Margret Meier mit der neunjährigen Ariej Sheik, die seit der Geburt schwer herzkrank ist. Der Verein hat ihr ein Sauerstoffgerät zur Verfügung gestellt, um ihr das Atmen zu erleichtern.
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Margret Meier mit der neunjährigen Ariej Sheik, die seit der Geburt schwer herzkrank ist. Der Verein hat ihr ein Sauerstoffgerät zur Verfügung gestellt, um ihr das Atmen zu erleichtern.

Verein Himmelsperlen

"Die Not der Flüchtlinge ist unendlich groß"

  • vonWalter Mirwald
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Hilfsorganisation behandelte mehr als 200 syrische Patienten täglich im Libanon. Wer die Arbeit unterstützen möchte, kann mit Spenden helfen.

Sulzbach -In der Bekaa-Ebene im Libanon leben mehr als 100 000 syrische Flüchtlinge, die meisten von ihnen, auch nach Jahren, immer noch in Zelten. "Den Menschen dort geht es schlecht. Sie brauchen dringend medizinische Hilfe. Aber darüber spricht in Deutschland heute fast niemand mehr", bedauert Margret Meier, Pastorin im Ruhestand. Sie ist die Gründerin und Vorsitzende des im Februar 2018 ins Leben gerufenen Vereins "Himmelsperlen international", der seit dem 1. September 2019 in der Sulzbacher Hauptstraße 80 a seine Büroräume hat.

Von dort aus organisierte die 69 Jahre alte in Kelkheim wohnende Margret Meier auf ehrenamtlicher Basis Hilfsprojekte im Libanon, in Syrien und in Pakistan. Jetzt ist Margret Meier aus der mit 150 000 Einwohnern drittgrößten Stadt Zahlé zurückgekehrt, wo sie neun Tage lang mit einem aus zwölf Personen bestehenden Ärzteteam tätig war.

Margret Meier: "Täglich behandelten wir über 200 Patienten. Es herrscht unendlich große Not, und es gibt viele Schwerkranke. Unsere Behandlung für die Patienten sind kostenlos, Himmelsperlen trägt auch die Kosten für die Medikamente."

Nach Bericht spendete Frau 5000 Euro

Die Hilfsorganisation "Himmelsperlen" arbeitet in Partnerschaft mit der True-Vine-Evangelical-Baptist-Church in Zahlé zusammen. "Wir sind in Räumen der Kirche untergebracht und arbeiten in einer Camp-Klinik in einem dafür ausgestatteten Container", berichtet Margret Meier, zu deren medizinischem Team zwei Allgemeinmediziner, eine Gynäkologin, ein Augenarzt, ein Onkologe und eine Trauma-Therapeutin sowie Krankenschwestern zählten. Alles Menschen, die für diesen Einsatz Praxen schließen, Urlaub nehmen oder bereits im Ruhestand sind.

"Hier befinden sich unter den syrischen Flüchtlingen viele Frauen, deren Männer über Jahre in Syrien beim Militär sind, mit ihren Kindern. Viele Menschen sind gar nicht registriert", berichtet die frühere Pastorin, die sich nach ihrem Ausscheiden aus dem Beruf engagiert in das Hilfsprojekt stürzte. Allein im Jahr 2019 konnte sie 322 000 Euro für das weit verzweigte Hilfsprojekt sammeln. 2020 gelang sogar der Sprung auf 550 000 Euro. "Nach einem Bericht im Höchster Kreisblatt im November 2020 kam eine Frau aus Kelkheim zu mir nach Sulzbach ins Büro und spendete 5000 Euro", freut sich die engagierte Theologin.

Die beim jüngsten Einsatz behandelten Fälle sind alle in einer Excel-Datei festgehalten und beschrieben, damit auch die Nachhaltigkeit und Weiterbehandlung gesichert ist. Margret Meier könnte unzählige Fälle aus dem vergangenen Einsatz schildern: Menschen, die eine Herzoperation brauchen, eine OP wegen eines Tumors an der Schilddrüse, ein höherer Schuh für einen am Bein Kriegsverletzten, Rollstühle für Kinder mit einer Glasknochenkrankheit, Lungenkrankheiten, Nierenfehlbildungen.

Weiterer Einsatz im Herbst geplant

Das deutsche Ärzteteam hilft, wo es kann, muss aber auch Patienten in Krankenhäuser weiterleiten. Dort werden sie aber nur behandelt, wenn auch gleich bezahlt wird. Margret Meier: "Für diese Situationen hatte ich immer die dicke Geldtasche dabei."

Im Herbst soll ein weiterer Einsatz in Zahlé durchgeführt werden, immer auch unter dem Gesichtspunkt, dass der Libanon etwas mehr als sechs Millionen Einwohner zählt und zwei Millionen syrische Flüchtlinge aufnehmen musste, die zum Großteil illegal über die Berge gekommen sind. Die politische Lage ist alles andere als stabil.

Derzeit wird von Sulzbach aus gesteuert eine Hilfslieferung für Syrien auf den Weg gebracht mit 35 Kubikmeter Wäsche und Krankenhausartikel, darunter 60 gut erhaltene Betten. Für ihre Hilfssendungen sucht Margret Meier dringend einen Lagerraum, möglichst in Sulzbach und Umgebung.

Die "Himmelsperlen" machen vieles möglich. Warum der Name "Himmelsperlen"? Margret Meier: "Jeder Mensch, dem wir dienen, ist wie eine Perle des Himmels, einzigartig, wertvoll und kostbar, ein Original, von Gott geliebt."

Spenden

Wer der Hilfsorganisation Himmelsperlen bei seiner Arbeit finanziell helfen möchte, der kann auf das Spendenkonto bei der SKB Bad Homburg, IBAN DE92 5009 2100 0001 722808 Geld spenden.

Margret Meier besuchte syrische Flüchtlingsfamilien, die täglich darum bangen, ausreichend zu essen zu haben.

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