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Nele Neuhaus hat Blut geleckt

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Von: Michelle Spillner

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Die Romane von Nele Neuhaus zu lesen, ist das eine. Ihr Verfilmungen zu sehen, ist das nächste. Aber Neuhaus-Krimi-Verfilmungen auf großer Leinwand zu sehen – das ist etwas ganz anderes. Am Dienstag durften ausgewählte Gäste in einer Premiere im Kinopolis Sulzbach vorab die Verfilmung von „Wer Wind sät“ sehen, die am kommenden Montag im ZDF läuft.

„Daumen hoch“, sagt Nele Neuhaus am Rande der Autogrammstunde im Kinopolis auf die Frage, wie ihr die filmische Version ihres Romans gefällt, und sie sieht dabei ziemlich glücklich aus – sie, die auch schon gesagt hat, wenn sie Verfilmungen ihrer Krimis für misslungen hielt. Glücklich schien sie zum einen, weil wesentlich mehr Besucher zur Premiere kamen als erwartet. Eigentlich sollte „Wer Wind sät“ im Kino 10 mit etwa 400 Plätzen laufen. Aufgrund des großen Andrangs wurde die Vorstellung in das größte Kino des Kinopolis verlegt und der kleine rote Teppich vor Kino 1 mit 700 Plätzen ausgerollt. „Ich muss sagen, ich bin schweinestolz, dass dieser Saal so voll ist, alles Taunuskrimifans“, platzte es bei der Begrüßung aus der Produzentin Annette Reeker heraus. Und so kam es, dass Felicitas Woll und Tim Bergmann in den Hauptrollen des Ermittlerduos Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein so groß zu sehen waren wie noch nie, nämlich auf einer 23 mal zehn Meter großen Leinwand. Und das verstärkte das Leuchten im Gesicht der Buchautorin Nele Neuhaus, denn die hat jetzt Blut geleckt: „Ich muss sagen, nachdem ich das gesehen habe: Kino ist doch etwas ganz anderes. Ich denke, jetzt sollte man alle Energie reinstecken, dass die übernächste Verfilmung ein Kinofilm wird“, sprach sie zum Publikum. Im Gespräch mit dem HK ergänzte sie: „Das hat mich sehr berührt, die Kamerafahrten über den Taunus, man sieht viel mehr Details und ist viel mehr im Film drin“, schwärmte die Schriftstellerin.

Die Idee eines Nele-Neuhaus-Kinofilms ist so gänzlich utopisch nicht. Immerhin wird die nächste ZDF-Verfilmung, an der schon gearbeitet wird, ein Zweiteiler werden. „Böser Wolf“ bekommt also zwei Mal 90 Minuten Sendezeit. Das zeige ja, dass das ZDF durchaus bereit sein, dem mehr Raum zu geben, so Regisseur Marcus Rosenmüller. Letztlich sei ein Kinofilm eine Frage des Geldes, ob man einen Sponsor finde und einen Verleiher.

Schlauer Rabe

Dieses Mal aber noch flimmerte ein Nele-Film über die Riesenleinwand, der für die Fernsehausstrahlung produziert wurde. Darauf wies die Produzentin ausdrücklich hin und entschuldigte sich für die Tonqualität. Aber niemand störte sich daran. Ganz Gegenteil: Gerade die ersten Bilder von „Wer Wind sät“ wirken wie fürs Kino gemacht: Der Flug eines Raben über den Taunus und den großen Feldberg – zum einen aus der Vogelsperspektive, zu anderen folgt die Kamera dem Vogel. Wie das denn gemacht wurde, wollten die Zuschauer wissen. Dass digitale Technik im Spiel war, konnte man sich denken. Aber es gab auch einen echten Raben am Set. Schauspieler Edgar M. Böhlke erzählte: „Ich habe in einer Pause mit dem Tiertrainer gesprochen und erfahren, dass der Rabe die Intelligenz einer dreijährigen Kindes hat.“ Rosenmüller fügte an: „Aber das kann nicht fliegen.“

Die Geschichte um einen Windkraftanlagenbauer, die Bürgeriniative gegen Windräder und zwei mysteriöse Morde spielt im Vordertaunus, in Kelkheim, Hofheim und Kronberg, und dort wurde auch gedreht. Die Komparsen wurden ebenfalls aus der Gegend rekrutiert, saßen jetzt im Publikum und entdeckten sich, unter anderem in der tumultartigen Wirtshausszene.

„Ich weiß jetzt schon, dass einige Nele-Fans sagen werden: Aber das ist anders als in dem Buch“, hatte die Produzentin dem Film vorweg geschickt. Beispielsweise werden in der Verfilmung internationale Verstrickungen ausgeklammert, wie der Regisseur im Gespräch mit dem HK erklärte: „Für einen Taunuskrimi würde das zu weit gehen. Das wäre ein Erzählstrang zuviel“, so Rosenmüller, und er fügt an. „Die komplexen Figuren- und Erzählstruktur von Nele Neuhaus unter einen Hut zu bekommen, ist gar nicht so einfach – das meine ich als Kompliment.“ Offenbar haben er und die Drehbuchautorin Anna Tebbe den Nagel auf den Kopf getroffen. Nele Neuhaus ist zufrieden. Sie durfte sich allerdings auch in den Film einmischen, das Drehbuch lesen und ihren Senf dazu geben. „Wenn man sich ein bisschen von seinem Roman verabschiedet und weiß, dass man sich im Fernsehen von ein paar Dingen verabschieden muss, dann: Toll!“ Für Nele Neuhaus und das Filmteam, unter anderem mit den Schauspielern Felicitas Woll, Edgar M. Böhlke, Kai Scheve, dem Regisseur Rosenmüller und der Produzentin gab es am Dienstag ordentlich Applaus. Am Montag wird sich zeigen, ob „Wer Wind sät“ den Quotenrekord von „Schneewittchen muss sterben“ mit 19,7 Prozent Marktanteil noch toppen wird.

„Wer Wind sät“ ist am Montag, 4. Mai, 20.15 Uhr im ZDF zu sehen.

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