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Martin Menger hat in den zurückliegenden Monaten schon einiges angestoßen, um den Klinikverbund Frankfurt Main-Taunus voran zu bringen.

Kliniken Frankfurt Main-Taunus

Martin Menger über sein erstes Jahr an der Spitze des Klinikverbundes: „Der Trend stimmt“

Seit einem Jahr steht Martin Menger an der Spitze der Kliniken Frankfurt Main-Taunus. Ein guter Grund, mit ihm über die Entwicklung des Konzerns zu sprechen. Die Fragen stellte Barbara Schmidt.

Herr Menger, womit hat Sie der Konzern am meisten überrascht?

MARTIN MENGER: Ich war schon überrascht, was ich an Strukturen und Prozessen im administrativen Bereich in meinen ersten Tagen und Wochen hier vorgefunden habe. Da gab es standortübergreifend Defizite. Quasi auf Knopfdruck meine Informationen zu bekommen, wie ich es gewohnt war, das ging hier nicht. Aber wir arbeiten jetzt daran, es so auszurichten, dass wir modern und zukunftsfähig und professionell aufgestellt sind.

Gab es irgendwann in diesen zwölf Monaten einen Punkt, an dem Sie sich gefragt haben: „Warum habe ich mir das hier angetan?“

MENGER: In der ersten Zeit war ich schon sehr irritiert und überrascht. Das ist so. Aber ich bin keiner, der hinwirft. Ich habe einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieben und den Ehrgeiz, das, was man von mir erwartet, auch zu erfüllen.

Sie sind geholt worden, um dem Kliniken-Verbund aus den Kinderschuhen zu helfen. Wo steht er denn aktuell?

MENGER: Wir leben diesen Verbund jetzt sehr viel intensiver. Mit Herrn Schad haben wir einen sehr guten Krankenhausgeschäftsführer für den Main-Taunus gewinnen können. Auch in den Bereichsleitungsfunktionen haben wir sehr gute Leute, die nicht nur bereits standortübergreifend denken, sondern auch arbeiten. Im Finanz- und Rechnungswesen sind wir mit einem neuen Leiter schon viel moderner. Jetzt verstärken wir uns für den Gesamtkonzern Frankfurt Main-Taunus noch standortübergreifend mit Bereichsleitern Medizintechnik, IT und Kommunikation.

Ein wichtiges Ziel des Zusammenschlusses war, die Krankenhäuser aus den roten Zahlen zu bringen. In Höchst schien sich das zuletzt positiv zu entwickeln, für die Kliniken des Main-Taunus-Kreises gab es mit der Bilanz 2017 einen Rückschlag. Wie sieht die Situation heute aus?

MENGER: Zahlen kann ich noch keine nennen. Zunächst wird im März der Aufsichtsrat informiert. Aber so viel kann ich sagen: Der Trend stimmt. Er ist auf jeden Fall an beiden Standorten besser als im letzten Jahr, auch ohne Einmal-Effekte, die ich da gar nicht mitrechne.

Welche Maßnahmen haben gegriffen?

MENGER: Das ist sehr vielschichtig. Wir haben in einigen Bereichen Leistungs- und auch Umsatzsteigerungen. So haben wir etwa in Hofheim die Psychosomatik aktivieren können und mehr Einnahmen in den Ambulanzbereichen. Es gab aber auch Reduzierungen bei den Sachkosten. Erklärtes Ziel ist zudem, die Beraterkosten zu reduzieren. Die Prozessabläufe haben wir überall ein Stück weit verbessert. Die Zahl der stationären Patienten ist allerdings leicht unter Plan geblieben in einigen Bereichen. Insgesamt halten wir an dem Ziel definitiv fest, 2021 einen Überschuss zu erzielen.

Und die Zusammenarbeit in den medizinischen Bereichen? Gibt es Fortschritte?

MENGER: Wir reden ganz intensiv miteinander, standortübergreifend. Wir haben zunächst zwei große Chefarztrunden gehabt und einen Fahrplan aufgestellt. In den einzelnen Bereichen haben dann fachbezogene Arbeitsgruppen bis zum Oktober Konzepte geliefert. Seither sitzen wir jeden Dienstag mit den Fachgruppen zusammen und loten mit den Akteuren aus, was geht und was nicht geht.

Was geht zum Beispiel?

MENGER: Der Austausch von Expertise. Die Plastischen Chirurgen etwa machen es schon. Da kommt auch mal einer von Bad Soden nach Höchst zum Operieren.

Es bleibt aber dabei, keine Abteilungen zusammenzulegen?

