Ein Stadtteil hilft

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„Wir schaffen das – wir auch“: Unter diesem Motto hat der Ausschuss für Flüchtlingsarbeit der evangelischen Regenbogengemeinde die Kräfte in Sossenheim gebündelt.

Die Sossenheimer wollen helfen und ihre neuen Nachbarn kennenlernen – das ist das Ergebnis eines Treffens, zu dem Vertreter des Kirchenvorstandes der evangelischen Regenbogengemeinde geladen hatten. Gemeinsam mit Vertretern diverser Gruppen aus dem Stadtteil wurden erste Pläne geschmiedet: Am Samstag, 19. März, will die Gemeinde ein „Willkommens-Café“ organisieren. Eingeladen werden alle der rund 100 Flüchtlinge. Bei Tee, Kaffee und Kuchen will man ins Gespräch kommen mit den neuen Nachbarn.

Die Initiatoren des Diskussionsabends, Martina Straßer und Egon Rehrmann von Kirchenvorstand, freuten sich über das rege Interesse: Rund 40 Teilnehmer tauschten sich dazu aus, was getan werden kann. Klar wurde, dass Hilfsbereitschaft auf vielen Seiten besteht. Straßer berichtete, dass sie die bereits von einigen Vereinen und Gruppen signalisiert bekommen habe. Und auch die Besucher der Diskussionsrunde waren neben den konkreten Fakten rund um die Asylbewerber, vor allem daran interessiert, wie sie sich einbringen können.

Einige konkrete Antworten lieferten Anita Heise von „Frankfurt hilft“ und Katrin Wenzel von der Frankfurter Stabsstelle für Flüchtlingsmanagement. Sie berichteten, dass in Sossenheim derzeit 99 Flüchtlinge in einem Obdachlosenheim untergebracht sind. Die meisten stammen aus Afghanistan, Syrien und dem Irak. Die Mehrheit sind laut Amita Heise junge ledige Männer. Jedoch wohnten auch 17 Kinder im Alter bis 15 Jahren mit ihren Eltern in dem Haus.

Helfen lässt sich auf ganz unterschiedliche Weise: Offene Treffen, Angebote, die die Deutschkenntnisse erweitern sollen, Sport und kreative Projekte kämen gut an. „Im Moment können sie nicht viel machen“, sagte Anita Heise über die Flüchtlinge. „Die warten auf Post aus Gießen, dass sie den Asylantrag stellen können.“ Deshalb würden die Angebote meist gerne angenommen.

Deutsch können die Neuankömmlinge in der Volkshochschule lernen; die Stadt Frankfurt finanziert jedem gleich zu Anfang 200 Stunden. Allerdings beträgt die Wartezeit laut Heise derzeit drei bis vier Monate. Sprich: Möglichkeiten, sich zu integrieren und mit den Frankfurtern vertraut zu machen, sind anfangs rar gesät. Die Kinder haben es da besser, sie gehen in die Schule und können dort Kontakte knüpfen.

Interessant bei dem Treffen waren auch die Berichte einiger, die sich bereits für Flüchtlinge in anderen Kreisen engagieren. So erzählte eine Frau, dass sie die Erfahrung gemacht habe, dass sich Eltern und Kinder schon freuten, wenn man mit ihnen auf den Spielplatz ginge. Hier könnte man quasi ganz nebenbei auch Vokabeln in Deutsch vermitteln. „Sie lernen relativ schnell“, sagt sie.

Andere berichteten von gemeinsamen Koch-Abenden oder auch Yoga-Stunden mit Kinderbetreuung, die besonders gut bei den Frauen angekommen seien. Deutlich wurde zudem, dass man als Helfer auch etwas zurückbekommt – und die gemeinsamen Erlebnissen eine Freundschaften stiften.

Doch es herrschte nicht nur Euphorie bei dem Treffen. Auch kritische Fragen wurden gestellt: So betonte ein Zuhörer, dass er zwar helfen wolle, sich aber gerne an dem wirklichen Bedarf orientieren möchte. Sprich: Er sieht wohl keinen Sinn darin, nur Angebote zu schaffen, die einem selbst Spaß machen, sondern möchte, dass die Flüchtlinge wirklich davon profitieren. Zudem bemängelte er ein Informationsdefizit, was die eigenen Befugnisse als Helfer angeht. So wisse er nicht genau, welche Art Hilfestellung er etwa bei Behördenbesuchen oder Schulanmeldungen geben dürfe. Das Schöne: Anlaufstellen in Sossenheim gibt es für die Flüchtlinge wohl schon jetzt einige. Das Kinder- und Familienzentrum von SOS Kinderdorf, das Sprachcafé, das Jugendhaus und auch die SG Sossenheim haben bereits bekundet, dass ihre Türen offen stünden. Jetzt müssen diese Möglichkeiten nur noch unter den Flüchtlingen bekannt gemacht werden. Dies übernimmt wohl zunächst die evangelische Wohnhilfe, die das Wohnheim betreut.

Kontakt per E-Mail an sossenheim-hilft@web.de.

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