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Die Klasse 4 c der Grundschule „Sindlinger Wiesen“ hat ganze Arbeit geleistet: Sie hat den Müll im verwahrlosten Teich eingesammelt.

Müll sammeln

Die „Teich-Polizei“ imponiert Kündiger

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Die Klasse 4 c der Grundschule „Sindlinger Wiesen“ hat sich im Sachkunde-Unterricht mit Teichen beschäftigt. Und ist dabei dem Müll auf die Spur gekommen. Dem Bürgermeister haben sie Brief geschrieben. Bei dessen Besuch in der Klasse wurde jetzt sogar über Vandalismus und Videoüberwachung diskutiert.

„Sie sind doch Mitglied bei den Grünen. Dann müssten Sie ja dafür sein, den Teich zu erhalten.“ Benedikt redet gar nicht um den heißen Brei herum, als Bürgermeister Albrecht Kündiger bei ihm und seinen Mitschülern der 4 a in der Grundschule „Sindlinger Wiesen“ vorbeischaut. Die Klasse hat dem Rathauschef viele Briefe geschrieben – deshalb ist der Politiker jetzt hier. Und schwer beeindruckt: „Es kommt ja seltener vor, dass sich Kinder so engagieren. Mich hat es positiv überrascht, mit welcher Leidenschaft ihr für eure Sache eintretet“, lobt Kündiger.

Trostloses Bild

Die Sache der 4 a – sie ist im Moment nicht wirklich schön anzusehen: Es handelt sich um den künstlichen Teich im Park „Sindlinger Wiesen“, den vor vielen Jahren die Naturschützer angelegt haben. Doch längst ist er vermüllt, die Bohlen sind beschädigt – und er ist zu einem Treffpunkt für junge Leute geworden, die dort ihren Abfall hinterlassen, Alkohol trinken und laut sind. Als sich die Klasse mit dem Bürgermeister auf den Weg dorthin macht, wird das deutlich. Kündiger sammelt erstmal zwei Flaschen auf, das nicht vorhandene Gewässer bietet ein trostloses Bild.

Wobei es schon besser aussieht, als noch vor einigen Monaten. Denn die Kinder haben im Rahmen ihres Teich-Projektes dort den Müll im großen Stil eingesammelt und aufgeräumt. Das imponiert dem Bürgermeister. Deshalb hat er ihnen eine gute Nachricht mitgebracht: Eigentlich habe er die Mitarbeiter angewiesen, den Teich zuzuschütten. „Wir haben den Auftrag schon erteilt, das werden wir noch einmal überdenken. So viel Engagement muss belohnt werden.“ Dafür erntet der Verwaltungschef wiederum Applaus von der Klasse.

Lehrer stolz

Stolz sind auch Klassenlehrerin Marie Otto sowie Referendarin Anne Schönberger. Denn sie hat mit den Kindern im Sachunterricht das Teich-Problem erst aufgespürt. Hatte die Schule den Tümpel früher intensiver für ihren Unterricht genutzt, so war das weniger geworden. Die 4 a nahm den Teich aber wieder ins Visier – und kam aufgrund des ganzen Abfalls dort auch zum Thema Müll. In der Klasse hängen viele Plakate und Arbeiten dazu, die Grundschüler haben sich intensiv damit auseinander gesetzt.

Das geht sogar so weit, dass sie Kündiger durchdachte Maßnahmen vorschlagen. Allen voran will die Schule jetzt die Teichpatenschaft übernehmen. Wenn das verlässlich sei, dann stünden die Chancen nicht schlecht, räumt der Bürgermeister ein. Keine Möglichkeit sieht er allerdings für einen Zaun rund ums Gelände, schließlich soll der Naturpark für alle erlebbar bleiben. Ein Mülleimer könnte aufgestellt werden – doch vermutlich würde das die Leute, die sich dort treffen, kaum interessieren. Deshalb schlagen die Kinder sogar eine Videoüberwachung vor. Dafür gibt’s von Kündiger zwar eine Absage. Aber ganz pfiffig findet er die Idee, dort wenigstens eine Kamera-Attrappe aufzustellen. Zudem sei ja die Nacht-Streife im Park regelmäßig unterwegs. Der Bürgermeister regt an, auf dem Schulgelände vielleicht einen neuen Teich zu schaffen. Das könnte aber wegen einer geplanten Erweiterung der Betreuung, die mittelfristig kommen soll, nicht ganz so einfach werden.

Beobachtungstagebuch

„Wir wollen gerne auf lange Sicht etwas machen. Da liegt uns viel daran“, fasst Anne Schönberger zusammen. Sie hat in ihrem Examensprojekt das Thema „Dem Müll auf der Spur“ und möchte dies an der Grundschule nachhaltig verankern. Als nächsten Schritt wird sie in die städtische AG Naturschutz kommen und für das Projekt werben. Längst sei der Teich den Kindern „ein wichtiges Anliegen“ geworden, weiß die Kelkheimerin. So wichtig, dass sie unter den Lehrern und Eltern fast 200 Unterschriften für den Erhalt gesammelt haben. Luis, der in der Nähe wohnt, führt sogar ein

Beobachtungstagebuch

. Hier wieder die Natur in ihrer Schönheit erleben, Libellen, Frösche andere kleine Lebewesen unter die Lupe nehmen – das wünschen sich die Grundschüler direkt vor ihrer Schul-Haustür. Dem Bürgermeister haben sie nun jede Menge Argumente geliefert, damit der Teich erhalten werden kann.

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