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?Flecko? ist zu einem prachtvollen Hahn herangewachsen. Für Silvia Stengel und ihre Tochter Kiara ist er etwas ganz besonderes. Schließlich hat Kiara ihm und zwei Hennen ins Leben geholfen. Über das Bebrüten der Eier hat die Schülerin sogar Buch geführt. Dass der Hahn kräht, stört allerdings einen Nachbarn. Nun sollen er und die Hühnerschar einen Stall bekommen.

Ärger

Streit mit dem Nachbarn, weil Hahn Flecko zu laut kräht

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Es war ein einmaliges Erlebnis für die elf Jahre alte Kiara Stengel, als ihre Küken geschlüpft sind. Zehn Monate später sind sie zu stolzen Hühnern geworden. Allerdings findet nicht jeder das „Kikeriki“ des männlichen Tieres gut.

Kiara Stengel hat etwas miterlebt, was viele Kinder heute gar nicht mehr kennen. In ihrem Kinderzimmer sind drei Küken aus den Eiern geschlüpft, die die Schülerin zuvor mit Hilfe einer Wärmeplatte bebrütet hatte. Wieso das Ei ein Symbol für das neue Leben und daher auch für Ostern ist, muss Kiara seitdem niemand mehr erklären.

„Es hat zuerst nur ganz leise gepiepst“, erinnert sich die Elfjährige an die ersten Lebenszeichen, die sie gemeinsam mit einer Freundin registrierte, die am entscheidenden Tag bei ihr übernachten durfte. „Das Küken hat die Eierschale von innen aufgepickt“, schildert Kiara, was sie dann beobachten konnte. Das frisch geschlüpfte Tier sei „noch richtig nass“ gewesen. Aber schon wenige Stunden später saß da ein flaumiges Küken, bei dessen Anblick auch Kiaras Bruder und Mama Silvia nur staunen konnten.

„Die Mama hat immer schon Katzen gehabt“, weiß Kiara um die Tierliebe von Silvia Stengel, die sie auch ihren Kindern vermitteln möchte. Die ersten Hühner hat die Marxheimer Familie nach der Kerb 2015 angeschafft. Vier weitere wurden 2016 auf dem Hochheimer Markt gekauft. „Das waren Hybriden, die legen nur ein Jahr“, weiß Silvia Stengel. Deshalb entschloss sie sich, Rassehühner anzuschaffen, die die Familie bei einem Züchter holte. Die Wahl fiel auf die Sorten New Hampshire und Maran – „weil das sehr gute Legehühner sind und recht schwer und damit nicht mal eben in der Lage, über den Zaun zu fliegen.“ Wichtig war aber auch das Sozialverhalten: „Sie werden als friedlich und verträglich beschrieben,“ sagt die Marxheimerin, die für die Freien Wähler auch im Ortsbeirat aktiv und seit kurzem stellvertretende Ortsvorsteherin ist.

Immer mehr hineingelesen hat sich Silvia Stengel in das Hühner-Thema. Auf die Idee, mal einige Eier zu bebrüten, kam die Familie schließlich, „weil die Hühner selbst es gar nicht wollen“, wie die Besitzer feststellen mussten. „Naturbrut stände sonst an erster Stelle“, sagt Silvia Stengel. Sie ist froh, dass beim Ausbrüten im Kinderzimmer alles gut gegangen ist. „Da ist viel Glück dabei, dass es so geklappt hat“, weiß die Marxheimerin. Klar, dass Kiara heute ein ganz besonderes Verhältnis zu den Hennen „Brownie“ und „Blacky“ und zu „Flecko“ hat, der zu einem stolzen Hahn herangewachsen ist.

Dass sein Krähen der Familie einmal richtig Ärger machen könnte, damit hat keiner der Stengels gerechnet, als dieser aus dem Ei schlüpfte. Das Krähen des Hahns stört einen der Nachbarn aber so, dass nun ein Verfahren vor dem Amtsgericht droht. Dabei gebe es in der näheren Umgebung acht Hähne, sagt Stengel, und im alten Marxheim habe Landwirtschaft eine lange Tradition. Der Anwalt der Gegenseite hält dagegen, es handele sich um einen höchst ruhigen und beruhigten Ortskern.

Andere haben den Stengels versichert, dass ein Hahn krähe, gehöre für sie im Ort dazu. „Fleckos“ Schrei werde von einer an das Hühnergehege angrenzenden Mauer wohl unglücklich weitergeleitet, meint die Mutter der kleinen Züchterin. Deshalb will die Familie jetzt durch einen überdachten Hühnerstall Abhilfe schaffen – und hofft, dass „Flecko“ dann bleiben darf. Nicht nur der neun Hühner wegen, die er beglückt. Schließlich hat Kiara auch eine enge emotionale Bindung zu dem Tier, dem sie vor zehn Monaten selbst ins Leben verholfen hat.

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