Ein Blätterwald umrankt den "Steinernen Jakob"und die weiße Regionalpark-Stele. Das Denkmal ist von 1513. Im MTK ist nur ein Bildstock in Hochheim älter (1512).
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Ein Blätterwald umrankt den "Steinernen Jakob"und die weiße Regionalpark-Stele. Das Denkmal ist von 1513. Im MTK ist nur ein Bildstock in Hochheim älter (1512).

Bildstock

Verschlungen vom wuchernden Grün

  • VonWalter Mirwald
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Um den "Steinernen Jakob" rankt sich eine wunderbare Sage. Zurzeit ist das Denkmal aber kaum sichtbar.

Sulzbach -Wer in diesen Tagen den "Steinernen Jakob", einen im Jahr 1513 errichteten Bildstock aus Sandstein, sucht, der hat es schwer. Büsche und Bäume wuchern so stark, dass das einzige religiöse Flurdenkmal in Sulzbach vom Grün verschlungen und kaum noch sichtbar ist.

Es steht an der Mainzer Straße, die von der alten B 8 aus Frankfurt-Höchst kommend kurz vor der Limesspangen-Kreuzung links abzweigt. Nur einen Katzensprung vom landwirtschaftlichen Anwesen Schaar entfernt befindet es sich auf der rechten Seite des Weges. Dieser Weg ist ein Stück der Bonifatiusroute. Wanderer und Fahrradfahrer übersehen "Steinernen Jakob" leicht, obwohl der 1,90 Meter hohe, 40 Zentimeter breite und 30 Zentimeter dicke Bildstock beachtlich groß ist. Es wäre an der Zeit, ihn freizuschneiden, so dass auch die Stele mit den Informationen zum Denkmal besser lesbar wäre.

Landmann und Tiere sterben im Unwetter

Um das zweitälteste Kulturdenkmal im Main-Taunus-Kreis - nach dem Tafelbildstock von 1512 in Hochheim - rankt sich eine Sage, die der Sulzbacher Volksschullehrer Wilhelm Klamp in den Nachkriegsjahren immer wieder seinen Schülern erzählt hat und die noch heute in Zusammenhang mit dem "Steinernen Jakob" gerne weitergegeben wird.

Über den "Steinernen Jakob" wurde schon viel geschrieben und in Veranstaltungen des Geschichtsvereins Reichsdorf Sulzbach berichtet. Eine fundierte und umfangreiche Darstellung der sagenumwobenen Geschichte hat der Vorsitzende des Sulzbacher Geschichtsvereins, Joachim Siebenhaar, im Main-Taunus-Jahrbuch 2013 veröffentlicht.

Nach Lehrer Klamps Forschungen ist folgende Geschichte überliefert: "Ein Landmann ackerte mit seinen Kühen und wurde von einem schweren Unwetter überrascht. Er wollte jedoch noch schnell fertig werden und trieb nun die Tiere zu unmenschlicher Kraftleistung mit Schimpfen, Fluchen und Schlagen an. Doch die kleinen Rinnsale wurden stärker und stärker, die Arbeiten in dem lehmigen Boden schwieriger und schwieriger. Immer langsamer kamen die mit letzter Lungenanstrengung keuchenden Tiere unter wüsten Flüchen und Schlägen vorwärts. Da setzte das Unwetter mit Macht ein. Ein Umkehren nach Hause war unmöglich. Die Wassermassen stauten sich, da der Acker in einer Mulde liegt, und der einsetzende Wirbelsturm warf Wagen, Kühe und Mann unwiderstehlich in Schlamm und Wasser. Da war keine Rettung mehr; alles fand den Tod."

Weiter schrieb Lehrer Klamp: "Man setzte nun diesen Stein, damit jeder ins Feld fahrende Landmann ein stilles Gebet zum Seelenheil des Verunglückten spreche, damit der Stein aber andererseits jedem eine Warnung sei, vor schwerem Unwetter nicht durch brutales Vorgehen noch Unmögliches erreichen zu wollen."

