+
Der Sulzbacher Freizeitläufer Rolf Bär (73) kennt den Eichwald in- und auswendig. Seit 1960 ist dort seine Trainingsstrecke. ?Mister Eichwald? ist auf die neuen Wegweiser nicht angewiesen. Aber Ortsfremde oder Leute, die dort zum ersten Mal Sport treiben, können sich über eine lückenlose Kennzeichnung freuen. So können sie sich besser auf ihr Training konzentrieren.

Fitness

Läufer Rolf Bär hat zwischen Bad Soden und Sulzbach 130.000 Kilometer zurückgelegt

  • schließen

Erholungssuchende mögen dieses Gebiet: Auch bei Sportlern ist der Eichwald beliebt. Jogger dürfen sich freuen, dass die Rundstrecke wieder lückenlos ausgeschildert ist.

Ritsch. Klack. Klack. Ratsch. Klack. Klack. Klack. Wer dieser Tage im Eichwald Sport treibt, spazieren geht oder den Hund Gassi führt, hört die seltsamen Geräusche und stellt fest: Es rieselt reife Eicheln. An manchen Stellen prasselt schon mal ein Dutzend der Früchte auf einmal zu Boden. Wer nicht aufpasst, bekommt eine Ladung ab. Die eiförmigen Eicheln sind allenfalls zwei bis drei Zentimeter lang und nicht sehr schwer. Landen die Nussfrüchte, die an einer Seite von einer Kappe umschlossen sind, am Kopf, tut’s nicht sonderlich weh. „Stammgäste“ auf der Eichwald-Laufstrecke kennen dieses Naturphänomen, für das im September und Oktober eines jeden Jahres die Eichen verantwortlich zeichnen.

Die nun neu beschilderte Strecke ist knapp fünf Kilometer lang. Sie ist nahezu ebenerdig, führt zu 100 Prozent durch den Wald und ist unasphaltiert, aber die Wege sind befestigt. 30 weiße, etwa DIN A 4-große Hinweistafeln prangen an den Baumrinden oder an eigens aufgestellten Pfählen, um den Läufern den richtigen Weg zu weisen. Rote Pfeile markieren die Richtung. Gerade im Sommer, wenn es sehr heiß ist und die Sonne erbarmungslos sticht, ist es angenehm, die ausnahmslos schattige Strecke zu bewältigen. Auch jetzt im Herbst ist zu sehen, wie die Sonne nur an wenigen Stellen zum laubbedeckten Waldboden durchdringt.

Ein Mann, der jede Weggabelung, jede Biegung, fast jeden Baum und sehr viele Erholungssuchende in dem Gebiet kennt, ist der 73 Jahre alte Rolf Bär. Der Eichwald-Rundkurs zwischen Bad Soden und Sulzbach ist seit Anfang der 1960er Jahre seine Heimat- und Trainingsstrecke. Der ehemalige Marathonläufer (Bestzeit: 2 Stunden und 43 Minuten) überschlägt und sagt: „Ich habe dort etwa 130 000 Kilometer absolviert.“ Eine 13 mit vier Nullen dran? Das ist korrekt. Wenn jemand den Namen „Mister Eichwald“ verdient, dann ist es also Rolf Bär, der in Sulzbach bekannt ist wie ein bunter Hund und dort Ortsgerichtsvorsteher ist.

Laufen ist aus seiner Sicht eine gute Medizin. „Mein Herz ist top, die Blutwerte sind top“, erzählt er und schiebt hinterher: „Ich habe nie geraucht und trinke seit 1970 keinen Alkohol.“ Halt! Rolf Bär will nicht schummeln und ergänzt rasch: „Doch, an Silvester stoße ich mit einem halben Glas Sekt an.“ Ein halbes Glas Sekt pro Jahr? Wenn’s weiter nichts ist: wunderbar, vorbildlich.

An den vor 19 Jahren installierten Hinweisschildern, die bisher hingen, nagten Wind und Wetter. Teilweise, beklagt Rolf Bär, wurden sie „abgerissen oder besprüht“. Bekanntermaßen ist vor idiotischen Vandalen nichts sicher. Die neuen Schilder, die der Frankfurter Energieversorger Mainova für rund 2500 Euro spendiert hat, sind gut erkennbar. Es sind ein paar mehr als zuvor. Zur besseren Orientierung sind die 1000-, die 2000-, die 3000- und die 4000-Meter-Marke hervorgehoben. Die Mehrzahl der neuen Schilder ist in gut 2 Meter Höhe angebracht, auch um sie besser vor Sachbeschädigung zu schützen. Die Beschilderung ist narrensicher. Vorsicht ist nur am Wendepunkt auf der nördlichen Seite geboten, wo ein Schild nach links weist, aber geradeaus meint (rechts an der Bank vorbei und Richtung Kronberger Straße zurück).

Sodens Bürgermeister Frank Blasch, sein Sulzbacher Kollege Elmar Bociek und Mainova-Vorstandschef Constantin H. Alsheimer gaben die alte Strecke mit den neuen Schildern vor wenigen Tagen symbolisch frei. Rolf Bär war ebenfalls dabei.

Er sagt, er sei „nicht gut auf Hunde zu sprechen“. Er sei zweimal in 58 Jahren, die er im Eichwald läuft, von Vierbeinern gebissen worden. Sportler müssen auch damit rechnen, Rehen, Füchsen oder Wildschweinen zu begegnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare