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Nach dem Unterricht sollen immer mehr Kinder noch in der Betreuung unter Aufsicht bleiben. Dies soll, so der Plan der Kreis-Koalition, in absehbarer Zeit an allen Grundschulen im Main-Taunus-Kreis möglich sein.

Bildung

Bildung, Betreuung und Erziehung sollen in einer Hand unter einem Dach sein - mit dem Kreis als Träger

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Der Kreis, der die Verantwortung für die Beschäftigung der Schulkinder nach dem Unterricht noch Anfang des Jahrtausends gerne den Städten und Gemeinden überlassen hat, will die Betreuungsangebote an den 37 Grundschulen im MTK nun unter seine Regie bringen.

Irgendwann hätten sie bemerkt, was entstanden sei, inzwischen sei das System aber enorm groß. Die Quote der Grundschüler, die nach dem Unterricht noch betreut werden sollen, sei auf 60 Prozent gestiegen, sagt Erster Kreisbeigeordneter Wolfgang Kollmeier (CDU), zu dessen Dezernat auch die Schulen gehören. Immer mehr Eltern seien auf die Nachmittagsbetreuung ihrer Kinder angewiesen; Alleinerziehende genauso wie Familien. Was bei der Betreuung vorher mit kleinen Zahlen gut funktioniert habe, müsse neu bedacht werden.

Nun sollen an den Grundschulen im Main-Taunus-Kreis Bildung, Betreuung und Erziehung unter einem Dach mit einer Leitung zusammengeführt werden – unter der Trägerschaft des Kreises. Im Kreistag wurde bei der jüngsten Sitzung ein „Eckpunktepapier zur Neuausrichtung der Betreuungsangebote an Grundschulen zum 1. August 2019“ zur Kenntnis genommen (wir berichteten). Auf der Basis dieses von Schulexperten der CDU/Grünen/FDP-Koalition im Kreistag ausgearbeiteten Papiers soll der Kreisausschuss nun eine Konzeption erstellen. Dabei soll auch die bestehende Nutzungs- und Gebührensatzung für die Teilnahme an der Betreuung überarbeitet werden.

Enger Zeitplan

Die Zeit drängt, weiß Kollmeier, zumal die Sommerferien in diesem Jahr sehr früh liegen und vorher die verschiedenen Gremien informiert sein müssen. Eine Rohfassung der Betreuungskonzeption samt Gebührensatzung wurde von der Verwaltung schon ausgearbeitet. Bis Ostern sollte sie komplett stehen. Rechtzeitig vor den Sommerferien muss sie von den Beteiligten Fachausschüssen abgesegnet sein, damit sie nach den Ferien an den ersten Schulen angewendet werden kann. Die Eltern müssen ja rechtzeitig, das heißt deutlich vor den Sommerferien, wissen, welche Möglichkeiten es für ihre Sprösslinge im neuen Schuljahr gibt.

Andererseits muss nicht alles auf einmal holterdiepolter umgesetzt werden. Acht Grundschulen – Pestalozzischule (Kelkheim), Grundschule Süd-West (Eschborn), Lindenschule (Kriftel), Regenbogenschule (Hattersheim), Weinbergschule (Hochheim), Albert-Schweitzer-Schule (Hattersheim), Steinbergschule (Hofheim), Georg-Kerschensteiner-Schule (Schwalbach) – beteiligen sich bereits am im Schuljahr 2016/17 gestarteten „Pakt für den Nachmittag“. Diese Kooperation von Kreis und Landesregierung gilt als Grundlage für die Umsetzung des neuen Konzepts im MTK. „Wer im Pakt ist, wird es hinbekommen“, glaubt Kollmeier, dass das neue Konzept an diesen Einrichtungen im kommenden Schuljahr starten kann.

Aber leider seien viele Grundschulen noch nicht im Pakt, „obwohl es dort mehr Geld vom Land gibt“, so der Schuldezernent. Seine Einschätzung: Mit dem zusätzlichen Geld des Kreises sollte es an den Schulen künftig möglich sein, die Betreuung bis 14.30 Uhr beitragsfrei hinzubekommen. Erst danach kommen auf die Eltern weitere Kosten zu. Kollmeiers Ziel lautet: Innerhalb von fünf Jahren sollen die Betreuungsangebote aller Grundschulen im MTK in Verantwortung des Kreises laufen. Das Land Hessen habe mit seinen Programmen gute Vorgaben gemacht, nun seien aber die Kreise gefragt, die schließlich alle unterschiedliche Bedingungen hätten. „An Ort und Stelle weiß man’s besser“, sieht Kollmeier den MTK auf dem richtigen Weg.

Damit die MTK-Schulen mitmachen, gibt es finanzielle Anreize. „Wir nehmen viel Geld in die Hand, um den Schulen zu ermöglichen, dass sie es hinbekommen“, sagt der Schuldezernent. 80 000 Euro stehen dafür ab August im Haushalt 2019 bereit. In den folgenden Jahren sollen es jeweils knapp 2 Millionen Euro sein.

Umstellung im Amt

Damit in der Kreisverwaltung die neue Aufgabe geleistet werden kann, wurde im zuständigen Amt ein Sachgebiet „Schulkindbetreuung“ eingerichtet. Sie sei auf einem guten Weg, sagt Kollmeier; auch wenn eine gut qualifizierte Kraft wegen der zu hohen Wohnungspreise im MTK wieder abgesagt habe. Auch das Bauamt – vielerorts muss für die Betreuung neu oder umgebaut werden – sei gut aufgestellt.

Wichtig für die Eltern: Sie sollen auch künftig selbst entscheiden können, ob ihre Kinder in die Betreuung gehen sollen. Schuldezernent Kollmeier sieht die Betreuungsquote allerdings weiter in Richtung 100 Prozent steigen. Entsprechend sollen die Grundschulen, die dem Konzept des Kreises folgen, auch räumlich ausgestattet werden.

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