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Gerührt von der Hilfsbereitschaft

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Von: Walter Mirwald

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Zum Ende der Veranstaltung hin sammelten sich die Teilnehmer an den Info-Punkten, wo auch Fragen zu Angeboten der Vereine beantwortet wurden.
Zum Ende der Veranstaltung hin sammelten sich die Teilnehmer an den Info-Punkten, wo auch Fragen zu Angeboten der Vereine beantwortet wurden. © mirwald

Rund 80 Bürger kamen zum Info-Abend: Viele wollen sich engagieren. Auch Menschen aus der Ukraine bieten Hilfe an.

Sulzbach -Als im Jahr 2015 die große Flüchtlingswelle Europa überrollte, war die Hilfsbereitschaft in Sulzbach enorm. Die "Flüchtlingshilfe Hand in Hand" wurde gegründet. Viele Sulzbacher, aber auch Vereine und Institutionen und in erster Linie Monika Moser und Sandra Schiwy vom Kulturamt der Gemeinde halfen an vielen Ecken und Enden eine Willkommenskultur zu schaffen und ein riesiges Bündel an vielfältigen Hilfen anzubieten.

Sieben Jahre später in der Zeit des schrecklichen Krieges in der Ukraine ist das wieder genauso. Rund 80 Besucher waren zum Informationsabend zur Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge ins Bürgerzentrum Frankfurter Hof gekommen, darunter etwa die Hälfte Frauen, Kinder und ein paar wenige Männer aus der Ukraine.

Auf eine Nachfrage im Rathaus hieß es Anfang der Woche, dass 13 aus der Ukraine stammende Personen über das Einwohnermeldeamt registriert sind, die in Privatwohnungen untergebracht sind. Es sind aber - dies zeigte die Resonanz beim Info-Abend - viel mehr, die wohl bei Verwandten und Freunden eine Zuflucht gefunden haben und sich noch anmelden müssen.

Beim Vortrag von Silke Krüger vom Amt für öffentliche Sicherheit und Ordnung des Main-Taunus-Kreises gab es wichtige Tipps für die notwendigen amtlichen Schritte. Vom möglichst sofortigen Anmelden im Rathaus und dem Anmelden bei einer Krankenkasse über das kostenfreie Angebot von Bankkonten bei örtlichen Banken und Sparkassen bis hin zur Notwendigkeit des Impfens und dem Hinweis, dass aus der Ukraine mitgebrachte Haustiere wie Hunde und Katzen beim Veterinäramt registriert werden müssen.

Privatleute und Vereine sind gefordert

Dann prasselten Fragen auf das Podium um Silke Krüger und Bürgermeister Elmar Bociek zu, die mit Hilfe der Übersetzerinnen Maria Mokhova und Iryna Correia beantwortet wurden: Was braucht man, um im medizinischen Bereich arbeiten zu können? Dürfen 16-Jährige schon arbeiten? Und vor allen Dingen: Wie sieht es mit Kindergartenplätzen aus? Schließlich - so ein Ehepaar, das drei Personen aufgenommen hat - habe die Bundesregierung angekündigt, für Schul- und Kita-Plätze zu sorgen.

Da wurde Bürgermeister Bociek deutlich: "Zwischen dem, was die Bundesregierung verspricht und dem was hier bei uns passiert, ist ein gewaltiger Unterschied." Die Einrichtungen seien voll und arbeiten unter dem Druck der Corona-Pandemie. Da müsse man auf private Initiativen setzen.

Es zeigt sich: Privatleute und Vereine müssen wie 2015 das Ding schaukeln, damit schnell geholfen werden kann. Auf der aufgestellten Pin-Wand im Bürgerzentrum reihten sich Schildchen an Schildchen mit Hinweisen wie "Ich kann Kinderbetreuung anbieten", ""Hilfe bei Bewerbungsgesprächen" und "Hilfe allgemein". Und unter der Rubrik "Wohnungsangebot": "Unterbringung im Haus für zwei Personen möglich".

Eindrucksvoll war, als ein jüngerer Mann das Mikrofon in die Hand nahm und sagte: "Wir wollen jemand aufnehmen? Wie läuft das? Können wir die Leute gleich mitnehmen?" So schnell ging das nicht, denn die, die da waren, hatten wohl schon ein Dach über dem Kopf. Aber die Adresse ist notiert.

"Bitte melden. Eine Lösung gibt es immer"

Der besondere Moment des Abends war, als eine Frau aus der Ukraine aufstand und unter Tränen sagte: "Ich bin gerührt von der Hilfsbereitschaft in Sulzbach und bedanke mich. Aber auch wir Leute aus der Ukraine bieten unsere Hilfe an, wenn wir hier etwas tun können."

Monika Moser vom Kulturamt verwies auf den bereitstehenden Service: Von der Broschüre "Erstes Deutsch lernen", die am Info-Abend ausgegeben wurde und im Rathaus vorliegt, bis zur Hilfe bei Dialyse, wo sie notwendig ist. Monika Moser: "Bitte melden. Eine Lösung gibt es immer." Bürgermeister Bociek bekräftigte das bei seinem Schlusswort am Ende des offiziellen Teils, als er den Flüchtlingen zurief: "Kommen sie zu uns mit allen Anliegen. Wir helfen, so weit wie es geht so unbürokratisch wie möglich. Lassen sie uns zusammenstehen für unsere Werte, lassen sie uns zusammenstehen als Europäer."

Nach dem offiziellen Ende bildeten sich Menschentrauben an den Info-Punkten. Vor allen Dingen Vereinsringvorsitzende Ilona Schiller war gefragt. Ihr Fazit: "Die Kinder interessieren sich für Kinderturnen, Rhythmische Sportgymnastik, Fußball, Handball und Basketball. Das werden wir vermitteln."

Ilona Schiller ist seit 2015 in der Sulzbacher Flüchtlingshilfe engagiert. Sie betreute unter anderen mit einem engen Familienanschluss Bashar Machmoud aus Syrien. Der steht jetzt kurz vor dem Abschluss zum Maschinenbau-Ingenieur. Und der sagt heute: "Ich will helfen bei der neuen Flüchtlingshilfe aus der Ukraine. Ich will etwas zurückgeben, so wie mir geholfen wurde."

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