Fluglärm

Flörsheim: Weniger Protest, mehr Lärm

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Seit Eröffnung der Nordwestlandebahn stand Flörsheim immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit. Vor Ort haben viele Anwohner inzwischen resigniert.

Jets, die in geringer Höhe über Wohnhäuser hinwegdonnern, Luftverwirbelungen von Flugzeugen, die Ziegel von den Dächern reißen und Menschen in Lebensgefahr bringen – immer wieder war Flörsheim nach Eröffnung der Nordwestlandebahn in den bundesweiten Schlagzeilen. Zuhauf zogen Menschen wegen des Fluglärms weg aus der Kleinstadt am Main. Viele verkauften ihre Wohnungen und Häuser, weil sie einen rapiden Wertverlust der Immobilien in der Einflugschneise fürchteten. Jeden Montag kam eine große Gruppe Flörsheimer zur Demo auf den Frankfurter Flughafen, auch viele Kommunalpolitiker waren darunter.

Acht Jahre später ist es zwar keineswegs leiser geworden am Himmel über Flörsheim, der Protest ist aber bei weitem nicht mehr so laut. Nur noch ein kleines Grüppchen fährt regelmäßig zum Flughafen, um gegen den Krach der Flieger zu demonstrieren. „Die Leute haben sich nicht mit dem Fluglärm arrangiert, sie haben resigniert“, glaubt die Erste Stadträtin Renate Mohr (Grüne Alternative Liste Flörsheim). Mit anderen Kommunalpolitikern will Mohr am kommenden Montag zur dreihundertsten Montagsdemo ins Terminal kommen. Es sei in jedem Fall gut, den Protest aufrechtzuerhalten, findet sie. „Als Signal an die Landespolitik.“

Ausgestorben, wie viele nach dem Bau der Nordwestlandebahn prophezeit hatten, ist Flörsheim keineswegs. Die Zahl der Einwohner ist sogar auf 22 000 gestiegen. Vor allem Familien mit Kindern nutzten die Chance, im dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet an einigermaßen erschwingliche Wohnungen zu kommen. Den Fluglärm nehmen sie in Kauf. Aktuell sei es die Dachklammerung gegen Wirbelschleppen, die viele in Flörsheim umtreibe, sagte Mohr der FR. Flughafenbetreiber Fraport übernehme die Kosten, wolle aber nicht für regelmäßige Kontrollen zahlen. Anfang nächsten Jahres werde es dazu ein Gespräch im Verkehrsministerium geben, das die Dachsicherung gegen Luftverwirbelungen zur Bedingung gemacht habe, kündigte Mohr an.

Zur Sprache kommen soll dann auch die steigende Zahl an Landeanflügen über das Flörsheimer Stadtgebiet. Sie habe noch keine aktuellen Zahlen dazu, sagte Renate Mohr der FR. „Aber Bürger haben das beobachtet.“ Womöglich liege es an der Klimaveränderung, die für langanhaltende Hochdruckphasen und heiße Sommer sorge. Bei strahlendem Sonnenschein war der Fluglärm über Flörsheim schon immer besonders groß, weil die Flugzeuge dann vom Westen her auf die Landebahnen zufliegen.

Große Hoffnungen hatten die Stadt und der Solidaritätsverein für Flörsheim auf die Gerichte gesetzt. Mehrere Klagen gegen die Nordwestlandebahn wurden eingereicht, von Fraport vorgelegte Gutachten angezweifelt. Der Erfolg ist ausgeblieben. Aufgeben will der 620 Mitglieder zählende Verein dennoch nicht. Zwei Beschwerden gegen Urteile zu Wirbelschleppen lägen aktuell noch beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe, sagte Vorsitzender Hans-Jakob Gall der FR. „Eventuell gehen wir auch bis zum Europäischen Gerichtshof.“

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