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Ludwig Götz an der Mendelssohn-Bartholdy-Schule in den Ruhestand verabschiedet

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Ludwig Götz ist ein Lehrer-Typ, der aneckte und zugleich begeisterte. Nach 34 Jahren verlässt der Diplom-Pädagoge mit dem unverkennbaren, früher blonden, zuletzt leicht ergrauten Zopf die Mendelssohn-Bartholdy-Schule und geht in den Ruhestand, der für ihn von der musikalischen Arbeit geprägt sein wird.

„Ich höre nach 34 Jahren auf, weil ich mit 65 Jahren und sechs Monaten aufhören muss“, sagt das langjährige Mitglied der Schulleitung der Mendelssohn-Bartholdy-Schule (MBS) wehmütig“, als er in seinem Büro die vielen Dinge wegpackt, die sich im Lauf der Jahrzehnte angesammelt haben. Drei Gitarren hängen noch an der Wand, die Bilder sind schon abgehängt. Es herrscht eine Mischung von Abschiedsschmerz und Aufbruch-Stimmung. Der in Frankfurt-Bonames wohnende Vollblut-Musiker will jetzt seinen Keller wieder zu einem Musikkeller mit einem kleinen Tonstudio ausbauen.

An der Tür des Büros von Ludwig Götz in der Schule steht „Zweig–leiter Haupt- und Realschule“. „Offiziell heißt es in den Papieren ,Rektor mit Beauftragung zur Wahrnehmung von Schulleitungsaufgaben’“, sagt Götz, der ursprünglich gerne in einer Arbeitslosen-Selbsthilfe-Schule tätig sein wollte. Er begann – wie er sagt – „1984 in Sulzbach mit der komischen Stelle in einem Hauptschul-Sonder-Programm Musik“.

Götz, der davor sieben Jahre Taxi fuhr und vier Jahre von der Musik gelebt hat – „fast 30 Saxophon-Schüler“ – , beschreibt die 34 Jahre in zwei Etappen: „Zunächst war ich ein sehr engagierter und kritischer Personalratsmensch.“ Mit dem verstorbenen damaligen Schulleiter Herbert Schönhaar habe er sich einige verbale Gefechte geliefert. „Als Schönhaar nach so manchem deftigen Krach in den Ruhestand ging, haben wir uns aber gut verstanden. Er hat mein Engagement wohl doch gewürdigt“, sagt der verheiratete Vater einer 25 Jahre alten Tochter, der seit einem Jahr Opa ist, beim Blick zurück.

In der zweiten Etappe trat Götz zunächst kommissarisch in die Schulleitung ein und war nach dem Weggang von Reinhard Birkert für den Bereich Ganztagsgsschule zuständig. Schwerpunkt waren für ihn die Fächer Politik und Musik, seit 2004 unterrichtete er auch Deutsch.

Götz hatte sich mehrfach für andere Stellen beworben, ist aber doch immer in Sulzbach geblieben. Der Pädagoge, der nie einen Terminkalender brauchte und alles Wichtige im Kopf behält, hat bleibende Erinnerungen an die Schule und kann das Prädikat mitnehmen, dass er viele Jahre lang einer der beliebtesten, wenn nicht gar der beliebteste Lehrer für die Schüler war. „Ich hatte einen anderen pädagogischen Ansatz als andere Lehrer, das war nicht immer einfach“, sagt Götz, der betont: „Mein Ziel war stets, dafür zu sorgen, dass die Schüler im Leben weiterkommen.“

Götz, der aus Ober-Mockstadt bei Büdingen stammt („Dort wo man das R rollt“) und in Frankfurt studiert hat, freut, wenn er zum Beispiel in seiner Stammkneipe „Adlerhorst“ in Bad Soden Schüler trifft, die fröhlich auf ihn zukommen und sagen: „Kennst Du mich noch?“

Götz, der auch 19 Jahre Vertrauenslehrer war und in der Sucht- und Drogenprävention mitarbeitete, wurde – wie es Beobachter sagen – „mit einem rauschenden, ja emotionalen Fest in den Ruhestand geschickt“. „Die Reden waren mir fast zu viel. Ich habe gar nichts gesagt und mich mit einem Solo am Klavier verabschiedet.“

Abschied für immer von der Schule? „Im Grunde ja, aber beim Skikurs in Neukirchen am Großvenediger werde ich wieder dabei sein.“ Der Mann mit dem Zopf erzählt, dass er erst mit 57 Jahren das Skifahren gelernt und sich gleich zwei Rippen gebrochen hat. Aber das hat der Begeisterung keinen Abbruch getan. Als Betreuer macht er gerne weiter mit. Zwinkernd sagt er: „Als Skilehrer tauge ich nicht, aber ich fahre die Schüler im Notfall zum Arzt.“

(wm)

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