Identisches wird auch im Höchster Kreisblatt vom 10. September 1953 unter der Überschrift "Zeuge eines freien Reichsdorfes" berichtet: "In der alt ein gesessenen Bevölkerung geht nur die Erzählung um, dass hier einmal jemand vom Blitz bei der Feldarbeit erschlagen wurde. Wer es war, Name und Umstände sind in Vergessenheit geraten. Vielleicht war es ein Mann, der Jakob hieß."

Joachim Siebenhaar beschreibt im Main-Taunus-Jahrbuch 2013, dass der Bildstock aus Sandstein mit dem vorne gefassten Schaft und dem Oberteil mit der zurückgesetzten Nische aus einem Stück gearbeitet ist. Ein Loch in der flachen Rundbogennische deutet auf eine Halterung für ein ehemals vorhandenes Andachtsbild hin, vermutlich ein Marien- oder Heiligenbild. Da Sulzbach nach der Reformation 1543 evangelisch wurde, geriet der eigentliche Zweck des Denkmals, die Heiligenverehrung, in Vergessenheit.

Auf Initiative des Sulzbacher Geschichtsvereins erfolgte unter der Federführung des damaligen Vorsitzenden Peter Krick im Herbst 1982 eine fachgerechte Konservierung des Steins im Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach. Der Stein wurde ausgegraben und zum Sulzbacher Bauhof transportiert. Dort wurde er mit Hilfe eines Dampfstrahlers behutsam von Moosen und Flechten befreit. Nach einer Trocknungsphase erfolgte der Abtransport zum Hessenpark.

Die Ziffer 5 erweist sich doch als 3

In der Steinmetzwerkstatt des Hessenparks wurde der Jakob konserviert und am Fuß eine Metallverankerung zur sicheren und stabilen Aufstellung angebracht. In der Mainzer Straße wurde dann ein neues Fundament vorbereitet und der konservierte Bildstock an dieser Stelle wieder aufgestellt.

Nach der Reinigung auf dem Sulzbacher Bauhof, der anschließenden Vermessung sowie der zeichnerischen Dokumentation durch den damaligen Archivar des Geschichtsvereins, Dieter Boje, wurde festgestellt, dass die im Schaft unterhalb der Nische erkennbaren Zeichen auf dem Bildstock früher als "SJ" gedeutet und als "Steinerner Jakob" interpretiert wurden; die mittleren Ziffern sahen wie die Jahreszahl 1515 aus. Bis in die heutige Zeit wird die Entstehung des Bildstocks verfolgt. Am 23. Oktober 2018 schrieb Joachim Siebenhaar an Rüdiger Fuchs von der Akademie der Wissenschaften und Literatur in Mainz: "Ich habe mir die Inschrift auf den alten Fotos nochmals angesehen. Die letzte Ziffer könnte auch eine 3 sein." Am nächsten Tag erhielt Siebenhaar Antwort aus Mainz von Rüdiger Fuchs: "Mit Interesse habe ich erfahren, dass sie eine 3 zumindest erwägen und nicht ausschließen. Ich werde mit Ihren Fotos, für die ich herzlich danke, und eigener Betrachtung wohl eine 1513 favorisieren und entsprechend einordnen." So ist das älteste Sulzbacher Flurdenkmal noch mal zwei Jahre älter geworden. Der Bildstock in Hochheim aus dem Jahr 1512 bleibt aber der älteste im Main-Taunus-Kreis.

Ein zusätzliches Schild aufstellen?

Der Sulzbacher Hobbyhistoriker Erich Grötsch regt an, vor den "Steinernen Jakob" ein Messingschild mit erklärenden Worten aufzustellen, damit auch Fremde über den möglichen Ursprung informiert werden können.

Zudem hoffen die Mitglieder des Geschichtsvereins, dass die Gemeinde aktiv wird und das Gebüsch nicht nur um den Jakob wegschneidet, sondern auch um das Cretzschmar-Denkmal am alten Friedhof hinter der evangelischen Kirche, das sehr zugewachsen ist.

Heimatforscher Joachim Siebenhaar hat über das Denkmal recherchiert.

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