Neuordnung

Der Stadtumbau in Griesheim verzögert sich

Die Mitte Griesheims bietet kein schönes Bild. Seit einigen Jahren machen sich Stadt und Bürger Gedanken über eine Neustrukturierung und eine optische Aufwertung des Stadtteilbereichs. Doch nun sind die Griesheimer empört: Der Stadtumbau dauert viel länger, als sie dachten.

Ein Blick vom Griesheimer Bahnhof in Richtung Norden offenbart, warum die Menschen sich für ihre Stadtteilmitte schämen. Der Blick fällt auf verrostete Zäune, um die sich Kletterpflanzen ranken. Schäbige Hinterhofwerkstätten, Schrottplätze zwischen verlassenen Grundstücken. Schrottkarren, die nicht mehr auf den Hof passen, säumen die Parkplätze in der dahinter gelegenen Eichenstraße.

Seit vielen Jahren schon machen sich Griesheimer gemeinsam mit Vertretern der Stadt Gedanken darüber, wie sich diese Zustände verbessern lassen. Rundgänge und Infoabende wurden veranstaltet, bei denen die Bürger mitteilen konnten, was sie stört und wie es sich verbessern ließe. Neue Wegeverbindungen wurden angedacht, mehr Grünflächen zwischen der Mainzer Landstraße und den Bahnschienen. Viele wünschen sich, dass dort neuer Wohnraum entsteht, um dem Stadtteilbereich wieder eine Struktur zu verschaffen.

Vor dem Infoabend im Griesheimer Saalbau am Donnerstagabend waren die Bürger eigentlich davon ausgegangen, dass ihnen Vertreter des Satdtplanungsamts und des Darmstädter Architekturbüros Freischlad und Holz einen aktuellen Stand präsentieren und kurz davor stehen, in den letzten Jahren gesammelte Ideen umzusetzen. Allerdings gab es keinen neuen Stand. Stattdessen soll der ganze Ideenprozess wieder fast von vorne beginnen.

In den kommenden zwölf Monaten möchten Vertreter der Stadt und des Architekturbüros gemeinsam mit Griesheimer Protagonisten aus Stadtpolitik, Sozialem, Kultur, Vertretern aller Altersklassen sowie mit Wohnungseigentümern ein sogenanntes „Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept“ (ISEG) erarbeiten. Dabei sollen Ideen für den Stadtumbau gesammelt werden. „Das ISEG dient sozusagen als Regiebuch für den Stadtumbau“, erklärte Nina Mans vom Büro Freischlad und Holz. Denn: Der Griesheimer Prozess ist Teil des Bund-Länder-Programms „Stadtumbau in Hessen“. Im vorigen Herbst gab Planungsdezernent Mike Josef bekannt, dass Bund, Länder und die Stadt Frankfurt die Maßnahmen in Griesheim mit 12 Millionen Euro fördern. Das Programm soll bis ins Jahr 2030 laufen.

Wie Mans fortsetzte, sollen dabei neue Wegeverbindungen zwischen Straßen entstehen, die „wie Barrieren wirken“. Flächen sollen „umstrukturiert und entflochten“ werden, so dass sie für Gewerbetreibende und Anwohner gleichermaßen attraktiv werden. Außerdem möchten die Beteiligten private Besitzer von Gewerbeflächen dazu animieren, diese neu zu gestalten. Am Ende des Prozesses soll eine Image-Aufwertung Griesheims stehen.

Was sie sich vom „Stadtumbau“ wünschen, war den Griesheimern im Saalbau aber schon vor der Veranstaltung klar. Sie hatten klare Maßnahmen erwartet, die Ankündigung erster Schritte.

Ursula Schmidt vom Griesheimer Regionalrat wollte deshalb von den Stadtplanern und Architekten wissen, ob die bisherigen Ideen „für die Katz’ sein“. Schließlich hätten sich die Bürger vor einer Weile schon mit der Konversions-Grundstücksentwicklungsgesellschaft (KEG) ausgetauscht und ihre Anliegen geäußert. „Erhebungen und Analysen wurden doch schon gemacht“, wunderte sich Schmidt. Noch deutlicher wurde die Linken-Stadtverordnete Dominike Pauli. Auch sie erinnerte an den Austausch mit der KEG. Da nun aber das Darmstädter Architekturbüro den Zuschlag für das Programm erhalten habe und nicht die KEG, fragt sie sich, ob die KEG-Erkenntnisse mit in künftige Konzepte einfließen.

„Nun soll dieses Gebabbel noch zwölf Monate weitergehen. Und dann passiert vielleicht was vielleicht“, zeigte sich Pauli empört.

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