um an einem Wohnhaus ein Fenster aufzuhebeln. Die Szene ist gestellt. In Bad Soden schlagen Einbrecher ? Banden und Einzeltäter ? recht häufig zu. 2017 registrierte die Polizei 64 Fälle. Die Hälfte blieb erfolglos, weil Eigentümer oft gut vorbeugten.

Brennpunkte ausmerzen

Der Stadt, der Polizei und den Bürgern gehen die Störenfriede in den Parks auf die Nerven

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Soden ist keine Hochburg der Kriminalität. Alles in Butter also? Nicht ganz. Es gibt besorgniserregende Entwicklungen. Eine Sicherheitsoffensive soll helfen.

Wenn es so schmuddelig, ungemütlich und regnerisch ist wie gestern Nachmittag, kommen sie selten aus ihren Löchern. Aber an Schönwettertagen und lauen Sommerabenden treiben sich öfter mal Leute mit unlauteren Absichten in Bad Sodens wunderbaren Parks herum. Sie hören laute Musik, hinterlassen Dreck und verunsichern Passanten. Hin und wieder kommt’s zu Handgreiflichkeiten und Diebstählen. Diese „Auftritte“ sind nicht die Regel, aber auch nicht die Ausnahme. Während der Großveranstaltungen, etwa beim Sodener Sommernachtsfest, spitzt sich die Situation manchmal zu, weil dann besonders viele Störenfriede auftauchen. Die Stadt Bad Soden bangt um ihren guten Ruf und sieht sich unter Zugzwang. Die Polizei steht ihr bei.

Beide Seiten arbeiten ab sofort eng zusammen, um in Sicherheitsfragen „passgenaue Lösungen für Probleme“ zu entwickeln. „Der Schwerpunkt liegt auf der Prävention“, betont das Innenministerium. Die Zusammenarbeit der Sodener Stadtverwaltung mit der Polizei ist eingebettet in ein Sicherheitsprogramm, das „Kompass“ heißt und im benachbarten Schwalbach erfolgreich getestet wurde.

„Kompass“ sei „ein unschlagbares Angebot“, um auf Dauer „die bestmögliche Sicherheit für die Bürger zu gewährleisten“, sagt Innenminister Peter Beuth (CDU), der sich mit Sodens Rathauschef Frank Blasch (CDU) duzt. Die Sicherheitsoffensive ist zeit-, personal- und kostenintensiv, aber nach Ansicht des Ministers lohnend.

Soden ist keine Hochburg der Kriminalität. Frank Blasch erkennt jedoch „eine Diskrepanz zwischen der Statistik, die ganz gut aussieht, und dem, was die Bevölkerung empfindet“. Blasch weiter: „Leute sagen mir immer wieder, dass es Situationen gibt, in denen sie sich unwohl und unsicher fühlen.“ Die Lage ist nicht überall gleich im Stadtgebiet. Der Ärger mit den Störenfrieden konzentriere sich auf einige Orte in der Kernstadt, zum Beispiel den Alten und den Neuen Kurpark. Neuenhain und Altenhain sind davon weniger betroffen.

Die überdurchschnittlich wohlhabende Klientel der Stadt zieht oft Einbrecher an, die vor allem Soden und Neuenhain heimsuchen. Zwar sei die Zahl der Fälle rückläufig, sagt der Bürgermeister. Doch bei Einbrüchen sei die Stadt nach wie vor „hochbelastet – da müssen wir am Ball bleiben“.

Gemeinsam mit der Polizei machen sich Frank Blasch und sein Stab im Rathaus daran, „die aktuelle Sicherheitslage umfassend zu analysieren“, dabei die Bürger einzubeziehen und Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten. Dazu gehört beispielsweise die Überlegung, „den Charakter und das Design des Sommernachtsfestes zu verändern“, wie Polizeipräsident Stefan Müller anführt. Muss es bis nach Mitternacht geöffnet bleiben? Ist ein Feuerwerk notwendig? Welche Flächen sind ins Festgelände einzubeziehen? Müller betont aber, die Polizei wolle der Stadt nichts überstülpen: „Jede Kommune ist anders.“ Jeder Prozess, die richtigen Maßnahmen zu definieren, verlaufe anders.

Ziel beim Sommernachtsfest müsse es sein, „den Kräfte-Einsatz zu reduzieren“, hebt der Präsident der Polizei Westhessen hervor. Im August dieses Jahres rückten Polizei und Bundespolizei dort mit einem Großaufgebot an, das nach Meinung der Sicherheitsexperten unvermeidbar war, aber auf Teile des Publikums besorgniserregend wirkte. Frank Blasch ergänzt: „Wir müssen es schaffen, unsere Feste so zu gestalten, dass es ein paar Dutzend Störer nicht schaffen, sie uns kaputt zu machen.“ Wie genau Bad Soden reagieren soll und wird, erarbeiten die Beteiligten in den nächsten Wochen und Monaten. Ein prägendes Element in der Schwalbacher Sicherheitsarchitektur ist zum Beispiel ein „Schutzmann vor Ort“: Der Polizeibeamte Christian Schneider hat ein Büro im Rathaus, spricht ständig mit Multiplikatoren und läuft Streife. Was in Schwalbach angebracht ist, muss aber keinesfalls in der Kurpark-Stadt hilfreich und sinnvoll sein.

Dem Sodener Rathauschef gibt Stefan Müller einen eindeutigen Wink: „Der Bürgermeister ist der Motor der ganzen Aktion.“ Schwalbachs Verwaltungschefin Christiane Augsburger (SPD) lebe das Sicherheitskonzept vorbildlich vor. Blasch steht mit ihr in Kontakt.

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