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Die Felder ganz links im Bild, dies- und jenseits der alten B 8, könnte der Planungsverband in ein Wohngebiet umwandeln. Luftbild: Archiv/Maik Reuß

Umfrage beim "Kleinen Weindorf"

Das halten die Sulzbacher von den Plänen für ein Neubaugebiet rund ums MTZ

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Beim „Kleinen Weindorf“, das sich in Sulzbach seit 2003 zu einem großen Fest entwickelt hat, feiern die Gäste und unterhalten sich. Ein heißes Thema war dieses Mal die Idee, rund um das Main-Taunus-Zentrum Wohnhäuser aus dem Boden zu stampfen. Dabei wurde diese Zukunftsvision nicht nur negativ bewertet.

Die meisten der vielen 100 Besucher des „Kleinen Weindorfes“ im Innenhof des Bürgerzentrums Frankfurter Hof schlugen die Händen über dem Kopf zusammen, als der Kreisblatt-Reporter sie auf die vom Direktor des Regionalverbandes, Thomas Horn, präsentierte Idee ansprach, ein riesiges Wohngebiet rund um das Sulzbacher Main-Taunus-Zentrum (MTZ) auf der grünen Wiese zu errichten. „Wer kommt nur auf so eine Schnapsidee?“ oder „Das soll doch wohl ein Aprilscherz sein“ diktierten sie dem Schreiber in den Block.

Aber es gab auch die Meinung, dass es kein „Denkverbot geben darf und auch auf den ersten Blick unvorstellbare Möglichkeiten diskutiert werden sollten“.

Der 46 Jahre alte Torsten Lattek hat die Berichterstattung im Kreisblatt verfolgt und sagt: „Ich bin grundsätzlich für alles Neue aufgeschlossen, aber ich kann mir nicht vorstellen, eine Kommune auf dem freien Feld aus dem Boden zu stampfen.“ Lattek ist sicher, dass Sulzbach da nicht mitmacht. Er fordert ein eigenes Konzept für die Gemeinde und Überlegungen, wie es mit dem bisher gescheiterten, aber möglichen Baugebiet „Südlich der Bahnstraße“ weitergehen könnte. Lattek erkennt, dass bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden muss, will sich aber nicht auf „Schnellschüsse“ einlassen. Auch im Hinblick auf die Diskussion über ein Baugebiet auf Frankfurter Boden entlang der Autobahn (A 5) fragt er: „Wie sieht es denn mit der Frischluftzone für Frankfurt aus, die früher ein Argument gegen eine Verdichtung war?“

Hans-Jörg Hinrichs (70) hat beim ersten schnellen Lesen der Horn-Vorschläge gedacht: „Hoppla, kann das einen Aufschwung für Sulzbach bedeuten?“ Aber beim zweiten Nachdenken kam ihm die Erkenntnis: „Unser Sulzbach, in dem sehr viel getan wird, vor allen Dingen auf dem Gebiet der Kinderbetreuung, soll so bleiben, wie es ist und seinen ländlichen Charakter behalten.“ Hinrichs berichtet, dass sein Sohn und die Schwiegertochter gerade in Sulzbach gebaut haben und eine Idylle vorgefunden haben, die erhalten werden soll, denn: „Die jetzt vorgetragenen Überlegungen können dazu führen, dass wir von der Stadt Frankfurt geschluckt werden.“

Der 59 Jahre alte Ralf Heisel warnt davor, jede neue Idee gleich zur Seite zu schieben: „Es darf keine Denkverbote geben. Ein schnelles Nein bedeutet doch so viel wie ,Ich will nicht weiter nachdenken’.“ Man könne doch im Großen denken und dann vielleicht im Kleinen etwas umsetzen, zum Beispiel auch mit dem Gemeindeentwicklungskonzept, das Anfang des Jahres in Sulzbach beschlossen worden war (wir berichteten).

Ob man die Dinge, die in der Diskussion sind, am Ende auch eins zu eins umsetzen werde, sei eine andere Sache, aber etwas Positives könne dabei herauskommen. Ralf Heisel nennt als Beispiel die geplante Ansiedlung der noch in Sulzbach ansässigen Firma Cosnova auf Bad Sodener Gelände, das jetzt auch noch freies Feld ist.

Das Sulzbacher Weinfest ist klein, aber beliebt. Die Gäste feiern und genießen den Rebensaft von fünf Winzern aus dem Rheingau, aus Rheinhessen, der Pfalz sowie von der Mosel, während die Sängervereinigung Grill-Spezialitäten beisteuert. Das „Taunus-Duo“ Jürgen Lugert und Pitter Bender unterhält musikalisch.

Im Schultheißensaal lief während des Weindorf-Festes auf der von der Gemeinde neu angeschafften Großleinwand das Europapokal-Finale zwischen Real Madrid und dem FC Liverpool, das 3:1 für die Elf aus Spanien endete. Die meisten drückten den von Jürgen Klopp trainierten Engländern die Daumen, wurden aber durch die Patzer von Torhüter Loris Karius aus allen Träumen gerissen.

Im Schultheißensaal werden demnächst auch die Spiele der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland zu sehen sein. Das erste Spiel ist am 17. Juni.

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