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Marion Kral aus Mengerskirchen im Westerwald verkauft an ihrem Stand Stollen. Hier bedient sie gerade die Kundin Ellen Happ.

Main-Taunus-Zentrum

"Die Treue der Kunden ist gut für die Psyche"

  • vonWalter Mirwald
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Schutz der Menschen geht vor: Schausteller und Ladenbesitzer sind froh, dass überhaupt Betrieb herrscht.

Sulzbach -Gemütlicher vorweihnachtlicher Einkaufsbummel, am Glühweinstand mit Bekannten plaudern oder die leckeren Kartoffelpuffer genießen - das war über Jahrzehnte der idyllische Alltag in der Adventszeit im Main-Taunus-Einkaufszentrum. In diesem Jahr ist wegen der Corona-Pandemie alles anders. Maskenpflicht, gekennzeichnete Wege, um die vorgeschriebenen Abstandsregeln einzuhalten, Schlange stehen vor einigen Geschäften, weil die Zahl der Kunden in den Läden begrenzt ist. Von gemütlicher vorweihnachtlicher Atmosphäre kann da keine Rede sein.

"In diesen Tagen steht im MTZ alles unter der Überschrift Schutz für die Menschen, die in den Ladenstraßen und in den Geschäften unterwegs sind", sagt Center-Manager Daniel Quaas, der im Januar die Nachfolge von Matthias Borutta angetreten hat und schon nach wenigen Wochen zum Krisenmanager werden musste.

Quaas berichtet, dass zum Beispiel auf den großen Weihnachtsbaum in der Markthalle verzichtet wurde und auch an anderen Stellen der Weihnachtsschmuck nicht so üppig strahlt, wie in normalen Zeiten. Auch für die Adventsbuden wurde 30 Prozent weniger Fläche vermietet als sonst üblich. Der Grund: "Wir müssen für die Kunden mehr Raum zum Laufen zur Verfügung stellen."

Sitzgelegenheiten abgesperrt

Zu den Sicherheitsvorkehrungen gehört neben der Maskenpflicht im gesamten MTZ auch das Verzehrverbot. Weil das nicht beachtet wurde und immer wieder Leute auf Bänken saßen und ihren Imbiss verzehrten, wurden gestern sämtliche Sitzgelegenheiten abgesperrt. "Das sind schmerzhafte Maßnahmen, gerade für ältere Menschen, die sich einmal setzen wollen, aber die Sicherheit muss im Fokus stehen", sagt Quaas.

In normalen Zeiten strömen täglich nahezu 37 000 Menschen in das Main-Taunus-Zentrum. Davon können die Geschäftsleute heuer nur träumen. Es herrscht zwar Betrieb, aber von Menschenmassen kann keine Rede sein. "Natürlich sind weniger Besucher da, aber die Lage ist zum Glück nicht extrem schlecht", sagt Daniel Quaas, der besonders mit dem Zulauf um den Black Friday zufrieden war. "Ideal war, dass die Geschäftsleute nicht nur den Black Friday bewarben, sondern die Black Week. Dadurch wurde der Ansturm auf mehrere Tage verteilt, und das hat gut geklappt." Quaas sagt, er könne derzeit den Rückgang des Kundenbesuchs und die Einbußen in Zahlen nicht sagen. Dafür sei es jetzt einfach noch zu früh.

In den Geschäften hält sich derzeit der Kundenansturm in Grenzen. Schlange stehen die Leute allerdings vor Serviceläden wie dem Apple Store und dem Telekom-Shop. Zufrieden mit dem Geschäft ist Marion Kral, die seit 25 Jahren für das Unternehmen Concorde Christstollen aus Dresden verkauft. Viele Jahre betreute sie einen Stand auf der Frankfurter Zeil, erstmals ist sie in diesem Jahr im MTZ. "Manchmal ist wegen der Maskenpflicht die Stimmung etwas gereizt, aber das lasse ich nicht an mich herankommen", sagt Marion Kral. Wenn sie dann freundlich auf die Leute zugehe, würde sich deren Laune auch bessern, beobachtet die rüstige 70-Jährige.

Auf Abholservice umgestellt

Mit viel Personal besetzt ist der Kartoffelpufferstand vor der Galeria Kaufhof. Das Geschäft geht recht gut, auch wenn die Puffer nicht am Stand verzehrt werden dürfen und dem Kunden verpackt übergeben werden. "Besser als nichts. Ich bin froh, dass überhaupt etwas los ist, denn wir Schausteller erleben schwere Zeiten", sagt die Chefin Beatrix Kazmierowicz.

"Besser als nichts", ist auch die Aussage von Edoardo Terracin, dem Besitzer des Bistrorante Latina, der in Zeiten von Corona auf Abholservice umgestellt hat und dankbar ist, dass ihm viele langjährige Kunden die Treue halten. "Das rettet uns nicht, ist aber gut für die Psyche", konstatiert Terracuin, der seit 40 Jahren im MTZ ist, aber eine derartige Krise noch nie erlebt hat, wie er erklärt. Der Liederbacher Bernd Witzenrath vermisst den Aufenthalt in seinem Stammcafé an der Markthalle, läuft aber fast täglich zwei, drei Runden durch das MTZ, "um fit zu bleiben". Der frühere erfolgreiche Fußballtrainer freut sich auf den Aufenthalt in seiner Ferienwohnung in Obermaiselstein im Allgäu. Von dort aus wird er wieder zum Neujahrsskispringen nach Oberstdorf fahren, wo er seit vielen Jahren als Helfer eingesetzt ist.

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