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Im Showspielhaus werden bis 31. August die Stühle leer bleiben. Fotocollage: Mock

Kultur

Trotz der Lockerungen bleibt das Hofheimer Showspielhaus bis Ende August geschlossen

Unter Corona-Auflagen kann das Theater nicht wirtschaftlich betrieben werden. Die Zeit soll für umfangreiche Renovierungen genutzt werden.

Hofheim -Die Demonstrationen gegen die Einschränkungen wegen des Coronavirus passen Bernhard Westenberger vom Showspielhaus gar nicht. "Das sind die Leute, wegen denen ich vielleicht noch länger nicht wieder aufmachen kann", sagt der Theatermacher. Wenn alle vernünftig wären, könnte es mit einer Wiedereröffnung Anfang September klappen. Aber die Politik fährt auf Sicht, zur Lage im Spätsommer kann man nicht viel sagen.

Westenberger hat schon ein, zwei begeisterte Telefonate bekommen, die Theater könnten ja wieder öffnen, das Showspielhaus sei damit ja wohl über den Berg. Aber diesen Anrufern musste er eine Enttäuschung beraten. Er und sein Geschäftspartner Hans-Jürgen Mock haben beschlossen, auf diese Möglichkeit zu verzichten. Vorerst bleibt es dabei, dass das Showspielhaus bis zum 31. August geschlossen ist. Die jetzt eröffneten Möglichkeiten will das Showspielhaus nicht nutzen.

Lange habe man hin- und her überlegt und gerechnet, berichtet Westenberger. Nach den geltenden Bestimmungen dürfe er nicht mehr als 70 bis 80 Zuschauer in das Haus lassen. Dem gegenüber stünde, dass die vollen Kosten des Spielbetriebes anfielen - Miete, Gagen, Gehälter für das Gastronomiepersonal und vieles mehr.

Dazu kommen weitere Überlegungen. Wer kann schon sicher sagen, dass überhaupt ausreichend Publikum kommt? Manche halten die Kontakteinschränkungen für übertrieben, wie auch die Demonstrationen vom Wochenende gezeigt haben, aber viele sind eben auch vorsichtig. Am Anfang der Pandemie war die Publikumsresonanz ebenfalls massiv eingebrochen, noch bevor es behördliche Beschränkungen gab.

Und keiner weiß, wie sich die Lage weiter entwickelt. Steigen die Infektionszahlen im Kreis, gibt es gar einen Fall im Showspielhaus, fällt der Vorhang womöglich gleich wieder. Ständig Termine zu verschieben, von Woche zu Woche neu zu planen, das führe unweigerlich zu einem nicht mehr beherrschbaren Chaos, fürchtet Westenberger. Ob die Gäste unter diesen Voraussetzungen überhaupt Karten kaufen?

Dazu kommt schließlich noch der Hinweis, dass Kabarett und Comedy Freude machen sollen. Das bedeutet aber auch, dass Umgebung und Atmosphäre stimmen müssen. "Wir wollen die Qualität unserer Stücke nicht dadurch mindern, dass das Hygienekonzept mehr wahrgenommen wird als die Kunst und die Freude."

Also bleibt der Laden zu - nicht ganz allerdings. Der Restaurantbetrieb verkauft inzwischen Essen zum Mitnehmen und liefert auch aus; außerdem betreibt das Showspielhaus einen Foodtruck, der am Gartencenter Tropica in Kriftel steht. Auf diese Weise kann wenigstens das Personal weiter beschäftigt werden, wenn auch in Kurzarbeit. Drei Köche sind angestellt, alle haben Familie, für sie ist es schon hart, wenn sie nur 67 Prozent des normalen Gehalts bekommen.

Dem Showspielhaus sei es gelungen, die laufenden Kosten erheblich zu senken, erklärt Westenberger. Die Umsatzeinbußen liegen immerhin im sechsstelligen Bereich. Die Soforthilfe das Landes Hessen sei schnell und unbürokratisch gekommen, lobt er. Dabei weiß Westenberger, dass dies so gut geklappt hat, weil das Showspielhaus eine vollwertige Firma ist - für so manchen Solo-Selbstständigen sieht es längst nicht so gut aus.

In den nächsten Tagen soll es für die Käufer von Tickets gestrichener Veranstaltung genauere Informationen geben, wie damit nun umzugehen sein wird. Dabei geht es um mehr als 7000 Eintrittskarten. Gutscheine oder Rückerstattung - Westenberger hätte sich gerne klarere Vorgaben der Regierung dazu gewünscht, wie zu manch anderem Thema. Sei er anfangs sehr mit den verordneten Kontaktbeschränkungen einverstanden gewesen, inzwischen sei manches uneinheitlich und unübersichtlich.

Ihren Optimismus haben Westenberger und Mock allerdings nicht verloren. Sondern sie haben sich dafür entschieden, dass im Showspielhaus einiges renoviert wird. "In Lager und Requisite sind auch Dinge liegen geblieben", sagt Westenberger. Es werden auch erhebliche Investitionen vorbereitet - das tut keiner, der damit rechnet, sein Geschäft demnächst endgültig schließen zu müssen. Manfred Becht

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