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Die Gleichstellungsbeauftragte Annemarie Fuchs stammt aus dem Münsterland und wohnt seit 31 Jahren gerne in Sulzbach. Als Angela Merkel einst als Kanzlerkandidatin nominiert wurde, trat sie der CDU bei.

Gleichstellungsbeauftragte

Noch immer sind Frauen in den politischen Gremien der Gemeinde eher unterrepräsentiert

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Morgen steht der Weltfrauentag an: Unsere Zeitung hat mit den Sulzbacher Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten über die aktuelle Situation in der Gemeinde gesprochen. Wo klemmt’s?

Frauen sollen in unserer Gesellschaft nicht benachteiligt werden, sondern die gleichen Chancen und Möglichkeiten wie Männer haben. Um dies zu forcieren, gibt es in Behörden, sozialen Einrichtungen, Unternehmen und anderen Institutionen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, die sich für die Belange des weiblichen Geschlechts einsetzen.

Familienfreundlich

In Sulzbach sind dies seit Anfang des vergangenen Jahres die für die Gemeinde als Assistentin des Bürgermeisters tätige Julia Schellhorn und aus dem Gemeindevorstand Annemarie Fuchs.

Zuvor lag diese wichtige Aufgabe in einer Hand und wurde von der Rathaus-Mitarbeiterin Sylvia Lehmann ausgeführt. Deshalb wurde mit Annemarie Fuchs im Februar 2018 zudem eine Gleichstellungsbeauftragte extern bestellt. Unter den derzeit 9359 Sulzbacher Einwohnern befinden sich 4625 Männer und 4734 Frauen. In der Gemeindeverwaltung, dem Bauhof und den Kindertagesstätten arbeiten 82 Frauen und 53 Männer. Julia Schellhorn ist in ihrer Funktion als Gleichstellungsbeauftragte im Rathaus bei den Vorstellungsgesprächen mit dabei und Ansprechpartnerin des Mitarbeiterteams. Dabei geht es keineswegs nur um Frauenfragen, sondern auch um Angelegenheiten von Männern – zum Beispiel bei Fragen zur Elternteilzeit, die auch von Männern in Anspruch genommen wird.

Julia Schellhorn, die darum bat, nicht fotografiert zu werden, freut sich über ein entspanntes positives soziales Klima im Sulzbacher Rathaus. Sie betont, dass häufig individuelle Wünsche berücksichtigt werden können.

Annemarie Fuchs ergänzt, dass derartige Angelegenheiten von Mitarbeitern auch im Gemeindevorstand positiv geregelt werden. Sie bezeichnet die Gemeinde Sulzbach als sehr familienfreundlich. Sie hebt hervor, dass sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten viel verändert hat und immer mehr Frauen auch in Führungspositionen tätig sind. Dies sei aber immer noch von Firma zu Firma unterschiedlich. Annemarie Fuchs appelliert an die Sulzbacher Bürgerinnen, die vorhandenen Möglichkeiten auch zu nutzen und sich gesellschaftlich zu engagieren.

Ein Zeitproblem

Im elf Personen zählenden Gemeindevorstand waren Frauen mit Michaela Zimmermann (SPD), Marlies Watermann (Pro Sulzbach) und Annemarie Fuchs (CDU) im Verhältnis drei zu acht eher unterrepräsentiert. Monika Zimmermann hat ihr Mandat niedergelegt. Die Nachfolge wird demnächst geregelt. In der Gemeindevertretung sind 10 von 31 Sitzen von Frauen belegt. Auch hier könnte oder sollte der Frauenanteil größer sein.

Annemarie Fuchs, die seit zwei Jahren als Nachrückerin von Gabi Abraham für die CDU im Gemeindevorstand mitarbeitet, weiß aber selbst, dass neben Beruf und Familie die Zeit für ein Engagement in der Kommunalpolitik oder für andere ehrenamtliche Tätigkeiten häufig fehlt. Die 66-Jährige stand mehrfach auf der Kandidatenliste der Sulzbacher CDU, war aber als Mitarbeiterin im Bereich Revision der Deutschen Bundesbank häufig unterwegs. Seit fünf Jahren ist die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen im Ruhestand und kann sich gesellschaftspolitisch engagieren.

Neuer Treffpunkt

Einige Male hat Annemarie Fuchs in ihrer Funktion als Gleichstellungsbeauftragte Sprechstunden im Rathaus angeboten, die aber nicht genutzt wurden: „Haben Frauen in Sulzbach keine Fragen und keinen Beratungsbedarf?“, fragt Annemarie Fuchs und gibt selbst die Antwort: „Wir wissen es nicht.“

Jetzt soll ein neuer Anlauf genommen werden, um mit Frauen ins Gespräch zu kommen. Am Mittwoch, 3. April, wird von 19 bis 21 Uhr zu einem Frauentreff in das Kolleg 3 und 4 im Bürgerzentrum Frankfurter Hof eingeladen. Fuchs: „Ziel ist es, sich über Themen, die von Interesse sind, auszutauschen. Schön wäre es, wenn sich Teilnehmerinnen zusammenfinden würden, die gemeinsam etwas unternehmen wollen.“ Annemarie Fuchs denkt dabei an Besuche von Kulturveranstaltungen, Ausflüge, Kaffee- oder Kartenrunden. Die Gleichstellungsbeauftragte weiß, dass viele Frauen bereits in Vereinen, beim Kulturkreis oder anderen Treffen engagiert sind, weist aber auch darauf hin, dass derzeit viele Neubürgerinnen nach Sulzbach kommen, die möglicherweise Anschluss suchen. Bei Interesse soll der Frauentreff monatlich mittwochs wiederholt werden. Als Termine wurden bereits der 15. Mai und der 5. Juni ausgeguckt.

Annemarie Fuchs will sich weiter für die Belange der Frauen einsetzen und moniert auch, dass derzeit oft schlechter bezahlte Berufe wie Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen meist für Frauen offen stehen. Sie wünscht sich hier mehr Männer: „Männer sind wichtig in diesen Berufen, damit Kinder in Kinder-Betreuungseinrichtungen und Schulen als Bezugspersonen nicht nur Frauen, sondern auch Männer haben.“

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