Eberhard Gauf und sein Kunstwerk aus Sandstein, das er ?Mann und Frau im Zwiegespräch? genannnt hat.
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Eberhard Gauf und sein Kunstwerk aus Sandstein, das er ?Mann und Frau im Zwiegespräch? genannnt hat.

Sandsteinstelen am Heinrich-Kleber-Park

Künstlerischer Appell zur Toleranz

  • VonWalter Mirwald
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Der Architekt und Künstler Eberhard Gauf hat der Gemeinde die Sandsteinstelen „Mann und Frau im Zwiegespräch“ zur Verfügung gestellt. Er macht sich für mehr Kunst im öffentlichen Raum stark.

Die beiden Sandsteinstelen „Mann und Frau im Zwiegespräch“ am Eingang zum Heinrich-Kleber-Park neben dem Rathaus symbolisieren die Bedeutung der Kommunikation in unserer Gesellschaft. Dabei handelt es sich um eine unbefristete Leihgabe des Sulzbacher Künstlers und Architekten Eberhard Gauf, dem die Förderung der Kunst in Sulzbach eine Herzensangelegenheit ist.

Der 68 Jahre alte gebürtige Neuenhainer, der seit vier Jahrzehnten im Beruf ist und etliche Bauprojekte in der Region auf den Weg gebracht hat, war immer bestrebt, die künstlerische Komponente in den Beruf des Architekten mit einzubeziehen.

Die Sandsteinsäulen, aus denen die Figuren „Mann und Frau im Zwiegespräch“ erarbeitet wurden, standen mehr als 100 Jahre in einem Haus in Bad Soden, das Eberhard Gauf renoviert hat, sie dienten als Umrahmung eines Fensters. „Die konnten niemals mit einander kommunizieren“, sagt der Künstler, der dann inspiriert von einem Gemälde des Österreichers Ernst Fuchs, Mitbegründer der Wiener Schule des „Phantastischen Realismus“, aus den zwei Meter hohen und 16 mal 16 Zentimeter breiten Säulen ein Kunstwerk herausarbeitete, das beide Geschlechter repräsentiert.

Dabei arbeitete er mit einem Holzfäustel ohne Hilfe eines Bohrers. Eberhard Gauf benötigte etwa ein Vierteljahr für dieses Projekt. Der Architekt und Künstler gestaltete die beiden Stelen in einem fließenden Parallelprozess und verfuhr nicht nach dem Motto „erst ein Baustein, dann der nächste“.

Die Figuren standen zunächst im Garten der Familie Gauf in der Haingrabenstraße, bis bei einem Gespräch mit dem Leiter des Bereichs Planen und Bauen im Rathaus, Winfried Pohl, die Idee entstand, das Kunstwerk an einem öffentlichen Platz aufzustellen. Für die Form und die Gesichter hatte Eberhard Gauf keine Vorgabe. „Das ergibt sich beim Bearbeiten“, sagt der Künstler.

Gauf verknüpft mit seinem „Zwiegespräch“ eine Botschaft: „Keine Sulzbach-Spezifische, sondern eine Universelle.“ Ihm geht es darum, „die Notwendigkeit bildlich darzustellen, mit der im Zuge der Flüchtlingsintegration entstehenden neuen Bevölkerung vorurteilsfrei zu kommunizieren und den bei uns Zuflucht Suchenden generell offen zu begegnen“.

Eberhard Gauf war in seiner beruflichen Laufbahn immer Architekt und Künstler zugleich. Begleitet zum Architekturstudium besuchte er die Städelschule, die staatliche Hochschule für Bildende Kunst in Frankfurt, zu der er bis heute Kontakt hält. Er widmete sich der Aquarell- und Ölmalerei, erteilte Unterricht und ist seit einigen Jahren in der Kunstakademie Bad Reichenhall kreativ. Dort hat er sich zum Beispiel an dem Ernst Fuchs-Gemälde „Moses vor dem brennenden Dornbusch“ mit Erfolg versucht. Aus seiner Feder stammen auch Karikaturen, die in Zeitschriften veröffentlicht werden.

„Durch die Computertechnik, die in der Baukunst und Architektur Einzug gehalten hat, gehen die Fähigkeiten eines kreativen Zeichnen und Malens immer mehr verloren“, beklagt Gauf, der mit seiner Frau Erika seit 2001 in Sulzbach wohnt. Die beiden erwachsenen Söhne sind längst aus dem Haus.

Bis heute fährt Eberhard Gauf den zweispurigen Kurs mit Kunst und Architektur. In wenigen Wochen wird in der Hauptstraße 50 in Sulzbach ein Haus abgerissen, und an der Stelle entsteht ein Bauobjekt mit fünf Wohneinheiten und einer Tiefgarage – geplant von Eberhard Gauf.

Gauf, der im nächsten Jahr in Sulzbach seine Werke ausstellen will, macht sich für mehr Kunst in der Gemeinde stark. Er erinnert daran, dass beispielsweise in Eschborn-Niederhöchstadt mit dem Skulpturenpark Kunst im öffentlichen Raum geboten wird. Sein Ziel ist, „mit kreativen Leuten in unserer Gemeinde Weiteres zu gestalten“. Sein großer Wunsch ist, eine Räumlichkeit zu finden, in der sich kreative Kräfte treffen und ihre künstlerischen Visionen erarbeiten können – egal ob es Malerei oder Bildhauerei ist. Allerdings: „Die Benutzung einer solchen Kunsthalle, in der beim Werkeln auch mal Lärm entstehen kann, darf nichts kosten.“

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