Friedrich Merz
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Friedrich Merz

CDU-Bundesvorsitz

Stimmungsbild in der CDU Main-Taunus: Vorteil Merz

  • vonManfred Becht
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Beim ersten digitalen Bundesparteitag der CDU am 15. und 16. Januar geht es um diese Frage: Wird Friedrich Merz, Norbert Röttgen oder Armin Laschet der nächste Vorsitzende der CDU? Wir haben sechs bekannte Christdemokraten im Main-Taunus-Kreis gefragt, wer es denn ihrer Meinung nach werden soll. Aus den Antworten ergibt sich ein Trend - und der deutet in Richtung Friedrich Merz. Als Vorentscheidung für die Kanzlerkandidatur wird das allerdings von niemandem gesehen.

Keine Überraschung ist die Auskunft von Roland Koch , dem ehemaligen Hessischen Ministerpräsidenten. Der Eschborner gehörte zu einem als Anden-Pakt bekannt gewordenen Bündnis von CDU-Politikern, die sich gegenseitig Unterstützung zusagten, sollte einer die Chance haben, Nachfolger von Helmut Kohl als Bundeskanzler zu werden. Mit von der Partie war damals Friedrich Merz. Und genau den werde er wählen, lässt Koch auf Anfrage dieser Zeitung ausrichten.

Auch Main-Taunus-Landrat Michael Cyriax will nicht viele Worte machen. Im Unterschied zu seinem Parteifreund Roland Koch ist er zwar kein Delegierter beim Bundesparteitag, aber auch er spricht sich für Merz aus. Norbert Röttgen habe in den letzten Monaten viel Boden gut gemacht, ergänzt Cyriax noch und steht mit dieser Einschätzung nicht alleine da, denn andere äußern sich ähnlich.

Das ist bemerkenswert. Immerhin waren sich die Beobachter einig, dass Armin Laschet als Ministerpräsident die Chance hat, sich in der Corona-Krise durch praktische Politik zu empfehlen, im Unterschied zu seinen Konkurrenten, die ohne Regierungsamt sind. Aber es ist wohl anders gekommen. Für Liederbachs Bürgermeisterin Eva Söllner, die ebenfalls mitwählen darf, hat sich Laschet zu schwankend gezeigt und zu sehr zu Alleingängen geneigt. Söllner hat sich übrigens nach eigenem Bekunden noch nicht entschieden. Sie schwanke zwischen Merz und Röttgen, lässt sie wissen - Söllner gibt natürlich nur ihre persönliche Meinung wieder, aber da andere ähnliches andeuten, könnte es sich doch um eine breitere Stimmungslage handeln. Wer das Rennen machen werde, sei aber schwer vorherzusagen, so Söllner. Immerhin sieht sie Laschet neben Merz immer noch als Favoriten an. Aber da wegen der Pandemie so viele politische Termine ausfallen, bei denen man sonst gerade im Gespräch am Rande die allgemeine Stimmung mitbekomme, sei eine Prognose kaum möglich. Söllner: "Jeder ist für sich unterwegs."

Was Laschet angeht, äußert sich Fabian Beine, der Chef der Jungen Union im Main-Taunus-Kreis, ähnlich wie Liederbachs Rathauschefin. Als zu zögerlich sei Laschet wahrgenommen worden, Röttgen hole auf, sagt Beine. Er selbst bevorzugt Friedrich Merz, wie schon bei der Vorsitzendenwahl 2018. Und warum? Merz vertrete pointiert die Themen, die die CDU stark machen, so der Kelkheimer Nachwuchspolitiker. Sicherheit, Wirtschaft, Außenpolitik seien dies. Und mit Merz werde der politische Diskurs wieder in die Mitte gerückt. Diskussionen über den richtigen Weg würden dann nicht länger nur mit AfD und Linken geführt, sondern zwischen CDU und SPD, argumentiert Beine. In der Koalition sei die CDU bereits mit einem Kompromissvorschlag in die Verhandlungen gegangen. Das müsse anders werden - Beine geht von einer knappen Entscheidung beim Parteitag aus.

Taktische Überlegungen spielen auch für Axel Wintermeyer, den Vorsitzenden der Main-Taunus-CDU, eine Rolle. Der neue Bundesvorsitzende müsse in der Lage sein, der CDU Koalitionsoptionen zu eröffnen, sagt der Hofheimer. Freilich ist das für ihn nicht das einzige Kriterium. Der neue Mann müsse die CDU in ihrer gesamten Breite repräsentieren, außerdem dürfe er keine gesellschaftlichen Gräben aufreißen. Das könnte man als Absage an Merz auffassen, der als derjenige gilt, der am provokantesten auftritt - weshalb ihn JU-Mann Beine ja bevorzugen würde. Wintermeyer verrät aber nicht, wem er seine Stimme geben wird - und dies mit der Begründung, dass er es selbst noch nicht wisse. "Das hängt auch von der Performance auf dem Parteitag ab", sagt Wintermeyer. Er erinnert an den Parteitag vor zwei Jahren. Merz habe damals keine überzeugende Vorstellung abgegeben, Kramp-Karrenbauer indes ein Feuerwerk abgebrannt. Leben könne er mit allen dreien.

Keine Präferenz erkennen lässt Norbert Altenkamp. Der frühere Bad Sodener Bürgermeister ist kein Delegierter, muss sich also auch nicht entscheiden. Er ist aber Bundestagsabgeordneter, wird es mit dem neuen Parteichef also zu tun bekommen - erst recht, wenn dieser der Kanzlerkandidat der Union wird. Da bietet es sich an, sich nicht öffentlich festzulegen bei einer Entscheidung, an der man nicht beteiligt ist. "Ich schätze alle drei Kandidaten", sagt Altenkamp. Merz, Laschet und Röttgen deckten die ganze Bandbreite der Partei ab - demnach müsste jeder einen passenden Kandidaten finden.

Auf jeden Fall sei der neue Chef der CDU Deutschlands nicht zwingend der neue Kanzlerkandidat der Union, sagt Norbert Altenkamp. Und in diesem Punkt sind sich die befragten Christdemokraten aus dem MTK einig. Ein automatisches Zugriffsrecht für den Parteichef gebe es jedenfalls nicht, betont Axel Wintermeyer. "Es muss eine Persönlichkeit werden", die es könne. Wintermeyer weist schließlich noch darauf hin, dass die CDU und die CSU als Schwesterparteien einen gemeinsamen Kandidaten bestimmen werden und dass er den CSU-Mann Markus Söder nicht von vornherein ausschließen möchte. Einen Automatismus im Sinne eines ersten Zugriffsrechtes sehen auch Norbert Altenkamp und Eva Söllner nicht.

Fabian Beine geht noch einen Schritt weiter. "Wenn Markus Söder wirklich will, kommt man an ihm nicht vorbei", sagt der JU-Vorsitzende. Falls Armin Laschet Parteivorsitzender werde, solle Jens Spahn Kanzlerkandidat werden. Da ist Beine nicht der einzige in der Main-Taunus-CDU, der sich den derzeitigen Gesundheitsminister auch als Kabinettschef vorstellen kann. Manfred Becht

Norbert Röttgen
Armin Laschet

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