Betrugsmasche

Schüsseldienst zockt Ladeninhaberin dreist ab - Polizei gibt Tipps

Eine böse Überraschung war das für Ladeninhaberin Regina Graff, als sie die Rechnung vom Schlüsselnotdienst bekam: 1500 Euro in bar, sofort zu zahlen. Was tun in dem Moment? Ein Polizeisprecher gibt Antworten.

Es ist 8 Uhr früh, das Auto voller frischer Backwaren – doch das Schloss der Ladentür lässt sich partout nicht öffnen. Regina Graff, Inhaberin der gleichnamigen Confiserie im Main-Taunus-Zentrum, ist das gemeinsam mit einigen Mitarbeitern ausgerechnet am Silvestermorgen passiert.

Passende Schlüssel waren zwar genug vor Ort, aber der Schließzylinder zeigte sich so widerspenstig, dass auch der Haustechniker des Einkaufszentrums nicht helfen konnte. Die lokalen Schlüsseldienste hatten alle Betriebsferien, und so blieb also nur die Internetrecherche nach einem Notdienst. Graff entschied sich für den ersten, den sie erreichte.

1500 Euro für drei Stunden Arbeit - bitte bar zu zahlen

Gegen 9 Uhr traf dieser dann ein, brauchte allerdings rund eineinhalb Stunden, bis die Tür geöffnet war – die Kunden wurden derweil schon draußen bedient.

Bedient war dann auch Regina Graff, als ihr die Rechnung präsentiert wurde, denn zahlen sollte sie für knapp drei Stunden Arbeit, Nachtzuschlag und ein neues Schloss sage und schreibe fast 1500 Euro – natürlich in bar, denn sonst hätte sie die Schlüssel nicht ausgehändigt bekommen.

„Wie kann man denn die Leute so abzocken?“, fragt sie heute noch fassungslos und hat direkt einen Anwalt beauftragt, gegen die Firma mit Sitz in Essen vorzugehen.

Auch ein weiterer Aspekt ärgert sie: „Es gibt hier eine einheitliche Schließanlage, da die Feuerwehr einen Generalschlüssel für alle Läden hat, und so muss ich noch einmal ein neues Schloss einbauen lassen, was mich dann wieder Geld kostet.“

Polizei informieren! Strafbestand von Nötigung oder Wucher könnte erfüllt sein

Immerhin war der defekte Schließzylinder gerade mal gut ein Jahr alt, denn Graff hatte den Laden erst im Herbst 2017 eröffnet: „Den werde ich jetzt also an die Herstellerfirma einschicken, und ich hoffe, dass wenigstens die Gewährleistung greift.“

Für Center Manager Matthias Borutta ist dieses Thema neu, „Probleme mit Schließzylindern hatten wir in den letzten Jahren keine“, aber er hilft „im Rahmen seiner Möglichkeiten“. Immerhin will er sich darum kümmern, dass den Mietern künftig eine Liste von vertrauenswürdigen Handwerkern vorliegt, die auch über die Feiertage erreichbar sind, damit keiner mehr auf die schwarzen Schafe der Branche hereinfällt. Zudem empfiehlt er, in einem solchen Fall die Polizei zu rufen, bevor man zahlt.

Das kann Johannes Neumann vom Polizeipräsidium Westhessen nur bestätigen: „Niemand sollte sich überrumpeln lassen, und wenn jemandem etwas suspekt vorkommt oder die Rechnung deutlich über das ortsübliche Maß hinausgeht, dann bitte nicht bezahlen und sofort die Polizei informieren, Tag und Nacht! Denn dann können wir einen dermaßen unseriös arbeitenden Handwerker erkennungsdienstlich erfassen, oft ist auch der Straftatbestand der Nötigung oder Wucher erfüllt.“

Auffallend häufig würden im Übrigen die Spuren zu betrügerischen Großfamilien in Essen führen – so auch bei einem Fall Mitte Dezember in Flörsheim, wo der Austausch eines Schlosses knapp 2500 Euro kosten sollte. Der Negativrekord liege seines Wissens bei 3300 Euro, die mal im Hochtaunuskreis fällig wurden.

Preis unter Zeugen vereinbaren

Neumann empfiehlt daher dringend, bei Beauftragung eines Schlüsselnotdienstes telefonisch vorab einen Preis für die jeweilige Leistung zu vereinbaren – und zwar unter Zeugen: „Bestehen Sie auf Einhaltung dieser Absprache, und wenn dann doch ein deutlich höherer Preis verlangt wird, zögern Sie nicht, uns zu rufen!“

Vorbeugend sollte man sich nach Handwerkern aus der Region erkundigen, die gegenüber dem Hessischen Landeskriminalamt ihre Seriosität nachgewiesen haben. Auf gibt es dafür den „Adressennachweis ’Mechanische Sicherungseinrichtungen’“.

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