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Enttäuschung beim deutschen WM-Auftakt

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Von: Walter Mirwald

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Das war wohl nix, deshalb Daumen runter! Es gab nach der Partie gegen Japan keinen Grund zum Jubeln, auch nicht für (von links) Bürgermeister Elmar Bociek, den FC-Vorsitzenden Ottmar Heyer und den Co-CDU-Fraktionsvorsitzenden Dieter Geiß. Auf der rechten Bildseite Alfred Schrodt mit Enkelkind, links neben ihm Public-Viewing-Mitorganisator Ralf Heisel.
Das war wohl nix, deshalb Daumen runter! Es gab nach der Partie gegen Japan keinen Grund zum Jubeln, auch nicht für (von links) Bürgermeister Elmar Bociek, den FC-Vorsitzenden Ottmar Heyer und den Co-CDU-Fraktionsvorsitzenden Dieter Geiß. Auf der rechten Bildseite Alfred Schrodt mit Enkelkind, links neben ihm Public-Viewing-Mitorganisator Ralf Heisel. © Walter Mirwald

1. FC hat sich für eine Übertragung entschieden. Vorsitzender Ottmar Heyer kritisiert die FIFA.

Sulzbach -Aller Anfang ist schwer. Das mussten die Organisatoren des 1. FC Sulzbach beim ersten Public Viewing zur Fußball-Weltmeisterschaft in Katar ebenso erleben wie die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Während das Team des 1. FC aber damit gerechnet hatte, dass sich die Zahl der Besucher mittwochs um 14 Uhr in Grenzen hält, sind die Spieler, Trainer und Fans der deutschen Mannschaft nach der 1:2-Schlappe gegen Japan maßlos enttäuscht. Droht wie 2018 in Russland erneut das „Aus“ in der Vorrunde für den Weltmeister von 2014?

Etwa 30 Besucher, darunter einige Familien mit kleinen Kindern, hatten den Weg ins Bürgerzentrum Frankfurter Hof gefunden. Sie erlebten auf der von der Sulzbacher Flagge und dem Banner des 1. FC Sulzbach eingerahmten Großleinwand ein Auftaktspiel, in dem es für die Elf des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zwar viele Chancen, aber außer dem Führungstreffer per Elfmeter von Ilkay Gündogan in der 33. Minute keine Tore gab. Die deutsche Nationalmannschaft muss zittern, wenn es am Sonntag um 20 Uhr gegen Spanien geht. Der 1. FC dagegen kann davon ausgehen - so der Vorsitzende Ottmar Heyer - „dass dann die Bude voll ist und das Geschäft blüht“.

Mitorganisator Ralf Heisel berichtete, dass es keineswegs selbstverständlich war, dass die Spiele der von Menschenrechtsverletzungen überschatteten WM in Katar auf der Großleinwand übertragen werden. „Es gab im Vorstand unterschiedliche Meinungen, dann hat man sich aber doch für die Übertragungen entschieden“, sagt Heisel. Das Public Viewing ist eine Möglichkeit des Vereins, sich außerhalb des eigenen Spielbetriebes in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Das war seit der WM 2018 in Russland nicht mehr möglich. 2020 fiel die Europameisterschaft aus, als sie 2021 nachgeholt wurde, konnte es wegen der Corona-Pandemie keine Übertragungen geben. Heisel: „Wir sind aber froh, dass jetzt wieder etwas Geld in die Kasse kommt für die Jugendarbeit.“

Von Euphorie war nichts zu spüren

Der FC-Vorsitzende Ottmar Heyer bewertet die Vorgänge in Katar und das Verhalten des Weltfußballverbandes FIFA aber sehr kritisch: „Für mich ist das Korruption pur, was da abgeht. Was da von oben nach unten passiert, ist unbegreiflich.“ Die ganze Fußballwelt lasse sich unterbuttern, schimpft der FC-Chef und stellt die Frage: „Braucht die FIFA die Verbände oder die Verbände die FIFA? Die Verbände haben sich in der Diskussion über die „One-Love-Binde“ erpressen lassen.“

Zwar trugen einige Besucher beim Public Viewing das weiße DFB-Trikot und Kinder schwangen Fähnchen mit der deutschen Flagge, aber von Euphorie war nichts zu spüren. Aber alle freuten sich dennoch auf Fußball.

Auch der acht Jahre alte Jonas und sein zwei Jahre jüngere Bruder Jakob. Die Eltern hatten das Homeoffice unterbrochen, um im Familienkreis Fußball zu gucken. Die beiden Knirpse schwärmen für den VfL Bochum, weil der Papa von dort kommt. Jonas mag besonders Nationaltorhüter Manuel Neuer, und beide fiebern mit der deutschen Mannschaft. Doch an diesem Mittwoch rollten sie ihre Fähnchen enttäuscht ein und gingen traurig nach Hause.

„Einen Tag Urlaub genommen“

Alfred Schrodt, langjähriger „Motor“ der TSG-Handballer, ist Rentner und konnte ohne Zeitdruck mit dem Enkelkind auf dem Arm Fußball gucken. Sein Kumpel Dieter Geiß musste da schon speziell planen: „Ich hatte morgens einen Behördengang zu erledigen und habe dann einen Tag Urlaub genommen.“

Dieter Geiß ist gemeinsam mit Stefan Uhrig CDU-Fraktionsvorsitzender und hadert damit, dass am Donnerstag, 1. Dezember, das möglicherweise entscheidende Spiel der Deutschen gegen Costa Rica um 20 Uhr angepfiffen wird, aber um 19.30 Uhr die Sitzung der Gemeindevertretung beginnt. Möglicherweise werden die Haushaltsreden - wie in der Corona-Zeit praktiziert - nicht vorgetragen, sondern schriftlich präsentiert, so dass vielleicht die zweite Halbzeit von interessierten Kommunalpolitikern noch angeschaut werden kann. Das „Aber“ wirft Bürgermeister Elmar Bociek ein, der in der 37. Spielminute im Bürgerzentrum „eingelaufen“ ist: „Es ist die letzte Sitzung des Jahres, die traditionell mit einem Umtrunk endet. Deshalb ist auch bei frühem Ende des offiziellen Teils eigentlich keine Zeit für Fußball.“

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