MENGER: Es gibt keine aktuellen Pläne, ganze Bereiche zusammenzulegen. Wir werden aber nicht umhin kommen zu schauen, wo Mindestmengen, die der Gesetzgeber vorgibt, nicht mehr erfüllt werden. Da kann dann möglicherweise eine bestimmte Operation nur noch an einem Standort durchgeführt werden, wenn am anderen die Zahlen nicht stimmen. Die Ärztevertreter engagieren sich insgesamt sehr stark in den Fragen der Zusammenarbeit. Klar, dass sich nicht alle um den Hals fallen, es Befindlichkeiten und Partikularinteressen gibt. Insgesamt bin ich aber mit der Entwicklung sehr zufrieden.

Nicht nur zwischen Ärzten ist gute Kommunikation ein Plus, auch in der Geschäftsführung. Es soll allerdings Differenzen zwischen Ihnen und der für Höchst zuständigen Geschäftsführerin Frau Dr. Dreizehnter geben. Was ist da dran?

MENGER: Die Tatsache, dass in den letzten Monaten eine Vielzahl von standortübergreifenden Konzepten gemeinsam entschieden und vom Aufsichtsrat genehmigt wurden, impliziert nicht gerade, dass es Differenzen gibt. Wir haben sicher mal unterschiedliche Vorstellungen, wie man bestimmte Dinge angeht, aber wir diskutieren dann vernünftig drüber. Vieles ist eher eine Frage des Wordings…

…also der Sprachregelung.

MENGER: Ja. Da gibt es schon mal unterschiedliche Auffassungen. Aber das liegt in der Natur der Sache.

Kommunikation ist ein wichtiges Stichwort. Die unterschiedliche IT-Ausstattung der beiden Kliniken-Partner schafft bislang hohe Hürden. Ist Abhilfe in Sicht?

MENGER: Wir werden in den nächsten drei bis vier Jahren etwa elf Millionen Euro ausgeben für ein modernes IT-System. Das beinhaltet auch die Ausstattung im Neubau in Höchst. Das Konzept als solches steht für den gesamten Konzern. Das werden wir Schritt für Schritt umsetzen. In Höchst haben wir bereits mit der Digitalisierung der Patientenakten angefangen.

Nicht alles läuft wie geplant. Die Fertigstellung des Neubaus in Höchst verzögert sich, wie wir im November melden mussten. Vereinbart war sie für Oktober 2019. Wann rechnen Sie jetzt mit dem Einzug?

MENGER: Wenn man Realist ist, kann man von Spätherbst 2020 ausgehen. Klar, das wirft zurück und verursacht weitere Interimskosten. Aber es gibt einen Vertrag mit dem Generalunternehmer, der uns die Fertigstellung zu einem bestimmten Zeitpunkt schuldet. Da wird es Regelungen geben.

Nicht die einzige Baustelle. Auch die Küche in Kelkheim muss erweitert werden.

MENGER: Ja, dafür erwarten wir in Kürze die Baugenehmigung. In den Anbau investieren wir 1,9 Millionen Euro. Er soll im Februar 2020 fertiggestellt sein. Dann wird die Küche über 5000 Essen pro Tag liefern können.

Investitionen kosten Geld. Wird es dem Konzern auf Dauer gelingen, dieses selbst zu erwirtschaften oder muss sich vonseiten der Politik nicht doch entscheidend etwas ändern?

MENGER: Positiv ist, dass die Bundesregierung entschieden hat, dass die Personalkostensteigerung übernommen wird. Statt der ebenso notwendigen Entbürokratisierung ist die Bürokratie aber eher schlimmer geworden. Ein Beispiel ist die Pflegepersonaluntergrenzenverordnung. Hier müssen wir nachweisen, wie viele examinierte Kräfte mit welchen Zusatzqualifikationen in bestimmten Bereichen zu bestimmten Zeiten im Einsatz sind. Welche Praktiker sind da eigentlich am Werk? Ich habe schon manchmal den Eindruck, wir gehen in eine Planwirtschaft mit einem bürokratischen Overkill.

Zum Schluss noch etwas Persönliches. Was haben Sie im ersten Jahr hier gelernt?

MENGER: Ich habe das Rhein-Main-Gebiet und viele nette Leute kennengelernt. Ich habe festgestellt, dass ich überhaupt kein Problem habe, mit den Menschen hier klar-zukommen und fühle mich sehr wohl. Eine schöne Wohnung in Kelkheim ermöglicht mir, den Taunus zu genießen. Bei den hiesigen Wohnungspreisen und Mieten finde ich allerdings nicht verwunderlich, warum Bewerber von außerhalb sich manchmal schwer tun, sich für eine Anstellung bei uns, in dieser Region, zu entscheiden.

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