+
Die SPD-Landtagsabgeordnete Nancy Faeser sprach gestern zur Trauerfeier von Karl Thumser. Die Betroffenheit über den Tod des verdienten Kommunalpolitikers kannte jedoch keine Parteigrenzen.

Abschied nehmen von Karl Thumser

Trauer, aber auch Dankbarkeit

  • schließen

Karl Thumser hätte gerne noch den neuen Bürgermeister Frank Blasch ins Amt eingeführt. Doch er verlor den Kampf gegen den Krebs.

Rote und weiße Rosen umrahmen die kleine Urne vor dem Altar. Rechts davon ein üppiger Kranz mit Schleifen in den orange-blauen Farben der Stadt Bad Soden. Dazwischen ein großes Foto vom verstorbenen Ersten Stadtrat Karl Thumser, freundlich lächelnd, wie man ihn kannte und liebte.

Seit Oktober führte er noch übergangsweise die Geschäfte der Stadt, hätte gerne noch den neuen Bürgermeister ins Amt eingeführt, ein Neuenhainer wie er. Doch dazu kam es nicht mehr. Am 9. Februar hatte er – 69 Jahre alt – den Kampf gegen den Krebs verloren. Angehörige und die vielen langjährigen Wegbegleiter können es noch immer nicht glauben, und so konnte die evangelische Kirche in Neuenhain gestern kaum die Menge der Menschen fassen, die ihren „Kalle“ auf seinem letzten Weg begleiten wollten. Viele tragen sich ins Kondolenzbuch ein.

Viel zu früh und zu plötzlich sei er verstorben, gibt Pfarrer Jan Frey die Gefühle der Trauergemeinde wieder. Doch Christen trage die Hoffnung auf die Auferstehung. Auf Erden aber gebe es nichts, was die Abwesenheit eines geliebten Menschen ersetzen könne, zitiert er den Theologen Dietrich Bonhoeffer. Man müsse diese Lücke aushalten und die Erinnerung wie ein kostbares Geschenk, einen verborgenen Schatz in sich tragen. Die Erinnerungen an den langjährigen Ersten Stadtrat, SPD-Fraktionsvorsitzenden im Kreistag und Ministerialrat sind von Trauer, aber auch Dankbarkeit und echter Freundschaft geprägt, wie die vielen Reden zeigen. „Traf man ihn auf der Straße, war immer Zeit für ein Gespräch, er hat sich gekümmert, auch da, wo es kein Dankeschön gab“, beschreibt ihn Pfarrer Frey. In Neuenhain aufgewachsen sei er in der Jugendarbeit und auch im Kirchenvorstand aktiv gewesen, mit 16 schon in die Fußstapfen des Großvaters getreten und SPD-Mitglied geworden. Im Ort habe er auch seine spätere Ehefrau Hannelore kennengelernt.

„Sein Neuenhain hat er nie vergessen“, bestätigt Vereinsringvorsitzender Klaus Plösser. Wie sehr er sich auch für Kreis und Stadt engagiert habe, die Vereine vor Ort hatten ihm immer am Herzen gelegen, ob als passives Mitglied oder aktiv unter anderem in seinem Obst- und Gartenbauverein. Auf dem Herbstmarkt sei er mit seinem Stand dabeigewesen, genauso wie mit dem Festwagen auf dem jährlichen Kerbeumzug. „Ein Mensch, auf dessen Wort man sich verlassen konnte.“

Gerne wäre er noch von ihm ins Amt eingeführt worden, bedauert Bad Sodens frisch gewählter Bürgermeister Dr. Frank Blasch den Tod des Weggefährtens, mit dem er sich – auch über die politische Arbeit hinaus – so gut verstanden hatte. Früher habe man sich zum Plausch in der Wiesbadener Kantine getroffen, später in seinem Garten oder im Kreishaus und – kurz vor seinem Tod – noch am Krankenbett. „Wir verneigen uns vor deiner Lebensleistung und werden dich sehr vermissen.“ Der Tod von Karl Thumser mache betroffen wie wenige, sagt Wolfgang Männer, Vorsitzender des Kreistags, dem der beliebte Politiker seit 1981 angehört hatte, der ihn mit der höchsten Auszeichnung, der goldenen Ehrenplakette, geehrt hatte.

Er bleibe in Erinnerung als angenehmer und angesehener Gesprächspartner, der immer um breiten Konsens bemüht gewesen sei. „Das politische Leben im Main-Taunus-Kreis hält einen Augenblick inne“, sagt er mit Blick auf die vielen Kollegen aus Kreishaus, Nachbargemeinden und der Stadt Bad Soden, die parteiübergreifend gekommen sind, um Abschied zu nehmen.„Die SPD hat einen treuen Genossen verloren“, sagt Parteifreund Michael Antenbrink. „Es gibt nicht mehr viele ehrenamtliche Vollblutpolitiker wie Kart Thumser.“ In gradliniger und ausgleichender Art habe er sich allen Menschen verpflichtet gefühlt. „Lieber Kalli, wir werden dich nicht vergessen, ruhe in Frieden!“ Sehr nahe geht der zu frühe Tod auch Landtagsabgeordneter Nancy Faeser. Karl Thumser sei ihr Ziehvater gewesen, der sie ermutigt habe, sich um das Amt im Landtag zu bewerben, sagt sie. „Ein wunderbarer Mensch, der sich nie in den Mittelpunkt stellte.“ Sie werde ihn schmerzlich als Mensch und Freund vermissen. Die Kollekte wird – so der Wunsch des Verstorbenen – der Schwalbacher Tafel zu Gute kommen. Auch dafür hatte er sich stark gemacht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare