+
Der ICE hat im Februar 2017 den Prellbock eines Rangiergleises überfahren und sich auf den Bahnsteig hinaufkatapultiert. Dort, wo er zum Stehen kam, wäre nach dem Umbau des Griesheimer Bahnhofs einer der Aufzüge gewesen. Deshalb wird jetzt umgeplant. Alles verzögert sich um zweieinhalb Jahre.

Unmut bei Bürgern und Ortsbeiräten

Verzögerung beim Griesheimer Bahnhofsumbau

  • schließen

Erst wurde es seitens der Bahn abgestritten, jetzt ist es klar: Der ICE-Unfall vom Februar 2017 verzögert den seit Jahren geforderten barrierefreien Umbau des Griesheimer Bahnhofs deutlich – um noch einmal zweieinhalb Jahre. Der Unmut ist groß.

So ganz wohl ist Klaus Vornhusen, dem Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn für Hessen, nicht. Es ist nicht die Hitze, die ihn in seinem Anzug gart: Seine Manager-Floskeln lösen bei den Zuhörern in der Ortsbeiratssitzung nur höhnisches Gemurmel aus. Gleich vier Mitarbeiter hat er in den Saal der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde an der Bolongarostraße mitgebracht, um von „Änderungen zu berichten“, wie er es ausdrückt. Was er meint: Wegen des ICE-Unfalls vom Februar vorigen Jahres wird sich der Umbau zu einem barrierefreien S-Bahnhof Griesheim um zweieinhalb Jahre verzögern.

Der Hintergrund: Der ICE, dessen Fahrer einen Prellbock am Ende eines Rangiergleises übersah und mit seinem Millionen teuren Gefährt auf dem Bahnsteig zum Stehen kam, hätte – wäre der Bahnhof schon umgebaut gewesen – den Aufzug von der Fußgängerunterführung Waldschulstraße auf den Bahnsteig zerdrückt. Um ähnliche Gefahren zukünftig auszuschließen, müssen nun die Pläne geändert werden: Der Aufzug soll seitlich vom Gleis weg versetzt werden, etwa an die Stelle der Imbissbude an der Auffahrt zur Omegabrücke. Diese Änderung hat, verwaltungstechnisch gesprochen, die Planfeststellung gestoppt.

„Wir haben gehofft, wir könnten es mit einer geringen Anpassung so machen wie geplant, aber das ist uns nicht gelungen“, räumt Vornhusen ein. Gedacht war, mit anderen Arbeiten des Zwölf-Millionen-Projekts plangemäß zu beginnen und den vielleicht 800 000 Euro teuren Aufzug nachzubessern. Das hat das Eisenbahnbundesamt als Kontrollbehörde jedoch abgeschmettert – was den Baubeginn nun von Dezember 2018 auf wahrscheinlich Februar 2021 und den Fertigstellungstermin von Mai 2020 auf August 2022 verschoben hat. Warum der ICE damals den Prellbock durchbrochen hat, ist nach Aussage von Klaus Vornhusen auch 16 Monate später noch immer ungeklärt.

„Sie haben viel an Vertrauen verloren“, kommentierte Ursula Schmidt als Sprecherin des Aktionsbündnisses Bahnhof Griesheim das Eingeständnis Vornhusens. Sie warf dem Manager vor, nicht rechtzeitig informiert zu haben. Für Thomas Schlimme (Grüne) sind die zweieinhalb Jahre Verzögerung nicht akzeptabel. Die Ortsbeiräte hätten die Bürger immer wieder angesichts des Versprechens der Bahn, 2018 anzufangen, vertröstet: „Wir stehen jetzt als die Deppen da!“ Die Vorgehensweisen seien nicht nachvollziehbar, die Informationspolitik der Bahn ein Desaster: „Das ist Bahn-Geheimgewurschtel.“ Schlimme forderte, die Bahn müsse sich dem Unmut der Bürger aussetzen und zu einer Veranstaltung in Griesheim einladen. Das sicherte Vornhusen zu. Jedoch: Man habe „nicht unwahrhaftig kommuniziert“. Den Vorschlag des stellvertretenden Ortsvorstehers Michael Wanka, das betreffende Rangiergleis doch stillzulegen, lehnte Vornhusen ab. Das Gleis, ein sogenanntes „Ausziehgleis“, werde für den Betrieb der Bahn-Werkstatt in Griesheim gebraucht: „Wir sind froh, das die ICEs in Frankfurt zu Hause sind“, argumentierte der Manager, „Da hängen ja auch einige Arbeitsplätze dran.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare