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Die Gedenktafel auf dem Paul-Kirchhof-Platz.

Viel Arbeit am Paul-Kirchhof-Platz

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Die Sindlinger SPD lädt zu einem Rundgang an den Paul-Kirchhof-Platz und will dabei auch den Gedenkstein, der an den Namensgeber erinnert, reinigen. Der Platz selbst hätte eine Aufhübschung nötig.

Die Sindlinger SPD lädt für Mittwoch, 31. August, zu einer Stadtteilbegehung ein. Treffpunkt ist um 17 Uhr der Paul-Kirchhof-Platz. Ursprünglich hatten die Sozialdemokraten den Termin im Stadtteil für Dienstag, 30. August, angekündigt, hat ihn dann aber wenn der Ortsbeiratssitzung am 30. August um einen Tag verschoben.

Im Fokus der Genossen stehen unter anderem die geforderte Verlängerung des 57er-Busses von Sindlingen-Nord nach -Süd und die Fortschritte um Abriss und Neubau der Ludwig-Weber-Schule. Wie berichtet, hat der Abriss der Schule nicht, wie ursprünglich veranschlagt, jetzt Mitte August begonnen: Der Magistrat hat die Mittel noch nicht freigegeben. Ein Zeitplan für den Abriss der asbestverseuchten Schule kann erst aufgestellt werden, wenn die Mittel freigegeben sind. Das soll voraussichtlich am 2. September erfolgen. Die Zeit drängt: Zum Schuljahr 2018 /19 sollte eigentlich der Neubau schon bezogen werden.

Auch der Paul-Kirchhof-Platz selbst ist Thema: Schon vor zwei Jahren hatte die SPD im Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) den Antrag gestellt, den Platz in das Förderprogramm „Schöneres Frankfurt“ aufzunehmen. Zu dem Rundgang laden der Sindlinger SPDS-Stadtverordnete Sieghard Pawlik, der designierte Stadtbezirksvorsteher Roland Haschke und der ehemalige Ortsbeirat Claus Lünzer. Die SPD-Mitglieder wollen die Stadtteilbegehung dazu nutzen, den Gedenkstein des Sozialdemokraten Paul Kirchhof zu reinigen.

Paul Kirchhof (1902 – 1953), gelernter Kraftfahrzeugmechaniker bei der Adam Opel AG in Rüsselsheim, wurde schon früh Gewerkschaftsmitglied und trat in die SPD ein. Nach längerer Gesellentätigkeit fand er den Weg als Omnibusfahrer zur Frankfurter Straßenbahn, die ihn auf dem Omnibusbetriebshof Höchst beschäftigte. Als politisch aktiver Sozialdemokrat wurde er, verheiratet und damals Vater von zwei Kindern, im Jahr 1933 von den Nazis aus dem Dienst entfernt. Zusammen mit Paul Apel und weiteren Genossen des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold und der SPD gründete er eine Widerstandsgruppe, die unter anderem die illegale Zeitschrift „Sozialistische Aktion“ der SPD in Sindlingen und dem heutigen Main-Taunus-Kreis verteilte.

Kirchhof und Genossen wurden 1935 inhaftiert. Kirchhof selbst, der im Untergrund auch Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Main-Taunus war, wurde wegen Vorbereitung zum Hochverrat vom Oberlandesgericht Kassel zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt.

Die Haft setzte ihm gesundheitlich schwer zu. Trotzdem pressten ihn die Nazis ins berüchtigte Strafbataillon 999, während seine Familie Repressalien, Hunger und Anfeindungen ausgesetzt war. Doch Paul Kirchhof überlebte: Nach Kriegsende wurde er wieder als Omnibusfahrer eingestellt. Er stieg zum Bahnhofsvorsteher des Omnibusbetriebshofes Höchst und schließlich zum Betriebsdirektor der Frankfurter Straßenbahn auf.

Zeitweise wurde er zum hauptamtlichen Vorsitzenden einer Entnazifizierungskammer berufen. Schon 1946 wurde Kirchhof zum Stadtverordneten der SPD gewählt; von 1948 bis 1953 war er Vorsitzender der SPD-Fraktion im Frankfurter Römer. Er beteiligte sich an vielen Projekten des Wiederaufbaus, achtete aber besonders auf seine Wahlheimat Sindlingen, wo der gebürtige Okrifteler mit seiner Frau und inzwischen fünf Kindern wohnte.

Paul Kirchhof verunglückte am 28. Februar 1953 im Alter von nur 51 Jahren auf der Autobahn bei Darmstadt. Er war auf der Heimfahrt von einer Vorstandssitzung der Vereinigung der Straßenbahnergesangsvereine Deutschlands, deren Gründer und Bundesvorsitzender er war. An seinem Trauerfeier auf dem Frankfurter Hauptfriedhof nahmen Tausende Menschen teil. Zur Urnenbeisetzung auf dem Sindlinger Friedhof kamen die Menschen aus dem Stadtteil, aber auch Repräsentanten der Stadt und des Landes. Auf dem Paul-Kirchhof-Platz erinnert eine Gedenktafel an den Widerstandskämpfer, und an seinem Wohnhaus in der Okrifteler Straße 18 hat der Sindlinger Heimat- und Geschichtsverein vor drei Jahren ebenfalls eine Tafel anbringen lassen.

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