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Die BUND-Vertreter Stephan Baumann (rechts) und Andreas Müller, zugleich Grünen-Fraktionschef in Liederbach, stehen auf der Brücke über die B 8. Hinter ihnen liegt ein Teil des Areals, das bebaut werden könnte.

Umweltschützer

BUND lehnt Neubaugebiet am MTZ ab

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Der Regionalverband würde rund ums Main-Taunus-Zentrum gerne Wohnungen für 6000 Menschen bauen. Die Gemeinde Sulzbach protestiert vehement. Sie bekommt Verstärkung.

Die Äcker mit der trockenen Erde erstrecken sich mehrere 100 Meter weit, bis sie mit dem Horizont zu verschmelzen scheinen. Kein Baum, kein Strauch, keine Hecke ragt aus der Ebene hervor. Gestern Vormittag: Wer von Unterliederbach aus Richtung Sulzbach geht, entdeckt hinter der diesigen Luft den Taunus-Kamm und irgendwo davor das mehrschiffige Clariant-Gebäude, das markant hervorsticht. Der Autolärm von der B 8 durchdringt mühelos den schmalen Grünstreifen, der den Fuß- und Radweg von der Bundesstraße abtrennt.

Jenes Gelände, das hufeisenförmig das Sulzbacher Main-Taunus-Zentrum (MTZ) umgibt, ist landwirtschaftlich geprägt. Das gilt auch für das Gebiet, das sich westlich der B 8 bis Liederbach ausdehnt. Rund ums MTZ nutzen Läufer, Radfahrer und Spaziergänger das verzweigte Wege-System. Auf den ersten Blick wirkt die Gegend weder ökologisch noch landwirtschaftlich wertvoll. Irrtum! Sulzbachs Ortslandwirt Manfred Uhrig erläutert dem Kreisblatt, wie fruchtbar die Böden rund ums MTZ seien (siehe rechts ).

Ins gleiche Horn blasen Andreas Müller und Stephan Baumann vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Sie stehen auf der Brücke über die B 8, blicken Richtung Frankfurter Gemarkung und Liederbach. Ihnen behagt nicht, dass ein Großteil der Ackerflächen konventionell betrieben werde und nicht ökologisch. Aber beiden ist klar, dass es „überwiegend sehr gute Böden“ seien, „die einen überdurchschnittlichen landwirtschaftlichen Ertrag gewährleisten“. Eine Bebauung, so sagen sie, würde diese „in Jahrtausenden kultivierten Böden unwiederbringlich zerstören“.

Andreas Müller, der den BUND Kelkheim/Liederbach vertritt, deutet zum Taunus und sagt: „Gerade abends weht Kaltluft von der Südseite her Richtung Frankfurt.“ Er dreht sich leicht und zeigt in Richtung Höchst und Unterliederbach. Müller, Baumann und ihre Mitstreiter warnen: „Die geplante Bebauung verhindert die freie Zirkulation der Taunuswinde und führt hier zu einer lokalen Aufheizung.“ Schon jetzt zeige die Messstation Höchst Bahnhof eine kritische Luftschadstoffkonzentration an. Was rund ums MTZ in weiten Teile fehle, seien Feldgehölze und andere Strukturen, die Tieren und Pflanzen Lebensraum bieten, sagt Andreas Müller. Aber punktuell gebe es Streuobstwiesen und Nischen, die Unterschlupf bieten. Müller und Stephan Baumann erwähnen den Feldhasen, Rebhühner oder auch die Feldlerche, die Vogel des Jahres 2019 ist.

Der Regionalverband hat ein Verkehrskonzept erarbeitet, das die BUND-Leute für unzureichend halten. „Eine Bebauung um das MTZ wird zwangsläufig zum Verkehrskollaps durch Autoverkehr auch in den umliegenden Gemeinden führen“, prophezeiten mehrere BUND-Ortsvereine. „Die Anbindung an den ÖPNV wurde im Rahmen der Planung zur Regionaltangente West verschlafen. Jede Nachbesserung im Nachgang ist Stückwerk und auf den Strecken der Königsteiner Kleinbahn oder der Verbindung zwischen Bad Soden und Höchst zurzeit nicht realisierbar. Beide Strecken sind eingleisig und durch die teilweise enge Streckenführung sowie bestehender/künftiger Überlastung ungeeignet zur Anbindung.“

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