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Nicht wieder direkt retour nach Frankfurt, sondern weiter bis zum Höchster Bahnhof will Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) die Straßenbahn fahren lassen. Dazu gibt es neue Ideen, die mit der Planung der Regionaltangente West (RTW) zusammenhängen. Jetzt soll zunächst ein Gutachten erstellt werden.

Linie 11

Die Tram bis zum Bahnhof verlängern

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Für die seit Jahrzehnten diskutierte Verlängerung der Straßenbahn von der Endhaltestelle Zuckschwerdtstraße bis zum Höchster Bahnhof zeichnet sich eine Lösung auf der Nordseite des Bahndamms ab. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) will untersuchen lassen, ob diese sich rechnet. In zwei Jahren soll ein Ergebnis vorliegen.

Manchmal dauert es etwas länger, bis Versprechen eingelöst werden. Den Höchstern wurde schon im Eingemeindungsvertrag von 1928 zugesichert, dass die Straßenbahn aus Frankfurt bis zum Bahnhof führen soll. Im Jahr 1952 erreichte die Trasse in Verlängerung der Nieder Schleife Höchst, endet aber seitdem an der Zuckschwerdtstraße – die Verlängerung ist also seit nun 66 Jahren ein Thema. Es geht nur um eine Strecke von rund 700 Metern Länge, doch es hat sich über Jahrzehnte keine einfach zu realisierende Lösung gefunden. Das Projekt geriet in Vergessenheit. Die aus Fechenheim kommenden Züge der Tramlinie 11 enden nach wie vor in der Zuckschwerdtstraße – ohne Umsteigemöglichkeit in S-Bahn und Regionalzüge.

Doch im aktuellen Koalitionsvertrag von CDU, SPD und Grünen taucht die Idee wieder auf. Jetzt macht sich Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) an die Umsetzung. Vier Varianten hat er sich näher angeschaut. Die erste würde auf der Südseite des Bahndamms auf direktem Weg von der Zuckschwerdtstraße zum Bahnhof führen. „Aber dafür müsste eine Häuserzeile abgerissen und die denkmalgeschützte Bruno-Asch-Anlage angetastet werden“, verwirft der Stadtrat diese Lösung. Für ungeeignet hält er auch den Vorschlag, die Tram durch die Bolongarostraße zu führen. Dort seien die Platzverhältnisse zu eng, die Bahnen müssten enge Kurven fahren. Parkplätze fielen weg und die Gleise würden erfahrungsgemäß häufig von Autos blockiert.

Theoretisch machbar wäre es, die Straßenbahn westlich der Zuckschwerdtstraße auf die Südseite des Bahndamms zu führen. Dort könnte die Tram die Gleise der S-Bahn mitbenutzen. Es gibt aber zwei Haken: Wegen der unterschiedlichen Stromsysteme von S-Bahn und Straßenbahn müssten Fahrzeuge eingesetzt werden, die mit beiden Spannungen klarkommen. Diese allerdings sind rund eine Million Euro teurer als herkömmliche Straßenbahnen. „Das rechnet sich selbst dann nicht, wenn wir die Linie 11 teilen und die Zweisystem-Züge nur zwischen Höchst und Zoo fahren ließen“, stellt Oesterling fest. Außerdem sei die Deutsche Bahn wegen der ohnehin schon hohen verkehrlichen Belastung der S-Bahn-Gleise dagegen.

Es sah also wieder einmal schlecht aus für die Tram-Verlängerung. Eine neue Situation ergab sich allerdings durch eine nötige Umplanung der Regionaltangente West (RTW), die aus Sossenheim kommend von Norden in den Höchster Bahnhof mündet: Der gesamte Streckenabschnitt zwischen Höchst und Sossenheim sowie der Ast nach Bad Soden sollen laut Oesterling nicht im Eisenbahn-, sondern im Straßenbahn-Standard ausgebaut werden. Das ermöglicht zum einen eine flexiblere Trassierung, wodurch zum Beispiel an der Henri-Dunant-Siedlung in Sossenheim nicht so stark in Privatgrundstücke eingegriffen werden muss (wir berichteten).

Zum anderen bekommt die Strecke einen Fahrdraht mit Straßenbahnstrom. Auf diesem Gleis könnte auch die Züge der Linie 11 bis in den Höchster Bahnhof gelangen. Einziges Problem: Die Tram muss irgendwie von der Zuckschwerdtstraße auf die Nordseite des Bahndamms gelangen. Die Straßenunterführung ist zu eng, so dass westlich der Zuckschwerdtstraße eine neuer Durchstich erstellt werden müsste. Im Norden des Bahndamms wäre laut Oesterling genügend Platz. „Dort war früher einmal ein Ladegleis.“ Die benötigten Grundstücke gehörten der Deutschen Bahn und der Mainova.

Im Höchster Bahnhof selbst wären dann vermutlich zwei verschiedene Bahnsteige nötig, da RTW und Straßenbahn unterschiedliche Einstiegshöhen haben. „Aber das lässt sich lösen“, ist Oesterling überzeugt. Er will im Zuge der Neufassung des Gesamtverkehrsplans prüfen lassen, ob sich das Projekt rechnet. In zwei Jahren könnten Ergebnisse vorliegen.

Wilfried Staub, Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn, hält nach wie vor eine fünfte Variante im Gespräch, die er schon vor einigen Jahren vorgeschlagen hatte: Demnach könnte die Tram auf der Südseite auf den Bahndamm geführt und auf einem eigenen Gleis zum Bahnsteig 1 geführt werden. Dadurch werde der übrige Betrieb im Bahnhof nicht beeinträchtigt. „Man hätte das gleich beim Umbau des Bahnhofs berücksichtigten müssen“, sagte er. „Aber noch ist der Zug nicht abgefahren.“

Oesterling denkt indes schon einen Schritt weiter: „Wenn man einmal bis in den Bahnhof gekommen ist, könnte man die Straßenbahn bis zur Jahrhunderthalle verlängern.“ Doch das sei eine Aufgabe für die nächste Generation.

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