Nein zur „Retortenstadt“

Ein klares Nein!: Keine Bebauung rund ums Main-Taunus-Zentrum

Der Regionalverband ist Feuer und Flamme für ein Neubaugebiet am Main-Taunus-Zentrum. Er will am nächsten Freitag vorstellen, wie es sich an den öffentlichen Personennahverkehr anbinden lässt. Wenn die Funktionäre mal nicht den Sulzbacher Widerstand unterschätzen.

Der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main und sein seit März 2018 amtierender Direktor Thomas Horn (CDU) machen Tempo. Der neue Mann an der Spitze brennt darauf, seinem Verband mehr Profil zu verleihen. Kelkheims früherer Bürgermeister zauberte einige Vorschläge hervor, die das Rhein-Main-Gebiet voranbringen sollen.

Die meisten Wellen schlägt die Idee, auf einem rund 70 Hektar großen Gelände rund ums Sulzbacher Main-Taunus-Zentrum (MTZ) ein Neubaugebiet für 6000 Menschen zu errichten. Doch so überrascht weite Teile der Öffentlichkeit von dem Vorschlag sind, so wenig neu ist er. Hinter den Kulissen tüfteln die Akteure schon seit längerem an Konzepten, neuen Wohnraum zu schaffen.

Schon Ende nächster Woche will der Regionalverband vorstellen, wie sich das potenzielle Neubaugebiet an den öffentlichen Personennahverkehr anbinden lässt. Eingebunden ist das Büro Albert Speer und Partner. In kleiner Runde, so hat diese Zeitung erfahren, machten die Sulzbacher bereits 2017 deutlich, was sie von einem Wohngebiet rund ums „Zentrum“ halten: nichts.

Erst vor wenigen Wochen ist die Diskussion in der Presse und in der Öffentlichkeit angekommen. Doch die Sulzbacher Gemeindevertretung reagierte schnell. Alle Fraktionen sind sich einig. Sie lehnen den Vorschlag ab, rund ums MTZ eine Wohnstadt zu errichten, ab. Eine entsprechende Stellungnahme, die von allen Fraktionsvorsitzenden unterzeichnet und an den Regionalverband geschickt wird, wurde einstimmig beschlossen. Auch die CDU trägt die Resolution mit, obwohl einige ihrer führenden Köpfe im Land das Neubaugebiet befürworten, neben Thomas Horn zum Beispiel Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Sulzbachs Bürgermeister Elmar Bociek (CDU) steht dagegen an der Seite der Fraktionen: Er lehnt das Vorhaben ab.

Die Gemeindevertreter richten ihre Stellungnahme an Thomas Horn. Darin weisen sie darauf hin, dass es der Idee für eine Wohnbebauung rund um das MTZ „im Hinblick auf die hier anzutreffende Situation aus mehreren Gründen an Praktikabilität mangelt“. Die von Horn geäußerte Anregung gehe nicht mit dem Prinzip der kommunalen Selbstverwaltung konform. Sie werde auch nicht den Zielen des Gemeindeentwicklungskonzepts gerecht, das moderates Wachstum vorsehe. Die Sulzbacher Bürger und Politiker hatten das Konzept gemeinsam entwickelt. Es ist mittel- und langfristig ausgerichtet.

Nicht zuletzt, so die Gemeindevertreter, kollidiere ein solches Vorhaben mit dem immer wieder öffentlich bekundeten Willen nach Stärkung des ländlichen Raums in Hessen. Genau diesen ländlichen Raum stützen Sulzbach und andere Kommunen mit beträchtlichen Beiträgen aus dem Kommunalen Finanzausgleich. Die Horn-Idee bereite vielmehr der Verdichtung des Ballungszentrums Rhein-Main durch die Schaffung einer Retortenstadt vor den Toren Sulzbachs inhaltlich den Weg. Die Erklärung schließt mit den Worten: „Aus den genannten Gründen begegnen wir Ihrem Bebauungsvorschlag mit entschiedener Ablehnung. Wir fordern Sie auf, dies zu berücksichtigen, und bitten um Stellungnahme.“

Nicht nur die Sulzbacher, auch die Bad Sodener ahnen, dass der Verkehr in ihrem Ort massiv zunehmen könnte. Sodens Bürgermeister Frank Blasch (CDU) warnt zudem vor „einer Trabantenstadt ohne Seele“, der es an gewachsenen sozialen Strukturen fehlt. Mögliche Neubaugebiete entlang der A 5 (nahe Eschborn) und rund ums MTZ, die große Flächen auffressen, mag er sich gar nicht vorstellen.

Blasch, auch Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion Main-Taunus, befürchtet „einen großen Siedlungsbrei“. Für Bad Soden sagt er, das Wachstum müsse „dosiert“ erfolgen und an Stellen, wo eine Bebauung sich sinnvoll einfüge.

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