Früher war im Main-Taunus-Zentrum mal um 18.30 Uhr Schicht im Schacht. Jetzt kann dort an manchen Tagen sogar bis 22 Uhr eingekauft werden. Das sehen nicht nur die Gewerkschaften kritisch.   Archivfoto: Hans Nietner
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Früher war im Main-Taunus-Zentrum mal um 18.30 Uhr Schicht im Schacht. Jetzt kann dort an manchen Tagen sogar bis 22 Uhr eingekauft werden. Das sehen nicht nur die Gewerkschaften kritisch. Archivfoto: Hans Nietner

Main-Taunus-Zentrum

Warum die Sulzbacher längere Öffnungszeiten kritisch sehen

  • VonWalter Mirwald
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Die Diskussion um die Ladenöffnungszeiten im Main-Taunus-Zentrum bewegt die Gemüter. Bei einer Umfrage beim Sulzbacher Straßenfest am Wochenende sprach sich nur eine 23 Jahre alte Frau für lange Öffnungszeiten aus. Die meisten Befragten plädieren mit Blick auf die Arbeitszeiten der Angestellten für einen MTZ-Ladenschluss bereits um 20 Uhr.

Für junge Leute ist es offenbar attraktiv, sich abends mit Freunden zu einem Gläschen Wein oder Bier zu treffen und danach zu einem Einkaufsbummel zu starten. Die ältere Generation schlägt dagegen vor Entrüstung die Hände über dem Kopf zusammen und bezeichnet es als eine Zumutung für die Beschäftigten, so lange arbeiten zu müssen. Das zeigte eine Umfrage dieser Zeitung beim Sulzbacher Straßenfest.

Margot Scheinert aus Neuenhain findet die langen Öffnungszeiten „unmöglich“ und sagt: „Vorher ist doch Zeit genug, um einkaufen zu gehen. Ich bin neulich kurz vor 22 Uhr beim Rewe vorbeigefahren. Da war nix los.“ Die 68-Jährige spricht aus eigener Erfahrung, als sie bei Hosen Leonhard im MTZ arbeitete: „Da muss ja nach Ladenschluss noch die Abrechnung gemacht und die Geldkassette bei der Sparkasse eingeworfen werden. Und das zu später Stunde!“

Auch ihr Sohn Kai käme nie auf die Idee, am Abend einzukaufen: „Der ist beruflich viel im Ausland unterwegs und will, wenn es möglich ist, lieber abends daheim sein, um den Kindern ,Gute Nacht’ zu sagen.“

Erst später daheim

Biba Peischl (63) dreht den Spieß um: „Die Geschäfte sollen doch lieber schon um 9 Uhr öffnen und um 19 Uhr schließen. Wer bis 19 Uhr nicht eingekauft hat, braucht es dann auch nicht mehr zu tun.“ Die Sulzbacherin versetzt sich in die Situation der Angestellten: „Die haben doch nichts mehr von ihrem Abend. Selbst dann, wenn um 20 Uhr Ladenschluss ist, sind die erst um 21 Uhr daheim.“

Hans-Joachim Schiller (68) aus Sulzbach findet die langen Öffnungszeiten aus Sicht der Kunden gut, sieht die Situation aber für die Arbeitnehmer kritisch. Allerdings würde sich die Zahl der Arbeitsstunden nicht verändern, und eine längere Öffnungszeit könnte möglicherweise auch den Arbeitsplatz sichern.

Der Sulzbacher Wolfgang Tietze (73) meint, dass über die MTZ-Leitung ein Konsens gefunden werden müsste, der beiden Seiten gerecht wird. Rewe im MTZ habe ja erkannt, dass sich eine Öffnungszeit bis Mitternacht nicht lohnt und habe das zurück gefahren.

Versteckte Zeiten

Tietze räumt ein, „dass man als Kunde nicht die versteckten Zeiten vor und nach den Öffnungszeiten sieht. Darüber machen sich viele keine Gedanken“.

Er sieht es als einen Kompromiss, wenn ab Donnerstag bis 22 Uhr und davor bis 20 Uhr geöffnet ist, unterstreicht aber auch: „Man sollte in der Diskussion nicht nur an das Geld, sondern auch an die Menschen denken.“

Die 23 Jahre alte Bella König aus Frankfurt findet die Ladenöffnungszeiten bis 23 Uhr gut: „Man hat lange Zeit, ist stressfrei, kann mit Freunden abends was trinken gehen und danach noch einen Einkaufsbummel machen.“

Bella König, die selbst einmal im Einzelhandel gearbeitet hat, ist froh, dass in der Stadt der Rewe bis Mitternacht offen hat: „Auch wenn man mal etwas vergessen hat, kann man es noch holen. Das ist schon super.“ Sie plädiert aber für einen Zuschlag und legt Wert darauf, „dass ab 20 Uhr auch fair bezahlt wird“.

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