Kinder auf einem Ziegelfeld, auf dem sie arbeiten müssen.
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Kinder auf einem Ziegelfeld, auf dem sie arbeiten müssen.

Entwicklungshilfe

Schule für Kinder christlicher Sklavenarbeiter

  • VonWalter Mirwald
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Himmelsperlen haben in Pakistan ein Schulzentrum aufgebaut. Wer die Arbeit unterstützen möchte: Spenden sind willkommen.

Sulzbach -In Pakistan mit seiner schnell wachsenden Bevölkerung mit über 200 Millionen Menschen sind die meisten davon Muslime. Nur etwa vier Millionen Menschen sind Christen. Diese sind in der Regel ungebildet und arbeiten deshalb ihr Leben lang als Arbeitssklaven. Der größte Teil, darunter auch die Kinder, in Ziegelfabriken.

Diese Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens zu Hause sind, werden seit 2017 von der Hilfsorganisation Himmelsperlen international, die in der Sulzbacher Hauptstraße ihren Sitz hat, unterstützt. Die Initiatorin, die Pastorin im Ruhestand, Margret Meier, hat mit den Himmelsperlen am Rande der Stadt Lahore ein Schulzentrum gegründet. Die Schüler kommen alle aus Familien christlicher Sklavenarbeiter.

Margret Meier, die jüngst mit einem fünfköpfigen Team, bestehend aus Lehrern, Krankenschwestern und einem IT-Experten Lahore besuchte, sagt: "Unser Konzept mit einem dreijährigen Kindergarten und zehn Schuljahren ist eine Antwort auf die ausweglose Situation dieser Kinder."

Die deutsche Delegation organisierte bei ihrem neuntägigen Aufenthalt in dem pakistanischen Bildungszentrum eine Frauenkonferenz und einen Sonntagsgottesdienst in der Emmanuel Church und besuchte die Menschen bei ihrer Arbeit auf den Ziegelfeldern. "Das vorrangige Ziel war, die Frauen in ihrem Selbstbewusstsein und in ihrem christlichen Glauben zu stärken", sagt Margret Meier, die in Kelkheim wohnt und 41 Jahre lang bis zum Ruhestand für etliche kirchliche Einrichtungen arbeitete.

Die Chefin der Organisation Himmelsperlen berichtet, dass die Frauen in Pakistan, nicht nur die Christen, einen schweren Stand haben: "Sie werden von ihren Arbeitgebern geschlagen, missbraucht und gedemütigt und haben kaum Bildungsmöglichkeiten. Mit der Gründung unserer Schule bieten sich Chancen zu einer Verbesserung der Situation."

Rollstuhl für einen gelähmten Jungen

Margret Meier berichtet von ergreifenden Szenen nach dem Ende der Frauenkonferenz: "Viele Menschen, darunter etliche kranke Erwachsene und Kinder, kamen vor die Bühne und baten, für sie zu beten." Zwei Männer - so Margret Meier weiter - haben einen gelähmten Jungen hereingetragen, der nur auf allen Vieren krabbeln konnte: "Ein Bild des Elends. Zwei Stunden später hatten wir einen Rollstuhl gekauft und bezahlt, und der Junge war glücklich, dass er sich darin fortbewegen konnte."

Bei dem Gottesdienst unter freiem Himmel, bei dem 400 Besucher meist auf der Erde saßen, predigte Margret Meier in englischer Sprache. Die Predigt wurde in die Landessprache Urdu übersetzt. Die Theologin hofft, dass bald an jedem Sonntag ein Gottesdienst stattfinden kann: "Die Menschen sind geistig hungrig und brauchen dringend einen Pastor, den wir anstellen wollen."

Bei einem großen Empfang in dem Bildungszentrum "School of Grace" mit 70 Kindern im Kindergarten und 230 Schülern in der Hochschule, wurden sechs Zehntklässler befragt, was sie nach der Schulzeit machen wollen. Margret Meier: "Die Antworten lauteten Polizist, Lehrer, Ingenieur. Wir motivieren diese jungen Christen, die alle von den Ziegelfeldern kommen, auch dazu, eine Universität zu besuchen."

Neu eingerichtet wurde eine Alphabetisierungsklasse für Erwachsene, die von zwei Lehrern mit einer entsprechenden Erfahrung geleitet wird. Margret Meier: "20 Erwachsene sind sofort gekommen, mit der Motivation, wie ihre Kinder zumindest Lesen zu lernen."

Kinderarbeit nach dem Unterricht

Dieser erfolgreiche Start wurde allerdings gestört, weil sich Anfang April das Coronavirus ausbreitete. Alle Schulen wurden geschlossen. Die Regierung verordnete einen Lockdown. Deshalb haben die Himmelsperlen ab Mitte April einen medizinischen Dienst mit einem Arzt und einer Krankenschwester finanziert. 400 Menschen wurden untersucht, 200 waren durch das Coronavirus infiziert.

Die deutsche Delegation mit Margret Meier besuchte auch die Menschen bei ihrer Arbeit auf den Ziegelfeldern und informierte sich über die Unterbringungen. Die Erkenntnisse sind erschreckend: "Nach der Schule ab 14 Uhr müssen auch die Kinder arbeiten. Sie drehen die Ziegel, die aus Lehm, Sand und Wasser hergestellt und in eine Form gebracht werden, immer wieder um, damit sie von der Sonne getrocknet werden."

Gras vom Straßenrand für die Suppe

Geschockt war die deutsche Delegation von der Armut der Menschen, die am Straßenrand Gras pflücken, um sich damit eine Suppe zu kochen und oft nicht wissen, was sie am nächsten Tag essen sollen. "Wir haben einige Familien unterstützt", sagt Margret Meier. Zum Beispiel die Familie Aslam. Dem gelähmten Gemüseverkäufer, der Frau und vier Kinder hat, wurde ein dreirädriges Gefährt mit einer Ladefläche gekauft, damit er seine Waren zum Markt fahren kann.

Der Familie Naeem mit sieben Kindern, eines davon schwerstbehindert, wurde ein Startgeld gegeben, damit der Vater einen Friseurladen eröffnen kann.

Margret Meier weiß, dass das oft nur der Tropfen auf dem heißen Stein ist, will mit ihrem Team aber weiter Geld sammeln für die Himmelsperlen, die auch in Syrien und im Libanon Projekte unterstützen.

Das Spendenkonto der Himmelsperlen bei der SKB Bad Homburg hat die IBAN DE92 5009 2100 0001 7228 08.

Margret Meier bei der Frauenkonferenz im Bildungszentrum, bei der das Selbstbewusstsein der Frauen gestärkt werden sollte.
Im Waisenhaus bekommen die Kinder gesunde Mahlzeiten.

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