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Matthias Brandt soll neuer Vorsteher werden

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Von: Walter Mirwald

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Odo Klais (rechts) hat sein Amt als Vorsteher der Gemeindevertretung niedergelegt. Er lebt nun in Kronberg. Matthias Brandt soll sein Nachfolger werden.
Odo Klais (rechts) hat sein Amt als Vorsteher der Gemeindevertretung niedergelegt. Er lebt nun in Kronberg. Matthias Brandt soll sein Nachfolger werden. © Schöffel

Die CDU nominiert ihren Fraktionschef für die Nachfolge von Odo Klais. Die Wahl nächste Woche birgt Zündstoff.

Sulzbach - Weg ist er. Odo Klais, CDU-Urgestein und Vordenker der Sulzbacher Christdemokraten, wurde am 2. Dezember des vergangenen Jahres aus seinem Amt als Vorsitzender der Gemeindevertretung verabschiedet. Der Kommunalpolitiker, der seit 2016 ein umsichtiger und stets um Ausgleich bemühter Erster Bürger war, zog mit seiner Frau in ein Seniorenstift nach Kronberg-Oberhöchstadt. Er musste deshalb sein Amt niederlegen. Es ist ein guter Brauch, dass die stärkste Fraktion den Vorsteher in der Gemeindevertretung stellt. Das ist auch nach der Kommunalwahl 2021 die CDU, die 36,5 Prozent erreichte und 11 von 31 Mandaten innehat. Die Frage lautete: Wer übernimmt den Posten, der parteipolitische Neutralität, repräsentative Aufgaben und eine gewisse Souveränität verlangt?

Jetzt ist das Geheimnis gelüftet. Der bisherige CDU-Fraktionsvorsitzende Matthias Brandt (44) wurde von seiner Partei nominiert. Der Mittvierziger wird am Donnerstag, 17. Februar, in der öffentlichen Sitzung der Gemeindevertretung (19.30 Uhr, Eichwaldhalle) als Kandidat vorgeschlagen. Alle anderen Parteien, so teilt Matthias Brandt auf Anfrage mit, seien über diesen Vorschlag informiert worden und hätten zum Teil positive Rückmeldungen zur Unterstützung des Vorschlags gegeben.

Eine alte Rechnung ist noch offen

Der gebürtige Sulzbacher bringt allerbeste Voraussetzungen für dieses hohe Amt mit. Mit 44 Jahren ist er ein verhältnismäßig junger Mann, der seit 2006 politisch aktiv ist. Von 2006 bis 2011 wirkte er als ehrenamtlicher Beigeordneter im Gemeindevorstand mit. Seit 2011 führt er die CDU-Fraktion. Er ist eine gestandene Persönlichkeit, ein glänzender Rhetoriker mit fester Stimme, ein Mann mit Übersicht, Fachwissen und Erfahrung, die er auch im Vorstand der evangelischen Kirchengemeinde in einem anderen Bereich gesammelt hat. Dort ist er seit 1997 Mitglied und seit 2009 Vorsitzender.

Seine Wahl scheint sicher, aber er muss auch mit Gegenwind rechnen. Das weiß der Diplom- Wirtschaftsjurist, der in der Geschäftsführung der Hochtaunus-Kliniken arbeitet und zugleich Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft ist, am allerbesten: "Ich mache mir keine Illusionen darüber, dass ich einstimmig gewählt werde. Dafür habe ich mich in der Vergangenheit als Fraktionsvorsitzender mit zu vielen anlegen müssen/dürfen. Aber ich hoffe auf eine klare Mehrheit."

Mit den sieben Stimmen der Grünen und den zwei Stimmen der FDP kann Brandt vermutlich rechnen. Aber ausgerechnet hinter seiner Partei steht ein Fragezeichen, wie langjährige Beobachter mutmaßen. Ob er alle elf Stimmen seiner CDU-Fraktion bekommt, scheint nicht sicher zu sein. Eine Person ist möglicherweise verärgert und fühlte sich zuletzt manchmal übergangen. Die Freien Wähler mit ihren drei Gemeindevertretern sind immer schwierig einzuordnen.

Dann ist da noch die achtköpfige SPD-Fraktion. Die Genossen haben den 26. April 2012 nicht vergessen. Damals ging es in der Gemeindevertretung um die Nachfolge des plötzlich verstorbenen, seinerzeit allseits geschätzten und beliebten SPD-Strategen Günter Renneisen als Vorsitzender der Gemeindevertretung. Die SPD hatte die altgediente, mittlerweile verstorbene Finanzexpertin Elke Stadler vorgeschlagen. Matthias Brandt sagte in dieser Sitzung: "Wir hätten andere Vorschläge der SPD zu Hundertprozent mittragen können. Doch den jetzigen Vorschlag können wir leider nicht unterstützen." Deshalb - so Brandt damals weiter - habe sich die CDU darauf verständigt, jedem Mitglied der Fraktion die Möglichkeit zu geben, frei zu entscheiden. Elke Stadler erhielt 18 Ja-Stimmen bei 7 Nein-Stimmen und 4 Enthaltungen.

Union bekommt vorläufig Doppelspitze

Das war das schlechteste Ergebnis, seitdem Parlamentsvorsitzende in Sulzbach gewählt wurden. Der Stachel sitzt tief. Das hat die SPD mit ihren Repräsentanten bis heute nicht vergessen. Wie wird sie sich verhalten, wenn Brandt selbst zur Wahl steht?

Wie war die Lage im April 2016, als Odo Klais von der wiedererstarkten CDU zur Wahl stand? Klais wurde mit 20 Ja-Stimmen, 8 Nein-Stimmen und 3 Enthaltungen bei geheimer Wahl auf den Thron gehoben. Damals wurde spekuliert, dass die SPD mit ihren acht Stimmen gegen Klais votierte und die drei Enthaltungen von den Grünen kamen. Die Grünen waren zu dieser Zeit sehr irritiert darüber, dass Odo Klais die Bürgerinitiative unterstützte, die den Standort Kelkheimer Straße für die zweite große Flüchtlingsunterkunft verhindern wollte.

Die Gemeindevertretersitzung am 17. Februar wird Matthias Brandt bis zur anstehenden Wahl des Vorsitzenden leiten. Wie kann das sein, wenn er noch gar nicht gewählt ist? Die Antwort: Matthias Brandt ist einer der Stellvertreter von Odo Klais. Der Einsatz dieser Stellvertreter wird nach dem Alphabet geregelt. Da kommt Brandt zuerst dran. Wenn die Wahl ansteht, müsste Andreas Krasemann (SPD) übernehmen.

Im Fall der Wahl von Brandt wird das Amt des CDU-Fraktionschefs frei. Matthias Brandt teilte auf Nachfrage des Kreisblatts mit: "Meine beiden Stellvertreter Dieter Geiß und Stefan Uhrig bilden erst mal eine gleichberechtigte Interimsführung."

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