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Der goldene Hahn und die Werkstattcrew von 1957. Von links: Franz Dietz, Horst Maus, Erich Grötsch, Heinrich Weck, Kurt Sauer, Josef Erb, Heinz Steiof, Fritz Gerlach, Oskar Tytzel und Meister Hans Müller. Repro: Knapp

Turmspitze der katholischen Kirche St. Katharina

Der goldene Hahn kehrt zurück an seinen Platz

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Wenn der Wetterhahn, den der Sturm Friederike am 18. Januar von der Turmspitze der katholischen Kirche St. Katharina in Bad Soden geweht hat, am Dienstag wieder aufgesetzt wird, zählen die 78 Jahre alten Erich Grötsch und Franz Dietz zu den Zuschauern. Sie erlebten 1957 in der früheren Much AG als Lehrlinge mit, wie der Hahn vergoldet wurde.

Der Sulzbacher Erich Grötsch hat in alten Fotoalben gesucht, als er hörte, dass der Wetterhahn vom Kirchendach gefegt wurde – und wurde fündig! Stolz zeigt er das Foto von zehn Mitarbeitern der Werkstatt der früheren Much AG, die den gerade vergoldeten Hahn hochhalten. Die heute 78 Jahre alten Erich Grötsch und Franz Dietz waren damals im zweiten Lehrjahr und Zeitzeugen, wie sämtliche Schmiede- und Schlosserarbeiten für den Bau der Kirche St. Katharina in der Werkstatt der Much AG gefertigt wurden.

Den Bau der Kirche hatte der Chef der früheren Much AG, Max Baginski, finanziert. Als der Unternehmer 1945 wegen des Vorwurfes, Fremdarbeiter beschäftigt zu haben in der sowjetischen Besatzungszone im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald interniert war, hatte er das

Gelübde abgelegt

, im Falle seines Überlebens eine Kirche zu bauen. Der Geschäftsmann, der mit der Spalt-Tablette einen Renner auf den Markt gebracht hatte, erwies sich in Soden als ein großer Wohltäter.

Erich Grötsch, der damals 17 Jahre alt war, erinnert sich, dass Baginski extra den Schmiedemeister Fritz Gerlach eingestellt hatte, um die Teile für die Kirche zu fertigen. Grötsch erzählt, dass der Kirchturm-Wetterhahn mit dem Kreuz aber von einer anderen Firma geliefert und von ihm und seinen Kollegen auseinandergeschraubt wurde. „Dann hat der Schildermaler Eugen Rossner aus unserer Werbeabteilung den Hahn vergoldet, und wir haben ihn wieder an das Kreuz geschraubt.“ Nach 61 Jahren – so vermutet Grötsch – ist der Hahn bei starkem Wind abgestürzt, „weil er durchgerostet war“.

Während Erich Grötsch seine Meisterprüfung als Maschinenbauer absolvierte und bis zur Schließung des Unternehmens 1993 bei der Much AG beschäftigt war, ging Franz Dietz kurz nach seiner Lehrzeit zur Marine und arbeitete später – ebenfalls als Meister – in Frankfurt bei ATE. Dietz, der heute in Bad Soden nicht weit entfernt von seinem einstigen Lehrbetrieb wohnt, erinnert sich gerne an die Aktion mit dem vergoldeten Hahn und die gute Arbeitsatmosphäre bei der Much AG: „Wir haben Theater gespielt, und bei der Weihnachtsfeier habe ich sogar mit dem Baginski seiner Frau getanzt.“

Am Dienstag, 2. Oktober, soll der alte neue Hahn, der in einem Fachbetrieb im Odenwald repariert wurde, wieder auf die Turmspitze der denkmalgeschützten Kirche aufgesetzt werden und somit den Turm von St. Katharina wieder formgerecht bekrönen.

Eine Lkw-Hebebühne, die die Handwerker mit dem Hahn auf die erforderliche Höhe von 35 Metern bringen, ist bestellt. Die Arbeiten beginnen um 8 Uhr und sollen um 10 Uhr beendet sein. Am Nachmittag lädt die Kirchengemeinde ab 15 Uhr zum Empfangsfest für den Wetterhahn mit Grillhähnchen und Getränken ein.

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