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Hat ein Biber an diesem Stamm geknabbert?

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Werner Anthes (71) streift gerne mit seinem Enkel Theo durch die Sulzbacher Feldgemarkung. Bei einem ihrer Ausflüge entdeckten sie die Bäume, die stark angeknabbert sind.
Werner Anthes (71) streift gerne mit seinem Enkel Theo durch die Sulzbacher Feldgemarkung. Bei einem ihrer Ausflüge entdeckten sie die Bäume, die stark angeknabbert sind. © Mirwald

Ein ortskundiger Sulzbacher ist sich sicher, dass ein Nager am Werk ist. Jagdpächter: Es gibt bisher keinen Beweis.

Sulzbach - Der 71 Jahre alte Sulzbacher Werner Anthes streift gerne mit seinem Enkel Theo durch die Sulzbacher Feldgemarkung und macht dabei immer wieder interessante Entdeckungen. In diesen Tagen staunte der vier Jahre alte Knirps, als ihm der Opa zeigte, dass vermutlich ein Biber am Bachlauf des Sulzbachs zwischen Christiansmühle und der Autobahn A 66 sein Quartier gefunden und riesige Spuren hinterlassen habe. Das pflanzenfressende Nagetier ist zwar nicht zu sehen. Aber es hat wie ein Holzfäller am Bachlauf in einem Bereich von etwa 20 Meter gewütet. Etliche Bäume und Sträucher sind angenagt und umgestürzt. Zudem hat der Biber Holz, Gestrüpp und Sträucher in den Bach geschafft und eine Staumauer errichtet.

"Damit hat er sich regelrecht ein Schwimmbecken errichtet, in dem er ungestört baden kann", sagt Werner Anthes, der die Sulzbacher Feldgemarkung wie seine Westentasche kennt. Er bewirtschaftete bis vor wenigen Jahren einen landwirtschaftlichen Betrieb und hatte sich als Hersteller des Taunus-Apfelweins mit seinem Getränkehandel einen Namen gemacht. Seine Ländereien hat er verpachtet, aber die Veränderungen in der Natur nach wie vor fest im Blick. Er führte den Kreisblatt-Reporter auf die mutmaßlichen Spuren des Bibers, die genau verfolgt werden können. "Irgendwo in der Wiese hat er wohl seinen Bau und gräbt sich Zugänge zum Sulzbach", vermutet Werner Anthes und betont: "Das ist schon ein seltenes, außergewöhnliches Schauspiel."

Ein Blick in ein Internetlexikon bestätigt die Eindrücke von Werner Anthes. Dort heißt es, dass Biber für ihre Dammbauten bekannt sind, mit denen sie Bäche aufstauen und sogar künstliche Teiche anlegen. Weiter heißt es: "Der Damm trägt primär dazu bei, einen Wasserstand über dem Eingang zum Wohnbau von 60 Zentimeter und einen sichernden Wasserbereich um die Burg herum zu gewährleisten."

Ein weiterer interessanter Hinweis: "Der Biber ist dämmerungs- und nachtaktiv. Beim Abholzen benagt er den Stamm rundum in der so genannten Sanduhrtechnik, wodurch sich dieser auf mittlerer Nagehöhe so stark verjüngt, so dass der Baum fällt. Je nach Härte des Holzes kann ein Biber in einer Nacht einen bis zu 50 Zentimeter dicken Baum fällen."

Dem Vorsitzenden des Sulzbacher Ortsbauernverbandes, Manfred Uhrig, sind die "Holzfällarbeiten" des Bibers bekannt. Er bittet allerdings darum, den genauen Standort nicht zu benennen, damit keine Völkerwanderung in die Feldgemarkung entsteht: "Dann könnte wertvoller Ackerboden zerstört werden. Der vermutliche Biber ist sowieso nicht zu sehen."

Jagdpächter Andreas Kühnel schließt sich Manfred Uhrigs Appell an: "Bitte nicht an dem Flusslauf auf Spurensuche gehen." Kühnel sagt, dass es bisher auch keinen Beweis dafür gebe, was da genau passiert. In diesem Bereich würden auch jede Menge Sumpfbiber leben, die die entstandenen Schäden in der Natur auch verursachen könnten. Andreas Kühnel will in Zusammenarbeit mit Hans-Jörg Sommer vom Forstamt Königstein weitere Nachforschungen anstellen, um genau zu ergründen, was in der Sulzbacher Flusslandschaft geschieht, und von den Ergebnissen berichten.

Eine Kreisblatt-Nachfrage bei der Verwaltung des Main-Taunus-Kreises ergab, dass bei der Unteren Naturschutzbehörde von den Aktivitäten eines Bibers in Sulzbach "nichts bekannt" sei. wm

Ein Europäischer Biber knabbert an Erlenzweigen. Das Foto ist an der Spree entstanden, nicht in Sulzbach.
Ein Europäischer Biber knabbert an Erlenzweigen. Das Foto ist an der Spree entstanden, nicht in Sulzbach. © picture alliance/dpa/dpa-Zentral

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