+
Im Februar 2014 überfielen drei Männer den Juwelier im Main-Taunus-Zentrum. Nun wurde auch ein zweiter Täter verurteilt. (Archivbild)

Juwelier im Main-Taunus-Zentrum

Juwelenräuber rücken mit Axt an - Urteil gefällt

  • schließen

Sie rückten mit Äxten an und wussten genau, worauf sie es abgesehen hatten: Der Überfall dreier Männer auf ein Fachgeschäft im Main-Taunus-Zentrum beschäftigt die Justiz seit Jahren. Nun fiel ein neues Urteil.

Sulzbach/Frankfurt - Mehr als fünf Jahre nach dem brutalen Raubüberfall auf einen Juwelier im Main-Taunus-Zentrum (MTZ) ist nun der zweite der drei Tatbeteiligten verurteilt worden. Das Frankfurter Landgericht verhängte gegen den 33-Jährigen nun sechs Jahre Haft. Für den Verurteilten ist ein längerfristiger Haft-Aufenthalt nichts Außergewöhnliches: Bis zu seiner Auslieferung nach Deutschland Anfang dieses Jahres saß er in österreichischer Strafhaft – im steierischen Graz war er wegen einer ähnlichen Raubtat verurteilt worden.

Juwelier-Angestellte bedroht und Vitrinen eingeschlagen

Am 24. Februar 2014 hatte der Juwelierladen in dem Einkaufszentrum ungebetenen Besuch erhalten. Die drei Täter fackelten nicht lange: Sie bedrohten die Angestellten und schlugen Vitrinen und gläserne Schaukästen mit Äxten zu Bruch, um an die ausgestellten kostbaren Uhren zu gelangen. Bei der Auswahl der Stücke zeigten sie Sachkunde. Die entwendeten Zeitmesser hatten einen Gesamtwert von rund 540 000 Euro. Ihre Flucht zu dem an der nahen Autobahn bereitstehenden Fahrzeug „garnierten“ die Räuber auch noch, indem sie einen zufällig entgegenkommenden Wachmann mit der Waffe bedrohten. In den Wochen nach dem Raub lebten viele Juweliere in Angst.

Die juristische Aufarbeitung der Tat begann bereits Mitte 2017: Der 30 Jahre alte Bruder des jetzigen Angeklagten hatte sich als erster des Trios vor dem Landgericht zu verantworten. Er bestritt die Tatbeteiligung und wurde in einem ersten Prozess freigesprochen. Dann aber kamen neue belastende Momente ans Tageslicht und die Staatsanwaltschaft legte Revision gegen den Freispruch ein. Ergebnis: Im Herbst vergangenen Jahres wurde der Mann bei einem erneuten Prozess in Frankfurt zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.

Versuche, sich vor der Verantwortung für den Überfall zu drücken, scheitern

Zu dieser Zeit aber saß sein Bruder noch in österreichischer Strafhaft. Seit Anfang Februar saß er nun auf der Anklagebank des Frankfurter Landgerichts. Er versuchte mit allen Mitteln und Geschichten, um eine weitere Verurteilung herumzukommen. Zunächst bemühte er einen Rechtsanwalt, mit dem er angeblich am Tattag in Montenegro beisammen gewesen sein wollte. Dann war es sogar der kroatische Staatspräsident, der ihm ein Alibi verschaffen sollte. Sein Bruder wurde ebenfalls noch einmal im Zeugenstand vernommen. Dass alle Anstrengungen umsonst waren, zeigt die Tatsache, dass es am Ende zu einer „vollumfänglichen“ Verurteilung kam. Einzig im Strafmaß blieb die von Richter Jens Peter Kulik geleitete Strafkammer um zwei Jahre hinter dem Antrag der Staatsanwaltschaft zurück. Die österreichische Vorstrafe habe nicht in der von der Anklagevertreterin gewünschten Weise berücksichtigt werden können, hieß es.

Möglicherweise wird es gegen das Urteil Rechtsmittel beim Bundesgerichtshof geben. Der Frankfurter Strafjustiz aber steht auch noch das Verfahren gegen den dritten Mittäter aus – dieser Mann ist jedoch nach wie vor flüchtig.

Erst am Donnerstag versuchten Unbekannte durch das Sprengen eines Geldautomatens in Bad Soden an Geld zu kommen. 

Lesen Sie auch:

Raubüberfall auf Kik-Filiale: Polizei sucht diesen Mann: Bei einem Überfall auf einen Kik-Filiale im südhessischen Bischofsheim sucht die Polizei nun mit zwei Phantombildern nach dem Täter. Er zückte im Geschäft plötzlich eine Waffe.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare