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Der Sulzbacher Gottfried Kohl ist gestorben.

Nachruf

Trauer um „Radio-Kohl“ in Sulzbach

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Der Sulzbacher Geschäftsmann Gottfried Kohl ist tot. Sein Radio-Geschäft ist bis heute in guter Erinnerung. Ein Nachruf.

  • In Sulzbach bei Frankfurt ist Gottfried Kohl gestorben.
  • Der 92-Jährige war bekannt als „Radio-Kohl“ in Sulzbach und Umgebung.
  • Der Sulzbacher Geschäftsmann erlebte die technische Entwicklung hautnah.

Sulzbach - Die Familie wollte in schwierigen Zeiten der Corona-Krise in ihrer Trauer zunächst alleine bleiben. Doch dann wurde es in einer Anzeige bekannt gemacht. Gottfried Kohl, bei den älteren Sulzbachern als „Radio-Kohl“ bekannt und ein langjähriges verdienstvolles Mitglied der Tischtennisabteilung der TSG Sulzbach, ist am 16. April 2020 wenige Wochen nach seinem 92. Geburtstag nach kurzer Krankheit verstorben.

Als es noch kein Main-Taunus-Zentrum und noch keinen Media-Markt gab, war Radio Kohl in Sulzbach der Platzhirsch. Die Nachkriegsgeneration kaufte dort den ersten Fernsehapparat. 1960 machte sich Gottfried Kohl in Sulzbach selbstständig und eröffnete im unteren Teil der Hauptstraße in dem früheren Lebensmittelgeschäft Kohlermann seinen Laden. Später war das Geschäft ein Stück weiter oben gegenüber vom Rathaus, in den Räumen, in denen bis vor wenigen Tagen „Cemal's Laden“ war, der in die Postfiliale in die Hauptstraße 5 umgezogen ist.

Sulzbach: Trauer um „Radio-Kohl“

„In den ersten Jahren - es war die große Zeit von Freddy Quinn - verkauften wir viele Schallplatten, Tonbänder und Verstärkeranlagen“, erinnerte sich Kohl kurz vor seinem 85. Geburtstag im März 2013 im Gespräch mit dieser Zeitung. Später habe sich das Geschäft auf Fernsehapparate und den Antennenbau konzentriert. Auch wenn das Radio dann nicht mehr im Mittelpunkt stand - die Marke „Radio Kohl“ ist aber bis zuletzt ein Begriff gewesen.

Gottfried Kohl war ab 1960 in Sulzbach mit seinem Angebot zur rechten Zeit am rechten Platz und erlebte den Boom mit, als in immer mehr Haushaltungen das Fernsehgerät einzog, der ab 1967 das Bild sogar in Farbe lieferte.

Gottfried Kohl war bekannt in Sulzbach und Region

„Die Leute sagten damals, ich kaufe dort den Apparat, wo ich ihn auch später repariert kriege. Und da waren sie bei mir genau richtig“, erzählte Kohl einst, der das Geschäft in der Hauptstraße 1993 schloss, „weil sich das dann angesichts der großen Konkurrenz im MTZ nicht mehr rechnete“. Die Werkstatt in der Neugartenstraße, in der zeitweise zwei Techniker sowie drei Lehrlinge beschäftigt waren, wurde bis 2006 weitergeführt.

Kohl stammt aus Schönbach im Egerland und kam mit seiner Familie in den Nachkriegswirren in den Kreis Hünfeld in Hessen. Er arbeitete als Schaltmechaniker im Rechenmaschinenbau bei der damals bekannten Firma Konrad Zuse und war später bei dem Frankfurter Unternehmen Ceba als Entwicklungstechniker im Laboratorium tätig. Kohl hatte früh einen Einblick in das Entwicklungspotential dieser Branche, so dass der spätere Boom auf dem Elektronikmarkt für ihn keine Überraschung war.

Anfangs war Radio Kohl in Sulzbach der Platzhirsch

Kohl hat die technische Entwicklung der letzten sieben Jahrzehnte hautnah miterlebt: „In den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war die Berufsbezeichnung Radio-Instandsetzer, zu meiner Zeit lernte ich Radiomechaniker, und daraus wurde das Berufsbild Radio- und Fernsehtechniker“, berichtete Kohl im Gespräch mit dieser Zeitung. Er erinnerte sich daran, dass er 1953 in der Bad Sodener Gaststätte Weigand am Bahnhof, als er in der Firma Radio Lobert beschäftigt war, einen der ersten Fernsehapparate in der Stadt aufgebaut hat: „Da kamen am 2. Juni 1953 die Leute in Scharen und haben die Krönung der englischen Königin Elisabeth II. geguckt.“

Bis zum 78. Lebensjahr spielte Kohl bei der TSG Sulzbach erfolgreich Tischtennis, musste dann aber nach einem Muskelfaserriss aufhören. Er war bis ins hohe Alter als fleißiger Tüftler begeistert von seinem Job, verstand es aber, die Freizeit zu genießen: beim Tischtennis, beim Angeln und beim Tanzsport mit seiner Frau Inge, die mit den beiden Töchtern und deren Familien um Ehemann und Vater trauert, der in den letzten Jahren altersbedingt nicht so aktiv sein konnte, wie er es sich gewünscht hätte. 

Von Walter Mirwald

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