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Drei Städte und Gemeinden sind unmittelbar vom möglichen Neubaugebiet betroffen: Sulzbach (46,4 Hektar), Frankfurt (18,9) und Liederbach (3,8).

Neubaugebiet

Regionalverband kämpft für die „MTZ-Stadt“

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Es hagelt Kritik von vielen Seiten. Aber die Führung des Regionalverbandes Frankfurt/Rhein-Main setzt ihre Planungen für ein Wohnquartier rund um das Main-Taunus-Einkaufszentrum (MTZ) fort. Sie versucht, Überzeugungsarbeit zu leisten.

Gemeinsam gehen sie’s an: Für ihre Idee, rund ums Sulzbacher Main-Taunus-Zentrum (MTZ) ein Neubaugebiet zu errichten, haben der Direktor des Regionalverbandes Frankfurt/Rhein-Main, Thomas Horn (CDU), und sein Erster Beigeordneter Rouven Kötter (SPD) einen wichtigen Verbündeten gewonnen. Beim MTZ-Betreiber ECE (Hamburg) treffen die beiden Politiker auf Wohlwollen.

Der Geschäftsführer der europäischen Marktführerin im Shopping-Center-Bereich, Dr. Andreas Mattner, teilt auf Anfrage dieser Zeitung mit: „Die weitere Einbindung des MTZ und die städtebauliche Integration halte ich für einen sinnvollen Gedanken. Auf diese Weise kann die Region weiter zusammenwachsen. Höchst und Sulzbach werden davon profitieren.“

Der frühere Kelkheimer Bürgermeister Thomas Horn, der seit März 2018 an der Spitze des Regionalverbandes steht, und seine Mitstreiter werden sich über das positive Votum aus der Hansestadt freuen. Aber in der Rhein-Main-Region, speziell im Main-Taunus-Kreis, gibt es starke Kritik an dem Vorhaben, auf Flächen von Sulzbach (46,4 Hektar), Frankfurt (18,9) und Liederbach (3,8) zu bauen.

Der Regionalverband sucht jetzt Gespräche, um Überzeugungsarbeit zu leisten. So besuchte Thomas Horn am 5. September das Sulzbacher Rathaus zu einem Gedankenaustausch mit Bürgermeister Elmar Bociek und dem Ersten Beigeordneten Hans-Jürgen Wieczorek (beide CDU). Bociek: „Gebracht hat das Gespräch, das gegenseitige Verständnis zu erhöhen.“

Das Sulzbacher Gemeindeparlament hatte sich – wie berichtet – einstimmig gegen eine Trabantenstadt rund um das MTZ ausgesprochen und am 13. Juni dieses Jahres eine entsprechende Resolution an den Regionalverband geschickt. Der Verband antwortete am 13. September auf die Stellungnahme der Sulzbacher Gemeindevertretung. Zuvor hatte es bereits den Gedankenaustausch im Sulzbacher Rathaus gegeben.

In dem von Thomas Horn und Rouven Kötter unterzeichneten Schreiben versichert der Regionalverband, dass er das kommunale Selbstverwaltungsrecht „als ein sehr hohes Gut wahrt“ und seine Aufgabe darin sieht, „Fragen von überörtlicher Bedeutung im Sinne seiner Mitgliedskommunen zu lösen“. Dabei verstehe er sich auch als Impulsgeber für die regionale Entwicklung und die kommunale Zusammenarbeit. In dem Schreiben an die Gemeinde Sulzbach wird deutlich, dass die aufsehenerregenden Pläne keineswegs aufgegeben werden, denn es heißt: „Der Regionalverband wird seine Planungen, wie die für das MTZ-Quartier, in enger Abstimmung mit den Gemeinden entwickeln, auf deren Gebiet die Flächen liegen.“

Weiter heißt es, dass der Regionalverband die Planungshoheit der Gemeinden für die Erstellung der Bebauungspläne, für Umlegungs- oder Erschließungsmaßnahmen sowie für die Durchführung einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme respektieren werde. Horn und Kötter schreiben, dass der Regionalverband mit seinen Gemeinden „die dringende Aufgabe“ habe, den Wohnungsbau zu intensivieren, um für die steigende Bevölkerungszahl ausreichenden Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Eine große Potenzialfläche sieht der Planungsverband in der Nachbarschaft des Main-Taunus-Zentrums, nur zehn Kilometer von der Messe Frankfurt entfernt. Das Büro Albert Speer & Partner ist der Ansicht, dass das Gelände an den Schienennahverkehr sehr gut angebunden werden könne.

Aus dem 1964 eröffneten MTZ habe sich in den vergangenen Jahrzehnten ein Standort entwickelt, der neben 170 Geschäften auch ein Ärztehaus, ein Kino und auch ein Hotel umfasst. Hier sei so etwas wie eine Innenstadt auf der grünen Wiese entstanden, die täglich rund 37 000 Menschen aus der Region besuchen und in der jährlich Waren und Dienstleistungen in einem Wert von 400 Millionen Euro umgesetzt werden.

Es wird zudem darauf hingewiesen, dass die umliegenden Orte Liederbach, Sulzbach, Schwalbach und Eschborn einen Arbeitsplatzschwerpunkt der Region bilden mit fast genau so vielen Beschäftigten wie Einwohnern (zwischen 50 000 und 54 000).

Die Wohnbebauung in der Nachbarschaft des MTZ wäre nach Angaben des Regionalverbandes „in eine Standortentwicklung eingebunden“, die das Ziel verfolgt, das „faktische Innenstadt-Zentrum“ zu einem „lebendigen Stadtquartier zu entwickeln“. Zu beachten sei, dass

  die Ziele des „Gemeindeentwicklungskonzeptes Sulzbach 2030“ Berücksichtigung finden;

  die gewachsene dörfliche Struktur von Sulzbach erhalten bleibt;

  attraktive Grün- und Landschaftsräume zwischen Sulzbach und den Neubauflächen liegen, die den Zugang zur Landschaft bewahren und aufwerten;

  neue bedarfsdeckende Schulen und Kindertagesstätten frühzeitig entstehen;

  die Belastungen durch den regionalen Verkehr auf der B8 für Sulzbach abnehmen;

  der Standort durch Schulen und Freizeiteinrichtungen eine zusätzliche Aufwertung erfährt und der Wohnungsbau nicht zu hoch und nicht zu dicht geplant wird.

Thomas Horn und Rouven Kötter bieten an, in den Sulzbacher Gemeindevorstand zu kommen, um die ersten Planungen „frühzeitig vorzustellen und Ideen zu diskutieren“. Wie all die Vorstellungen des Regionalverbands in Einklang zu bringen sein sollen mit dem massiven Widerstand, vor allem aus Sulzbach und vonseiten der Umweltverbände (siehe rechts), erschließt sich aber nicht. Mit weiteren Kontroversen ist zu rechnen.

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