Sie bilden die Geschäftsleitung der Delikatessen-Manufaktur (von links): Sandra Moos-Achenbach, Katrin Achenbach, Hans-Peter Achenbach.
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Sie bilden die Geschäftsleitung der Delikatessen-Manufaktur (von links): Sandra Moos-Achenbach, Katrin Achenbach, Hans-Peter Achenbach.

Wirtschaft

Sulzbach: Delikates aus dem Vordertaunus

  • VonDavid Schahinian
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Feinkost ist der Lebensinhalt der Achenbachs, die aber auch die Folgen der Corona-Krise spüren.

Sulzbach/Bad Soden. Katrin Achenbach kommt mit einem Kinderwagen in den Besprechungsraum. Wer weiß, vielleicht wächst da gerade die vierte Generation der Unternehmerfamilie heran? Seit 67 Jahren entwickelt, produziert und vertreibt die Familien Feinkostkonserven und Delikatessen, zum Beispiel auch nach Skandinavien, in die Benelux-Länder, nach Australien oder auch in asiatische Länder. Gegründet wurde die heute in Sulzbach ansässige Firma 1954 unter dem Namen Rudach in Frankfurt-Unterliederbach.

Rudach steht für Rudolf Achenbach, der gemeinsam mit seiner Frau Ingrid zunächst eingedickte Hühnerbrühe in Dosen herstellte. Bereits seine Eltern hatten einen Lebensmittelhandel, der jedoch dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel. Mit den ersten Erzeugnissen fuhr der Gründer noch in der Straßenbahn von Betrieb zu Betrieb, um sie anzubieten, berichtet Sandra Moos-Achenbach, die jüngere Schwester von Katrin. Hans-Peter Achenbach, Ehemann von Katrin, komplettiert die heutige Geschäftsleitung.

Teigtaschen mit Ochsenschwanz

Die Zeiten für einen Neubeginn waren - rückblickend gesehen - günstig: Das Wirtschaftswunder nahm an Fahrt auf und damit die Freude am Genuss. Bei der Herstellung der Hühnersuppe fiel auch Geflügelleber an, aus denen Achenbach Pasteten zubereitete. Der Weg zur Feinkost war bereitet, es folgten weitere Spezialitäten wie Terrinen und Desserts. Bereits 1961 waren die Produktionsflächen ausgereizt. In der Sulzbacher Hauptstraße wurde neu gebaut. Bis heute ist es der Stammsitz des Unternehmens, wenngleich mehrfach umgebaut und erweitert wurde.

1979 holte Rudolf Achenbach seine Tochter Petra ins Unternehmen. Sie übernahm später die Leitung mit ihrem Ehemann, Koch und Küchenmeister Bernd Moos-Achenbach. Indirekt hatte der Vater auch beim Kennenlernen der beiden seine Finger im Spiel. Bernd Moos wollte in jungen Jahren die Weinstube Leimeister in Königstein übernehmen. Familie Achenbach inklusive Tochter Petra speiste dort öfter. Der Rest ist Geschichte: "Sie heirateten und der Schwiegervater warb ihn von der Weinstube ab", heißt es in der Firmenchronik weiter. Mitte der 1990er-Jahre übernahm das Ehepaar die Leitung und eröffnete in Bad Soden einen zweiten, kleineren Produktionsstandort.

Mittlerweile zählen unter anderem auch Fingerfood (ohne Besteck zu essen Speisen), Vorspeisen, Dressings und Pasta zum Angebot. "Unsere Evergreens sind das Pesto und die Ravioli", verraten sie. Die italienischen Teigtaschen sind nicht nur handgemacht, sondern überraschen auch mit ungewöhnlichen Füllungen wie Ochsenschwanz oder Entenkeulen-Konfit. Die zunehmende Nachfrage nach pflanzlicher Ernährung wird ebenfalls bedient: Rote Bete und Kimchi etwa wurden in den vergangenen Jahren verstärkt nachgefragt. Geschäftskunden würden oftmals gar nicht erst vegetarisch, sondern gleich vegan bestellen. Genau dieser Bereich, den Achenbach lange Zeit ausschließlich bediente, macht der jungen Unternehmensführung nun große Sorgen. Zu den Hauptkunden zählten in den vergangenen Jahrzehnten Fluggesellschaften sowie die Gastronomie und Hotellerie - alles Branchen, die existenziell von der Corona-Krise betroffen sind. Für die Rudolf Achenbach GmbH & Co. KG bedeute das in Zahlen einen Umsatzrückgang von 90 Prozent, schildert die Familie. Die Zahl der Mitarbeiter sank von 90 auf derzeit rund 60, von denen viele in Kurzarbeit sind. Dass sich das schnell und grundlegend ändert, ist eher unwahrscheinlich: "Da sehen wir ziemlich schwarz."

Für die Sulzbacher gab es keine November- und Dezemberhilfen, weil etwa den Fluggesellschaften der Geschäftsbetrieb nicht untersagt war. Zumindest die Überbrückungshilfe III fließt nun, aber sie ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Dass größere Unternehmen, die in Deutschland mitunter so gut wie keine Steuern zahlen, dagegen sehr viel mehr finanzielle Hilfe bekommen haben, findet Katrin Achenbach "ungerecht". Sie muss einige Sekunden nachdenken, bevor sie das Wort ausspricht. Es ist ihr anzusehen, dass sie lieber ein anderes, weniger diplomatisch klingendes gesagt hätte.

Werksverkauf als neues Standbein

Es hilft nur: kreativ und innovativ weitermachen. Im vergangenen Jahr wurde erstmals ein monatlicher Werksverkauf für Privatkunden eingeführt. Er kann zwar die weggebrochenen Umsätze im sogenannten Business-to-Business-Bereich (Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen) nicht kompensieren. Aber er bietet Perspektiven: Derzeit laufen die Vorbereitungen für einen neuen Online-Shop. Home Foodie soll sich an Privatkunden richten - mit einer speziell für sie entwickelten Produktpalette. Es ist ein zweites Standbein, das dauerhaft aufgebaut werden soll.

Viele Kunden hätten bei den Werksverkäufen, die auch für Pfingsten und noch einmal Mitte Juni geplant sind, gefragt, ob Achenbach nach der Krise wieder mit dem Verkauf an Privatleute aufhört. "Das können wir nach dem Erfolg gar nicht mehr", sagt das Trio aus der Geschäftsleitung - und sie lächeln am Ende doch noch optimistisch.

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