Akkordeon-Orchester hat Langenhain

Ein Stück Kult(ur) im Dorf

  • schließen

Die 75-jährige Geschichte des Vereins ist auch die Geschichte des kleinen Ortes oben auf dem Berg. Ein Rückblick zum Jubiläum. Die Feierlichkeiten dazu werden am 1. Mai mit dem traditionellen Langenhainer Grenzgang beginnen, der zum 25-jährigen Bestehen entstand.

Als Funken Hoffnung mitten im Krieg hätten die Langenhainer die Gründung des Akkordeonvereins am 16. Mai 1941 wahrgenommen. Johann Freund, Dirigent und Vorsitzender des Hofheimer Akkordeon-Vereins Lyra war zwei Jahre zuvor nach Langenhain gezogen und natürlich als Handharmonikaspieler bekannt. Die Langenhainer gingen auf ihn zu mit der Frage, ob er Ihnen nicht auch das Instrument beibringen wolle. Sieben waren es schließlich, die den Verein gründeten: Herbert Amlung, Arnold Bohrmann, Heinrich Bohrmann, Johann Freund, Willi Hack, Ewald Ruppert, Walter Schneider und Hans Wassum.

Ein Blick auf den Stammbaum der Akkordeonisten gibt preis: Viele der heutigen Mitglieder sind Nachkommen der Gründer. Die heutige Zweite Vorsitzende Ingrid Nothdurft beispielsweise, ist nicht nur seit 50 Jahren dabei, sondern zugleich die Tochter Wassums, der – als Gründer eingestiegen – schließlich für 36 Jahre (1958 -1994) Dirigent des 1. Orchesters wurde.

Altbürgermeister Erich Nickel beschrieb in der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des Akkordeon-Orchesters aus seiner Sicht den Stellenwert der Vereinsgründung: „Die Geburt des Vereins fiel mitten in die Kriegsjahre. Jahre eines Schicksalskampfes einer Nation, die überschattet waren von der Frage um die künftige, völkische Existenz und keinen Raum hatten für banale dörfliche Begebenheiten. Es sprach für die Unbekümmertheit der Jugend, wenn sie sich zusammenfand, einen Verein zu gründen. Aber auch für ihre Zukunftsgläubigkeit.“

Wer zur Übungsstunde mittwochs in das Gasthaus „Zur Rose“ kam, musste Holz, Briketts und 50 Pfennige mitbringen. Ehrgeizig ließ Freund schon ein Jahr später das Orchester in einem gemeinsamen Konzert mit dem Gesangverein Langenhain fünf Musikstücke vorstellen.

Doch schon bald mussten die Übungsabende eingestellt werden. Immer mehr Spieler wurden zum „Heeresdienst“ an die Front berufen. Frauen trugen ihre Männer und Söhne zu Grabe, jeder Heimkehrer wurde von den Akkordeonspielern, die noch da waren, mit einem Ständchen begrüßt.

Mit Kriegsende kehrte langsam die Normalität zurück. Die Akkordeonspieler trafen sich wieder. 1948 kam es zur offiziellen Wiedergründung des Vereins. Dieser wuchs, so sehr, dass die wechselnden Übungsräume „Zur Rose“ (bis zur Schließung 1956) und „Zum grünen Baum“ nicht mehr groß genug waren. Die Musiker zogen zur Turngesellschaft in die Turnhalle um.

Zum 25-jährigen Bestehen waren es 65 Mitglieder und davon 20 Spieler. Zum Geburtstag gab es eine Festveranstaltung, die damals als ungewöhnlich galt. Der Verein feierte drei Tage lang mit großem bunten Abend und Künstlern des Hessischen Artistenbundes. Der damalige Bürgermeister Erich Nickel hatte die Idee zum Grenzgang, den es seither immer am 1. Mai gibt.

Das Vereinsleben blühte auf. Kameradschaftsabende und Mehrtagesfahrten, Konzertreisen und Wettbewerbe. Mit der Eingemeindung Langenhains nach Hofheim 1971 erweiterte sich das Schaffensfeld der Langenhainer. Das Akkordeon-Orchester spielte zur 1. Hofheimer Kulturwoche 1974 ebenso wie am Tag der offenen Tür zur Einweihung der Stadthalle Hofheim am 16. Januar 1977. Dort nahmen die Langenhainer drei Jahre später gemeinsam mit dem Hofheimer Akkordeon-Verein eine „Schallplatte/Musikkassette“ auf: „Klingende Grüße aus Hofheim“.

Der Höhepunkt der Mitgliederzahlen war zum 40-jährigen Bestehen des Vereins erreicht. 75 der 240 Mitglieder spielten Akkordeon und traten zum Jubiläum im Festzelt „Unter den Eichen“ auf einer großen Bühne gemeinsam auf. Alle acht Gründer waren dabei und sichtlich gerührt darüber, was aus ihren Anfängen geworden war. Neben Konzerten, Frühschoppen und vielen Programmpunkten bestellte der Verein „Süddeutschlands größte transportable Diskothek“ in den Ort, damit der Jugend auch etwas geboten wurde. Der Anteil des Akkordeon-Orchesters am Gemeindeleben war und ist enorm. Überall mischen die Akkordeonspieler mit und viele der Programmpunkte im Langenhainer Jahresplan werden vom Akkordeon-Orchester geboten.

Zu den Höhepunkten im Vereinsleben zählten die Aufnahmen im großen Sendesaal des Hessischen Rundfunks im Jahr 2000 und die Ausstrahlung der Mitschnitte in der hr4-Sendung „Gude, Servus und Hallo“. Heute, unter dem Vorsitz von Sven Schnabel, zählt der Verein 18 aktive Spieler.

Trotz aller Bemühungen und sehr engagierten Mitgliedern geht es ihm nicht anders als vielen anderen Vereinen, die über Mitgliederschwund klagen. Geklagt wurde übrigens schon in der Festschrift vor 25 Jahren: „Eine leider zunehmende negative Tendenz ist auch der Rückgang des ehrenamtlichen Engagements der Vereinsmitglieder. Sicherlich liegt in dem gegenwärtigen Überangebot an Freizeit und sonstigen kulturellen Angeboten mit ein Grund für diese Erscheinung. Hier sind die Vereine und Verantwortlichen gefordert, neue Akzente und Perspektiven zu setzen“, so der Vereinschronist in der Festschrift zum 50-Jährigen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare